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100 Jahre Mazda: Mehr als Zoom-Zoom



 

Die Nummer haben sie sich in Hiroshima ganz anders vorgestellt. In Augsburg übrigens auch. Da wird Mazda 100 Jahre alt – und dort wie hier kann man nicht feiern, weil weltweit ein Virus wütet. Da hilft nur bedingt, dass Montagehallen wie Autohäuser sei kurzem wieder geöffnet haben.

Mit Autos hat das Unternehmen zunächst nichts im Sinn. Bei der 1920 gegründeten "Toyo Cork Kogyo" wird Kork veredelt. Erst acht Jahre später fertigen sie dort erste Maschinenbauteile – und von 1930 an auch Motorräder. Ein Lastendreirad namens Go geht 1931 in Serie, erstmals unter dem Namen "Mazda". 1940 stellt die Firma den Prototypen eines Kleinwagens vor, der Krieg verhindert jedoch die Produktion.

Es soll dann noch 20 Jahre dauern, bis der R360 Coupé als erster Wagen der Marke vom Band läuft – ein Winzling mit zwei Zylindern und 16 PS. Doch dann gibt Mazda Gas: 1967 kommt der Cosmo 110 S – ein sensationeller Sportwagen, der noch vor dem NSU RO 80 mit einem Zweischeiben-Wankelmotor unterwegs ist.

Apropos Kreiskolben: Von der Alternative zum Auf und Ab war man bei Mazda schon immer begeistert. Der RX-7 brachte es in drei Generationen zur Legende – und 1991 siegte ein Mazda-Wankel bei den 24 Stunden von Le Mans. Auch in Zukunft hat das bauchige Dreieck bei den Japanern eine Heimstatt. Der Range-Extender in einer Variante des E-Autos MX-30 funktioniert nach diesem Prinzip.

Technische Finesse kennzeichnen weitere Sonderwege von Mazda. So setzen die Ingenieure beim Benziner auf extrem hohe und beim Diesel auf extrem niedrige Verdichtung. Und dann ist da noch der aktuelle Skyactiv-X-Motor, der mit Hilfe einer ausgeklügelten Kompressionszündung die Prinzipien beider Systeme alltagstauglich vereint.

Und wer es nicht so sehr mit dem Alltäglichen hat – die Ikone der Marke steht genau für dieses Gefühl. Der offene Kult-Roadster MX-5 bringt seit vier Generationen Fahrspaß. Kleines Auto, kleiner Motor, kleines Geld. Wo der Fahrer nicht nur im Zentrum steht, sondern fast genau dort sitzt. Was sie bei Mazda "Jinba Ittai" nennen – das Gefühl der Einheit von Ross und Reiter. Und wo, wenn nicht in Origami-Land, fänden sich die Großmeister jener Kunst, ein Deckengewölbe in ein winziges Zweisitzer-Heck hineinzufalten?

Wer Freude an Mazdas bewegter Geschichte hat, dem sei die Wertachstraße 29a in Augsburg empfohlen. Früher wurden in der riesigen Halle Straßenbahnen gewartet, heute steht das Areal zum großen Teil unter Denkmalschutz. So finden Historie und Historisches zueinander – zum einzigen Mazda-Museum außerhalb des Firmensitzes in Hiroshima.

Aufgebaut haben es Walter Frey und seine beiden Söhne. Sein halbes Leben lang hat der Senior Autos der Marke Mazda verkauft. Erfolgreich. Dann, vor gut 30 Jahren, war er in Amerika – und irgendwo in New Jersey sah er diesen weißen Cosmo 110 S. Seither sammelt die Familie. Von überall auf der Welt und von weit vor Zoom-Zoom. Seltene Stücke, Rekordfahrzeuge, Prototypen und Autos mit besonderer Geschichte.

Der Mazda-Bus "Parkway" von 1976 hat dort ebenso seinen Platz wie einer von gerade mal 600 Abschleppwagen "Rotary Pick Up" mit Wankelmotor, die Anfang der 1980er-Jahre zu Werbezwecken in den USA gebaut wurden. Oder der "Luce" von 1969. Ein schnittiges Coupé, das gut und gerne auch aus Italien stammen könnte. Aktuell letztes Restaurierungsobjekt ist ein Transport-Dreirad von 1950. Das älteste erhaltene in ganz Europa.

Und da wären wir wieder am Anfang…

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Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
07. 05. 2020
12:45 Uhr

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