Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

 

Nach 20 Jahren erfindet die Bahn das Online-Ticket neu

Einloggen, buchen, drucken oder in die App laden: Digitale Fahrkarten zu kaufen ist für Millionen Bahnkunden Alltag. Das war nicht immer so. Und noch immer geht nicht alles ohne Formular.



Roboter "Semmi"
Eine Frau spricht im Reisenzetrum des Hauptbahnhofs mit «Semmi», einem Roboter vom Kundenservice der Deutsche Bahn, der auf Basis Künstlicher Intelligenz (KI) funktioniert.   Foto: Lisa Ducret/dpa

Man steigt mit Cargo-Hose in den Interregio, das Radio dudelt «Mambo No. 5» und zu Hause rödelt ein 56-k-Modem. Unter Pfeifen und Knarzen öffnet sich der Weg ins Internet: Das war die Welt 1999, und das weltweite Netz war für viele wirklich Neuland.

Dennoch lief am 25. Oktober Deutschlands erstes digitales Bahnticket aus einem Computerdrucker. 20 Jahre später ist es normal, online zu buchen, und das Ticket in der App verdrängt nach und nach den Ausdruck.

Doch für Bahnfahrer sind weitere Neuerungen in Arbeit. Spätestens 2021 soll sie Fahrkarten auch per Sprachbefehl ordern können, kündigte Bahn-Vorstandsmitglied Sabina Jeschke an. Eine komplett neue IT-Landschaft für die Vertriebssysteme sei in Arbeit. Sie soll dann endlich auch das ungeliebte Papierformular für die Fahrpreiserstattung überflüssig machen.

Online-Ticket hat sich bewährt

Aus Kundensicht hat sich das Online-Ticket bewährt, wie es beim Fahrgastverband Pro Bahn heißt. «Das ist ein absoluter Erfolg», sagt der Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann. Die Bahn habe sich damals auf den richtigen Weg begeben. Eines aber habe sie versäumt: Ticketverkaufsstellen in Drogerien, Buchhandlungen oder andere Geschäften an Bahnhöfen einzurichten. Als Ersatz für geschlossene Fahrkartenschalter. «Da war die Bahn nicht mutig genug.»

Schon knapp jede zweite Fahrkarte verkauft sie heute online - 1999 war das noch revolutionär. Denn nur einer von vierzig Deutschen hatte einen eigenen Internetzugang, wie die Weltbank verzeichnete. Bei Lufthansa kaufte noch weniger als ein Prozent der Passagiere das Ticket im Netz.

Bei der Bahn konnten Kunden zunächst nur für bestimmte Direktverbindungen im Fernverkehr verbillige Fahrkarten im Netz buchen und selbst ausdrucken. Auf das Pilotprojekt folgte drei Jahre später das heutige Online-Ticket auf bahn.de.

Die Zahlen wachsen

Heute wachsen die Zahlen noch immer, noch stärker aber steigen sie beim Handy-Ticket in der Bahn-eigenen App DB Navigator. Wer damit selber eincheckt, kann sich sogar die Fahrkartenkontrolle ersparen.

Der Online-Vertrieb bringt es aber auch mit sich, dass die Bahn immer wieder mit Betrügern zu kämpfen hat. Sie haben etwa Fahrkarten angeboten, die sie mit geklauten Kreditkartendaten gekauft haben, oder sie ergaunerten mit gehackten E-Mail-Daten Storno-Gutscheine.

Im Reisezentrum wird noch knapp jede siebte Fahrkarte gekauft. Die Zahlen gehen ebenso stetig zurück wie beim Automatenverkauf. Ohne Reisezentrum gehe es aber nicht, meint Fahrgastvertreter Naumann: «Komplexere Dinge - Schlafwagenreservierungen und Auslandsfahrkarten etwa - die sind am Schalter einfacher.»

Weniger Reisezentren

Noch 2002 gab es 750 Reisezentren, heute sind es knapp 400, die vor allem ältere Kunden nutzen, wie die Bahn beobachtet. Viele frühere Fahrkartenverkäufer mussten wegen des Online-Tickets andere Aufgaben bei der Bahn übernehmen.

Man komme am Online-Vertrieb nicht vorbei, sagt Klaus-Dieter Hommel, der Vizevorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft. Die Bahn dürfe aber den persönlichen Kontakt zu den Kunden nicht verlieren, warnt der Gewerkschafter. «Kommt es zu Störungen oder Ausfällen, kann nur ein Mensch weiterhelfen.»

Die Gewerkschaft vermisst Visionen für lebendige Bahnhöfe als gesellschaftliche Treffpunkte. «Dabei ist der Service die entscheidende Rolle, die unseren Kolleginnen und Kollegen mit Leben erfüllen wollen - wenn man sie denn ließe.»

Ein Ticket ausdrucken? Im Jahr 2019 wirkt das schon etwas angestaubt, so lesen sich selbst Kundentipps der Bahn. Sie empfiehlt Reisenden: Eilige sollten mit dem Navigator einen Handy-Ticket buchen. «Wenn Sie Altbewährtes mögen und ein Ticket auf Papier bevorzugen, dann reisen Sie mit dem ausgedruckten Online-Ticket.»

Veröffentlicht am:
21. 10. 2019
10:07 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bahnkunden Bahntickets Deutsche Lufthansa AG Drogerien Fahrgastverbände Fahrkarten Gewerkschaften Kunden Online-Vertrieb Passagiere und Fahrgäste Pro Bahn Schienenverkehr Weltbank
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Arriva

08.11.2019

Ist das noch Deutsche Bahn oder kann das weg?

Verspätete Züge, marode Strecken, hohe Schulden - die Deutsche Bahn muss viele Probleme lösen. Aber sie gönnt sich einen Vorstandsstreit. Und scheitert vorerst bei einer wichtigen Kurskorrektur. » mehr

Startendes Flugzeug

17.09.2019

Die vertrackte Klima-Preisschraube beim Fliegen

Wenn die Regierung ihr großes Klimaschutz-Paket schnürt, geht es auch darum, höhere Flugpreise zu erreichen. Doch so einfach ist das nicht. » mehr

Regionalzüge

23.10.2019

Der Staatskonzern hat viel Konkurrenz

Fahrgäste sehen längst nicht mehr nur rot - ein Vierteljahrhundert nach Ende der Bundesbahn ist die Zugwelt farbenfroher geworden. Der Staatskonzern hat viele Wettbewerber. Allerdings nicht überall. » mehr

Messe "micromobility expo"

02.05.2019

Dem Auto wird der Platz streitig gemacht

Zentrales Thema beim «Kulturwechsel» der Mobilität in den Städten ist das Nebeneinander zwischen Automobilen und Leichtfahrzeugen. Dem Auto wird der Platz auf den Straßen zunehmend streitig gemacht. Das Thema dominierte ... » mehr

Links und rechts und hin und her

12.11.2019

Mit Technik gegen Reisekrankheit

Kaum ist man losgefahren, rebelliert der Magen: Manche Mitfahrer leiden im Auto schon nach kurzer Fahrt an der Reisekrankheit. Es gibt Möglichkeiten, sie zu verhindern - auch technische. » mehr

Gestapelte Fahrräder

12.09.2019

Fünf Ideen aus dem Fahrradland Holland

In den Niederlanden gibt es mehr Fahrräder als Einwohner. Und die radeln im Jahr 15 Milliarden Kilometer. Das geht auch super, denn alles ist aufs Radfahren eingestellt. Da können wir Deutsche eventuell etwas von lernen. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
21. 10. 2019
10:07 Uhr



^