Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

 

Wenn Autos miteinander sprechen

Moderne Autos bieten viel Elektronik. Für mehr Komfort und Sicherheit sollen sie aber auch miteinander kommunizieren können. Über die beste Technik herrscht allerdings Uneinigkeit.



Vernetzte Autos
Sinnvoll eingebunden: Vernetzte Autos tauschen Infos mit der Umgebung aus, etwa um passgenau auf einer grünen Welle mitschwimmen zu können.   Foto: BMW AG/dpa-tmn » zu den Bildern

Glatte Straßen, Nebel und null Sicht. Der Autofahrer reduziert sofort die Geschwindigkeit, hält sich bremsbereit. Und hofft, dass ihm keiner mit voller Wucht ins Heck knallt.

Mit Car-to-car-Kommunikation könnte das im Idealfall aber erst gar nicht passieren, denn der nachfolgende Verkehr wäre bereits informiert. Wie funktioniert das?

Ein so vernetztes Auto besitzt eine Art WLAN-Router mit einer Reichweite von etwa 500 Metern, der selbst bei Höchstgeschwindigkeit Daten senden und empfangen kann. «Eine Reichweite von bis zu 100 Meter langt für die meisten städtischen Anwendungen», erläutert Profe. Horst Wieker von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (htw saar).

Autos tauschen sich mit der Infrastruktur aus

Diese Fahrzeuge schicken im Sekundentakt über einen sicheren WLAN-Standard Nachrichten, mit Informationen zur Geschwindigkeit, Position und Richtung. Auch Eingriffe des Autos werden übermittelt, wie starke Bremsbewegungen oder Aktivierung der Warnblinkanalage. Bei der Car-to-x-Kommunikation können die Autos nicht nur untereinander, sondern auch mit der Infrastruktur «sprechen».

Neben der Sicherheit erhöhen diese Informationen den Verkehrsfluss. Ampeln können Fahrzeugen in Echtzeit mitteilen, bei welchem Tempo sie auf einer grünen Welle surfen. Das spart Kraftstoff und reduziert Unfälle.

Bei einer weiteren Vernetzung könnte das System auch Autofahrer beim Abbiegen vor Fußgängern und Radfahrern warnen oder ihnen frühzeitig ankündigen, dass Einsatzfahrzeuge in eine Kreuzung einfahren.

«VW setzt bei seiner Kommunikation auf den Standard ETSI G5, den auch andere Hersteller nutzen», sagt Prof. Wieker. Dazu zählen Hersteller von Ampeln oder die österreichische Infrastrukturgesellschaft Asfinag (Autobahnen und Maut).

Mehr Unfälle können vermieden werden

«Je mehr Fahrzeuge mit einer standardisierten Car-to-car- oder Car-to-x-Kommunikation ausgestattet sind, desto besser können sie sich untereinander warnen», sagt Prof. Andre Seeck von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt). Dann habe das System das Potenzial, die Zahl der schweren Unfälle weiter zu senken.

Eine fast 100-prozentige Marktabdeckung sei Schätzungen zufolge selbst unter der optimistischen Annahme, dass ab sofort alle neuen Fahrzeuge mit der Technik ausgestattet werden, erst in etwa 17 Jahren erreicht. «Für positive Effekte im Straßenverkehr reicht eine Marktdurchdringung von 10 bis 15 Prozent. Das könnte in drei bis vier Jahren soweit sein, wenn bald alle Hersteller ihre Autos mit dem System ausstatten», sagt Prof. Seeck.

Golf und Golf sprechen miteinander

Volkswagen verkauft seit diesem Jahr den neuen Golf erstmals serienmäßig mit Car-to-x-Kommunikation. «Der Vorteil liegt in der direkten Echtzeit-Kommunikation mit wenigen Millisekunden. Außerdem kostet es den Autofahrer keine zusätzlichen Gebühren, da die Kommunikation nicht über das Telefonnetz läuft», sagt VW-Entwickler Thomas Biehle. Golf-Fahrer informieren und warnen sich untereinander, etwa bei Pannen, Unfällen, Stau, Notbremsung und instabilem Fahrzustand.

Wie sollen die Autos miteinander kommunizieren?

Einigkeit darüber, welcher Standard der Beste ist, herrscht noch nicht. Mercedes setzt seit 2016 auf eine vernetzte Kommunikation, die Informationen des Fahrzeugs über eine sichere Cloud an andere Mercedes-Fahrzeuge weitergeben kann. «Mit den Daten schaffen wir einen erweiterten Sensor, der über viele Kilometer vorausblicken kann», sagt Mercedes-Entwickler Nikolaus Kleiner.

