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Daten? Echt? Jetzt?

Hach, sieht das alles hübsch aus: Man steigt irgendwo aus Zug oder Flieger, drückt auf sein Smartphone – und wie von Geisterhand rollt einem am Ausgang ein frisch geladenes E-Mobil vor die Füße. Wohin des Wegs weiß der schlaue Wagen aus unserem Online-Terminkalender, die ideale Route findet er dank Verkehrsfunk und über Car-to-Car-Botschaften aus der Cloud. Am Ziel angekommen, parkt sich der stumme Diener unauffällig weg. Bereit für den nächsten Einsatz.



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So in etwa geht es zu in der Welt von übermorgen. Jedenfalls in der, wie sie die Konzerne zeichnen. Es gibt keine Staus mehr, keine Abgase, keine Wartezeiten. Allwissende Rechner takten uns höchst effizient in optimierte Verkehrsströme hinein und wieder heraus. Sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag. Und wir? Können rund um die Uhr E-Mails lesen, Börsenkurse checken oder mit Kollegen kommunizieren. Vor allem aber brauchen wir uns um kein Auto mehr zu kümmern, keinen Parkplatz, keine Tankstelle, keine Versicherung, keinen Kundendienst, keine Hauptuntersuchung. Mobilität ist einfach da. Abgebucht wird automatisch.

Selbst wer ausnahmsweise noch selbst fährt, genießt alle Assistenz der Welt. Kluge Navis ermitteln aus GPS-Daten und virtuellen Karten die sparsamste Fahrweise und nehmen schon mal Gas weg, wenn voraus Kreisel oder Kreuzung nahen. Sensoren äugen in alle Winkel, erkennen jede noch so kleine Gefahr – und ist der Mensch am Lenker im Begriff irgendwelchen Mist zu bauen, bringt das Auto einen Wimpernschlag später alles wieder ins Lot.

Moderne Technik warnt uns vor Staus, tückischer Glätte und Sekundenschlaf hinter dem Lenkrad. Elektronische Helfer piepsen, wenn wir dem Straßenrand zu nahe kommen; leuchten, wenn sich was im toten Winkel befindet; bremsen not, wenn der Vordermann plötzlich steht, und greifen ein, wenn in der Kurve der Asphalt unter den Rädern auszugehen droht. Und für den unwahrscheinlichen Fall eines Unfalls warnt der Bordrechner alle Autos im Umkreis, noch bevor der Airbag erschlafft.

Um in diesem Alltag zu bestehen, müssten Autos zwar immer noch fahren, vor allem aber müssen sie ständig miteinander kommunizieren. Ungehindert und in Echtzeit. Mit Zugriff in jede Leitung und auf jedes Steuergerät. Was hübsch ist, solange man als Insasse vor drohendem Ungemach bewahrt wird, aber höchst fatal, falls ein Bösewicht per Funk ins Lenkrad greifen sollte.

Ganz abgesehen von der Frage, ob man diese Art mobiler Zukunft tatsächlich für erstrebenswert hält – sie wird so erst einmal nicht kommen. Nicht, weil die Technik nicht so weit wäre. Da, wo Daten in Echtzeit übertragen werden, funktioniert die schöne neue Mobilitätswelt. Nur werden Daten hierzulande eben nicht in Echtzeit übertragen. Jedenfalls nicht da, wo es sein müsste und nicht in der Menge, die nötig wäre.

Dass dies so ist, liegt ziemlich genau an drei Personen. Die erste heißt Alexander Dobrindt. Gewesenes Kabinettsmitglied. Dem hätte man womöglich bei Amtsantritt sagen sollen, dass sein Bundesministerium "für Verkehr und digitale Infrastruktur" heißt und nicht "für Maut". Und so hat er leider vier Jahre lang keine andere Idee verfolgt als die, fahrende Ausländer irgendwie zur Kasse zu bitten. Das Resultat: In Sachen Glasfaser liegt Deutschland in Europa noch hinter Rumänien und Bulgarien. Ein 5G-Netz? Wohl nicht vor 2025.

Die zweite Person ist Ex-Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Die schwarze Null. Er wollte einfach kein Geld ausgeben. Schon gar nicht für etwas, das wie ein Glasfaserkabel einfach so in der Erde verschwindet. Darum reichen auch die staatlichen Versprechen genau bis 50 MBit pro Sekunde. Das ist das, was sich gerade noch mit bestehenden Kupferleitungen bewerkstelligen lässt. In die Zukunft investieren? Eher nicht. Kostet doch Geld.

Die Dritte im Bunde: Angela Merkel. Noch und vermutlich bald wieder die Bundeskanzlerin. Sie ließ die beiden anderen die komplette Legislatur lang gewähren. Obwohl es selbst in der Regierungshauptstadt Berlin genügend Plätze gibt, wo man aktuell noch nicht mal mit dem Handy telefonieren kann. Es mangelt da schlicht am Netz.

Vor allzu großem Daten-Verkehr im und mit dem Auto muss man sich vorerst also nicht wirklich sorgen. Jedenfalls nicht, solange es noch Funklöcher auf den Autobahnen gibt. Und auf intelligente Ampeln werden wir wohl auch noch warten müssen. In den meisten Städten, und auch da ist Berlin Hauptstadt, kriegen sie ja noch nicht einmal eine grüne Welle hin ...

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Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
09. 11. 2017
18:45 Uhr

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09. 11. 2017
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