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Dann eben 2018 . . .

Schon das Lächeln eines ganz normalen Japaners ist schwer zu deuten. Freut er sich wirklich oder bewahrt er nur Haltung? Noch viel weniger gelingt eine Einschätzung, wenn es sich beim Heber der Mundwinkel um den Lenker des weltgrößten Automobilkonzerns handelt.



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Denn wirklich zu lachen hat Akio Toyoda am vergangenen Sonntag wenig. Zum zweiten Mal in Folge ist seinem Toyota-Team der Sieg in Le Mans entglitten. Was also soll sein Lächeln bedeuten? Contenance, Frusttarnung – oder doch wirklich ein Anflug von Begeisterung?

Es hatte prächtig begonnen für Toyota Gazoo Racing. Erste Startreihe, Rundenrekord, alles im Plan. TGR hat eine Rechnung offen mit den 13,6 Kilometern und den 21 Kurven. Wären es die 23 Stunden und 56 Minuten von Le Mans – die Japaner hätten 2016 gewonnen. Haushoch. Anderthalb Minuten Vorsprung auf Porsche. Doch in der letzten von 384 Runden rollte der TS050 aus. Drei Minuten und 20 Sekunden vor dem Fall der Flagge. Wegen eines kaputten Steckers zwischen Turbo und Ladeluftkühler.

Motorsport macht demütig. "To finish first – first you have to finish", besagt darum die älteste Weisheit der Zunft. Um Erster im Ziel zu sein, muss man erst mal im Ziel sein. Und also gewann am Ende Porsche, Toyota aber war Sieger der Herzen. Woanders mag das ein Trost sein. Aber nicht in Le Mans. Keiner kommt zum Circuit de Sarthe für Platz zwei.

Also haben sie am Tag danach mit dem Tüfteln begonnen – und dem Testen. In Köln vor allem, aber auch in Japan. Mehr als 30 000 Kilometer haben sie mit dem neuen Wagen abgespult. Sind mehrmals 30 Stunden am Stück gefahren. Nur nicht wieder so eine Tragödie. Sicherheitshalber kommen sie sogar mit drei Autos, Porsche hat nur zwei am Start.

Dass der Schnellste gewinnt, war einmal. Heute siegt in Le Mans der Schlaueste. Der den pro Stunde limitieren Sprit am effizientesten verbrennt. Genau dahin hat man über die Jahre das Reglement getrimmt. Und darum ist der Toyota TS050 ein Gesamtkunstwerk. Mit nur einem Ziel: mehr aus wenig herauszuholen. Rund 500 PS reicht der V6 an die Hinterachse. Dazu weitere 500 über den Strom, den die Bremsen liefern. Wie beim Straßen-Hybrid auch. Die Kraft der zwei Herzen. Im Prinzip ist der TS050 ein besserer Prius. Ein sehr viel besserer. Denn das, was der Le-Mans-Prototyp für ein paar wertvolle Sekunden aus dem Akku saugt, wird nach vorne und hinten verteilt. Einstellbar nach Wetter oder Fahrstil.

Auf der anderen Seite der Leitplanken zählen derlei Feinheiten wenig. Mehr als eine Viertelmillion Zuschauer sind gekommen, um einen spannenden Kampf zu sehen. Davor die traditionelle Parade. Großer Pitwalk. Feiner Zwirn trifft feuerfesten Overall. Die einen machen in Honneurs, die anderen haben einen Job zu erledigen. Es gilt Autos über zwei Zeiger-Umläufe zu bringen. Und über Streckenabschnitte von Weltruhm – Tertre rouge, Hunaudi’res, Mulsanne. Am Limit. Bloß nicht darüber. Der Schnitt in der Königsklasse liegt jenseits von 240. Auch in der Nacht.

Schlaf hat Pause. Selbst Ohrstöpsel können den Motoren-Donner kaum dämpfen. Aber so klingt Technik ohne Kompromisse eben. Porsche brüllt, Toyota dröhnt. Die Corvettes der GT-Kategorie erinnern an fahrende Presslufthämmer, und die Ferraris hören sich an, als schneide eine Kreissäge in ein Stück Hartholz. Autos unterschiedlicher Klassen in ein und demselben Rennen. Ständig wird irgendwo überholt. Das macht den besonderen Reiz aus.

Dutzende Szenarien laufen derweil auf den Computern der Teams. Eine Minute im Schnitt dauert ein Tankstopp, das Wechseln der Räder knapp eine halbe zusätzlich. Auch die Fahrer müssen sich abwechseln. Und der Tausch kostet ebenfalls
Zeit.

Doch Le Mans ist eben mehr als bloße Rechnerei. Und wie so oft fällt die Vorentscheidung im Dunkeln. Probleme mit der Elektro-Einheit zwingen den ersten Toyota lange an die Box, dem Schwesterauto fährt einer ins Heck, und als der neue Tag gerade eine Dreiviertelstunde alt ist, scheidet die japanische Hoffnung in Führung liegend aus. Nicht irgendwie! Ein als Streckenposten verkleideter Zuschauer irritiert den Fahrer am Ausgang der Boxengasse. Beim Wiederanfahren kollabiert die Kupplung. Für einen Start mit dem Benzinmotor ist sie nicht gebaut.

Statt eines Toyota-Triumphes also der Hattrick für Porsche. Lohn einer sensationellen Aufholjagd nach Reparatur und 19 Runden Rückstand. Zuvor war das andere Auto der Stuttgarter in Führung liegend ohne Öldruck ausgerollt. Den Japanern bleibt die Ehre der schnellsten Rennrunde. Sebastien Buemi fährt sie im 330. von 367 Umläufen. Genau das lässt sie hoffen, dass auf Toyota in Le Mans vielleicht doch kein Fluch lastet, sondern bloß ein bisschen viel Pech.

Und darum könnte am Ende das Lächeln von Akio Toyoda auch ein fein gemimtes Versprechen sein: Wartet nur, Freunde – nächstes Jahr . . .

Bildunterschrift: Da war die Toyota-Welt noch in Ordnung. Doppel-Führung für die beiden TS050 nach dem Start der 24 Stunden von Le Mans.

Bildunterschrift: Erst nur die übliche Routine in der Box, später zeitraubendes Schrauben.

Bildunterschrift: Toyota-Chef Akio Toyoda (Mitte) .

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Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
23. 06. 2017
11:30 Uhr

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23. 06. 2017
11:30 Uhr



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