Eine spezielle Hardware benötigen die Autos nicht, um an der Schwarmintelligenz teilzuhaben. Das Auto muss mit einem Navigationsgerät ausgestattet und die Funktion LiveTraffic aktiviert sein.

BMW geht einen ähnlichen Weg und bietet seit 2016 mit Connected Drive eine interne Kommunikation an, die Fahrer vor bestimmten Situationen warnt. Dabei kommuniziert das System vereinfacht ausgedrückt mit Daten, die über weite Strecken von Autos über Server - dem sogenannten Backend - zu anderen Autos übertragen werden. «So können wir nicht nur einen Fahrer über ein paar hundert Meter warnen, sondern alle über viele Kilometer», sagt Joachim Göthel von BMW. Ab 2021 will man mit dem SUV iNext und dem neuen Datenstandard 5G ein System vorstellen, das zusätzlich auch auf kurzer Reichweite senden und empfangen soll.

Im Gegensatz zu Volkswagen setzt BMW auf die Mobilfunktechnik C-V2X, eine 2017 verabschiedete LTE-Spezifikation. Auch andere Hersteller entwickeln bereits Systeme mit diesem Standard.

Plattform für übergreifenden Austausch

BMW strebt eine Plattform an, über die alle Hersteller und Verkehrsteilnehmer sicherheitsrelevante Informationen tauschen können. Dafür haben die Bayern vor einigen Monaten mit Daimler, Ford, Volvo sowie den Geodatendienst-Anbietern HERE Technologies und TomTom einen neutralen Server zum Austausch und Kombinieren von sicherheitsrelevanten Verkehrsdaten gestartet.

© dpa-infocom, dpa:200629-99-606839/3

Veröffentlicht am:
30. 06. 2020
04:38 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Autofahrer BMW Bundesanstalt für Straßenwesen Daimler AG Daten und Datentechnik Einsatzfahrzeuge Fahrzeuge und Verkehrsmittel Glatte Straßen Hardware Kraftstoffe Straßenverkehr VW Verbindungsdaten Verkehrsteilnehmer Volkswagen AG Volvo
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Porsche-Archiv

14.07.2020

Wie das Gedächtnis einer Automarke tickt

Jedes größere Autounternehmen betreibt ein Archiv. Es ist mittlerweile weit mehr als das Gedächtnis der Unternehmen. Was wird da eigentlich alles aufbewahrt und was machen die Archivare? » mehr

Ein Polizist stoppt ein Fahrzeug

21.01.2020

So bereiten Sie sich auf eine MPU vor

Alkohol, Drogen, zu viele Punkte - für den Verlust der Fahrerlaubnis gibt es viele Gründe. Oft folgt die MPU. Die Angst der Betroffenen davor ist groß. Wer sich jedoch gut vorbereitet, kann beruhigt sein. » mehr

Auf seitlichen Zugang achten

04.08.2020

Die richtigen Dachboxen fürs Auto finden

Steht der Familienurlaub mit dem Auto an, wird der Stauraum im Kofferraum schnell knapp. Autofahrer können dann auf Dachboxen zurückgreifen. Was müssen sie beim Stauraum auf dem Dach beachten? » mehr

Elektro Tretroller

27.12.2019

Warum E-Scooter so viel Emotionen wecken

Sie kamen, rollten - und regten die Menschen auf. E-Scooter sollten revolutionieren, wie wir uns umweltbewusst in Großstädten fortbewegen. Die Mobilität haben sie nun bisher kaum verändert - den Diskurs hingegen schon. » mehr

Wasserstofftankstelle

18.06.2019

Warum Wasserstoffautos kaum gefragt sind

Auto fahren, ohne sich als Klimasünder zu fühlen? Geht mit einem Elektroauto, also einem Fahrzeug mit großer schwerer Batterie. Moment mal - es gibt noch eine andere Möglichkeit: Wasserstoffautos. Fachleute kommen ins Sc... » mehr

Diesel-Fahrverbot

02.10.2019

Wann lohnt sich die Diesel-Nachrüstung?

Fahrverbote für Diesel gibt es bisher nur in wenigen Städten - doch das könnte sich ändern. Zumindest für viele Euro-5-Wagen gibt es jetzt Nachrüstsysteme. Die haben ihren Nutzen - und Nachteile. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
30. 06. 2020
04:38 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.