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Der Leiter-Wagen

Škoda will mit dem Rapid-Nachfolger Scala sprichwörtlich eine Sprosse höher - klappt prima, kostet aber



Škoda: Rapid-Nachfolger Scala   » zu den Bildern

Die Methode hat Tradition in Mladá Boleslav: Man nehme eine Konzern-Plattform, wähle den größtmöglichen Radstand, den denkbar längsten Überhang, zerre hier und dehne da – fertig ist der jeweilige Škoda. So geschehen auch beim neuen Scala. Der löst nicht bloß den Rapid ab, sondern soll – der Übersetzung aus dem Lateinischen folgend – nach oben führen. Besser noch: Maßstab bei den Kompakten werden.

Eine Länge von 4,36 Metern reduziert zwar die Anzahl der Parklücken, im Gegenzug jedoch hat man vorne wie hinten fast so viel Platz wie im größeren Octavia. Voll bestuhlt packt der Scala imposante 467 Liter weg, umgeklappt sind es gut 1,4 Kubikmeter. Und selbst bei Surfbrett oder Sperrgepäck muss der Scala nicht passen. Bis 2,51 Meter lange Getüme lassen sich verladen, wenn man den Beifahrersitz mit Klapplehne ordert.

Trotzdem ist der Scala kein biederer Transporter, sondern ein schickes Schrägheck. Kantiges Design, stimmige Proportionen und eine scharf gezeichnete LED-Front machen ihn fit für die gepflegte Fuhre. Passend dazu laufen optional die Blink-Signale nach außen, die Heckklappe öffnet und schließt auf Wunsch automatisch, und sogar die Anhängerkupplung (bis 1250 Kilo) schwenkt elektrisch aus.

Richtig hübsch machen kann man sich Škodas Jüngsten obendrein. Mit zwölf Lackierungen, diversem Zierrat für den Innenraum und Felgen bis hinauf zu 18 Zoll. In der Mittelkonsole prangt ein bis zu 9,2 Zoll großer Monitor, alles ist schön umschäumt und verarbeitet. Wer nicht einfach nur Auto fahren will – der Scala taugt auch zum rollenden Hotspot. Und gegen 400 Euro Aufpreis gibt’s gestochen scharfe Grafiken im digitalen Cockpit. Mit einem biederen Kleinwagen hat das dann nicht mal mehr am Rande zu tun.

Aber wie das so ist mit schönen Dingen: Sie kosten fast immer extra. Wenn man es sich also leisten mag und kann, hält der Scala bis Tempo 210 artig Spur und Abstand, äugt achtsam 70 Meter in den toten Winkel und parkt sogar selbstständig ein und aus. Nur eben alles nicht für jene messerscharf kalkulierten 17 350 Euro, zu denen vom 18. Mai an die Einstiegs-Version in den Schaufenstern steht. Immerhin: Die Spur hält er ab Werk und zur Not bremst er auch – sogar für Fußgänger.

Von einfach bis opulent reicht der Antrieb. Weil der Scala ja ein Typ für möglichst viele sein soll, sind fünf Motorisierungen im Angebot: Dreizylinder-Benziner mit dem Hubraum einer Milchtüte und ordentlichen 95 bis quirligen 115 PS sowie der aus dem Golf bekannte 1,5-Liter-Turbo mit souveränen 150 PS, der bei Teillast auch mal zwei Zylinder abschaltet.

Ganz schwört der Volkswagen-Konzern auch dem Diesel nicht ab. Schließlich ist Škoda in Vielfahrer-Flotten gern gesehen. Der 1,6-Liter – mit SCR-Kat – leistet auskömmliche 115 PS. Wer auf einen Hybrid oder E-Scala hofft, wird allerdings enttäuscht. Immerhin kommt zum Jahresende eine Erdgas-Variante mit 90 PS – und später womöglich auch ein RS.

So oder so fährt sich der Scala mit straff-stabilem Fahrwerk und präziser Lenkung gutmütig bis hinein ins kontrollierte Untersteuern. Auch dank der serienmäßigen elektronischen Differenzialsperre. Und wer nicht ganz unten einsteigt, fährt nicht nur druckvoller, sondern kann den Motor auch mit dem Sieben-Gang-DSG paaren. Wahlweise lässt sich ein Sportfahrwerk mit 15 Millimetern weniger Luft nach unten ordern – oder das Gegenteil: ein Schlechtwege-Paket mit zwölf Millimetern mehr Bodenfreiheit, sowie zusätzlichem Schutz gegen Ungemach von unten.

Und weil der Scala sparsam unterwegs sein soll, haben sie dem Fahrtwind allergrößte Aufmerksamkeit geschenkt. Spoiler, verkleideter Unterboden, Abrisskanten auf den Heckleuchten und sogar aerodynamisch optimierte Felgen machen den Wagen so windschlüpfig wie möglich.

Und natürlich wäre der Scala kein Škoda, wenn sich nicht hübsch verteilt all die "Simply-Clever"-Lösungen fänden, auf die man in Mladá Boleslav mit Recht stolz ist: Neben dem Schirm in der Fahrertür und dem traditionellen Ticket-Halter gibt’s den Tankklappen-Eiskratzer jetzt mit Anzeige für die Profiltiefe – und wer den Gummideckel fürs Wischwasser öffnet, hat prompt den integrierten Trichter parat.

Aber es ist eben nicht alles nur pfiffige Dreingabe. Mit schickem Triebwerk und ein bisschen Schnick und Schnack bringt man beim Preis ganz schnell eine Drei nach vorne. Auch da steigt man mit dem Scala eine Stufe höher . . .

Autor

Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
03. 05. 2019
16:10 Uhr

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