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Ohne eigenes Auto mobil auf dem Land

Wer sporadisch ein Auto benötigt und kein eigenes hat, guckt auf dem Land oft in die Röhre. Denn die meisten Carsharing-Anbieter konzentrieren sich auf größere Städte. Doch es gibt inzwischen auch Alternativen.



Meins ist deins
Wer in Eigenregie Carsharing auf die Räder stellen will, kann sein privates Auto teilen.   Foto: Christin Klose/dpa-tmn » zu den Bildern

Carsharing wird immer beliebter. Vor allem in Ballungsräumen gibt es ein breites Angebot. Doch auf dem platten Land bin ich ohne eigenes Fahrzeug aufgeschmissen, oder? Nein, nicht ganz. Es gibt durchaus einige Möglichkeiten.

«Die Carsharing-Angebote dort werden oft von Vereinen oder Genossenschaften unterhalten», sagt Wiebke Schönherr vom Bundesverband Carsharing (bcs). «Fast immer handelt es sich zudem um ein stationsbasiertes Carsharing, bei dem das Auto an einem festen Punkt abgeholt und auch wieder abgestellt wird.» Für kommerzielle Anbieter würden sich eigene Vermietstationen in dünner besiedelten Gebieten hingegen oft nicht lohnen. Doch man kann auch selbst aktiv werden.

Wir machen Carsharing einfach selbst

Ein eigenes Carsharing-Projekt auf die Beine zu stellen, erfordert allerdings auch ein gewisses Know-how. «Wir empfehlen Privatpersonen, sich immer in einem Verein zusammenzuschließen, wenn sie Carsharing betreiben möchten», rät Schönherr. Der Hintergrund seien vor allem rechtliche Fragen beim Versicherungsschutz. Wie das funktionieren kann, hat der bcs auch in einem Leitfaden zur Gründung eines Carsharing-Angebots zusammengefasst. Dort werden ganz praktische Tipps zur Wahl geeigneter Standorte gegeben, oder auch Fragen zur Auswahl der Fahrzeuge, Fördermöglichkeiten bei E-Autos und Rechenbeispiele zur Wirtschaftlichkeit behandelt.

Hilfsangebote kommen auch von professioneller Seite

Hilfe bei der Gründung eines Carsharing-Angebots bieten auch Firmen wie MOQO an. Das junge Unternehmen aus Aachen hat sich darauf spezialisiert, Shared-Mobility-Projekte zum Laufen zu bringen, sei es von Gemeinden, Bürgervereinen oder auch Stadtwerken. MOQO stellt dabei eine komplette Plattform zur Verfügung und setzt auf Digitalisierung. Hier ersetzt die App den Schlüsselkasten.

«Wir statten die Fahrzeuge sowohl mit der notwendigen Hardware für einen schlüssellosen Zugang aus, kümmern uns aber auch um Buchung und Abrechnung», sagt Tim Rath von MOQO. Die Digitalisierung helfe, mehr Mobilität in die Fläche zu bringen. Rund 50 Carsharing-Projekte hat MOQO bereits in der Fläche umgesetzt. Viele davon mit Stadtwerken, die prädestiniert dafür seien, Carsharing mit E-Autos anzubieten, so Rath.

Teilen kann auch eine Alternative sein

Eine andere Möglichkeit ist das private Teilen des eigenen Autos. Möglich ist dies beispielsweise über die Plattform Getaround, auf der Autobesitzer ihr Fahrzeug anbieten können. Das aus den USA kommenden Unternehmen hat die in Deutschland bekannte Plattform Drivy übernommen. Für die Vermittlung verlangt Getaround 25 Prozent Servicegebühr und bietet dafür auch einen Versicherungsschutz an. Bis zu 800 Euro könne durch die Vermietung des eigenen Autos im Monat verdient werden, verspricht Getaround auf seiner Homepage. Andere Anbieter mit ähnlichen Konzepten sind Getaway oder Snappcar.

Der Nachbar teilt sein Auto mit uns

Wer sein Auto mit einem festen Nutzerkreis teilen will, kann hierzu auch einen Nachbarschaftsvertrag aufsetzen, in dem alle wichtigen Dinge geregelt sind. «Diese Form des Carsharing funktioniert aber nur, wenn es eine gewisse Vertrauensbasis gibt und wirklich klar geregelt ist, wer das Auto wann nutzen kann», sagt Philipp Kosok vom Verkehrs Club Deutschland (VCD).

Carsharing lohnt sich nach Ansicht des VCD für alle, die für ihren Weg zur Arbeit nicht auf ein Auto angewiesen sind und die pro Jahr nicht viel mehr als 7000 Kilometer fahren. Zudem würden durch ein Carsharing-Auto vier bis acht private Pkws ersetzt, wodurch also gerade in Ballungsräumen viel Platz gespart werde.

Clever kombinieren

Für den ländlichen Raum sieht der VCD vor allem in Ride-Sharing-Diensten großes Potenzial, die auf Abruf zum Kunden kommen. Also eine Weiterentwicklung der früheren Rufbusse. «Solche Dienste bieten sich an, um sie mit Bus und Bahn zu kombinieren, die in der Fläche oft nicht effektiv sind», sagt Kosok.

Ein Beispiel für die Verknüpfung mit dem Nahverkehr sei das Angebot von ioki, das in einigen Randlagen von Hamburg den Fahrgästen eine Anbindung an das S-Bahn- und Busnetz ermöglicht. Buchbar sind die On-Demand-Shuttles nur via App. Ähnliche Angebote gibt es auch von Clever Shuttle oder Moia. «Wenn es mehr solcher Angebote im ländlichen Raum geben würde, könnten auch mehr Berufspendler ihr Auto stehen lassen und umsteigen», sagt Kosok.

Es muss nicht immer nur das Auto geteilt werden

MOQO sieht unterdessen noch viele weitere Möglichkeiten, über den Gedanken des Teilens mehr Mobilität in die Fläche zu bringen. «Nicht nur Autos können geteilt werden, sondern auch E-Bikes, Scooter oder Lastenfahrräder», sagt Rath. Idealerweise könne der Kunde morgens via App einfach auswählen, für welches Fortbewegungsmittel er sich an einem Tag entscheidet.

Infokasten:

Carsharing wächst - vor allem in Ballungsgebieten dichtes Angebot

Laut dem Bundesverband Carsharing (bcs) gibt es in Deutschland inzwischen 226 Anbieter, die an 840 Orten rund 25.000 Fahrzeuge bereitstellen. «Die Branche wächst seit Jahren. Noch vor einem Jahr waren es 181 Anbieter in 740 Städten und Gemeinden», sagt Wiebke Schönherr vom bcs. Allerdings sei die Anbieter-Dichte naturgemäß in Ballungsgebieten deutlich höher als in kleinen Ortschaften. So gibt es dem bcs zufolge in 95 Prozent aller Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern Carsharing-Angebote, während es in Gemeinden mit weniger als 20 000 Einwohnern nur 4,3 Prozent sind.

© dpa-infocom, dpa:200528-99-222660/2

Veröffentlicht am:
25. 06. 2020
17:14 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
25. 06. 2020
17:14 Uhr



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