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Der wüste Grobi

Ford bringt den Ranger als "Raptor". Nur vier Zylinder - und doch die härteste Pritsche diesseits des Atlantiks.



Ford bringt den Ranger als "Raptor".   » zu den Bildern

Vielleicht muss man tatsächlich einmal in den Staaten gewesen sein. Und zwar kein bisschen in New York, von dem alle glauben, dass dort Amerika sei, sondern irgendwo mittendrin. Da, wo man die unendliche Weite erleben kann, die schnurgeraden Interstates, das gemächliche Tempo. Wo es noch immer so aussieht, als seien eben erst die Trecks der Siedler vorbeigezogen.

Nur dann versteht man annähernd, warum die Menschen dort so ganz anders ticken in Sachen Auto. Warum sie kaufen, was sie schon immer gekauft haben: Pick-ups. Gerne groß, gerne stark. Zuverlässige Begleiter, die Lasten schleppen und einen auch dahin bringen, wo keine Straßen mehr sind. Die man braucht, weil sie nützlich sind – nicht, um damit anzugeben.

Was also, wenn auch bei uns die Wege weit wären, der Sprit billig, die Landschaften nicht immer blühend und der Platz schier unendlich? Womöglich würden wir auch einen F-150 fahren. Jenen Ford, der seit mehr als drei Jahrzehnten die US-Zulassungsstatistik beherrscht – oder mindestens einen Ranger.

Von dem bringt Ford nun erstmals die Top-Version "Raptor" nach Deutschland. Und der trägt nicht ohne Grund den Namen eines Raubsauriers. Mit 2,18 in der Breite übertrifft er das Basis-Modell um 17 Zentimeter, in der Höhe (1,87 Meter) um fünf. Ein Typ fürs Grobe. Dicke Backen, Allrad, fast 30 Zentimeter Luft nach unten: die härteste Pritsche diesseits des Atlantiks.

Anders als beim normalen Ranger haben beim Raptor Spezialisten von Ford-Performance Hand angelegt, aus deren Haus üblicherweise der GT und die RS-Modelle rollen. Das Resultat: Ein verstärkter Leiterrahmen und ein Fahrwerk, das Fortkommen selbst da noch auf vier Rädern erlaubt, wo man auf zwei Beinen kaum mehr unterwegs sein kann. Die Starrachse hinten wird deshalb von Stahlspiralen gedämpft und nicht von Blattfedern.

Voran bringt den 5,40 Meter langen Top-Ranger ein aus US-Sicht winziger Zwei-Liter-Turbodiesel mit 213 PS. Hört sich nach schmächtig an, liefert aber mächtige 500 Nm Drehmoment und sorgt zusammen mit der Zehn-Stufen-Automatik, wie sie auch im F-150 und im Mustang verbaut ist, für druckvollen Vortrieb. Einstellige Verbrauchswerte lassen sich trotzdem nur schwer erreichen – auch wenn Ford mit 8,9 Litern im Schnitt wirbt. Immerhin wollen leer schon gute zweieinhalb Tonnen bewegt sein.

Was hinten rauskommt, ist per Partikelfilter und AdBlue gereinigt. Dass die Abgas-Norm zwar die beste ist, aber dennoch Euro 6c lautet, darf dabei nicht irritieren: Europas meistverkaufter Pick-up ist schließlich immer noch ein Lkw – wenn auch der erste mit fünf Sternen im NCAP-Crashtest.

Auf der Straße lässt sich der Raptor rein über die Hinterachse treiben und gerät auch in schnellen Kurven nicht aus dem Lot. Abseits des Asphalts indes liegt sein wahres Terrain. Allrad, Sperre, Kriechgang – fertig ist der Vortrieb. Ziemlich egal, wie’s unter den 17-Zöllern aussieht. Den Rest erledigt das passende Fahrprogramm. Obendrein machen 2,3 Millimeter Stahlschutz sowie 85 Zentimeter Wattiefe immun gegen jedes Ungemach. Mit dem Raptor ist nicht Ende Gelände – hier ist erst der Anfang.

Ab Ende Mai steht Fords Grobi im Schaufenster – ausschließlich als Doppelkabine mit vier Türen und fünf Sitzen. Die Ladefläche misst bei 1,56 Metern maximaler Breite 1,57 Meter in der Tiefe. Drauf dürfen 620 Kilo, hinten dran zweieinhalb Tonnen. Das sollte selbst für Landschaftsgärtner, Baustellenbetreuer und Forstwirte reichen.

Drinnen hat’s auskömmlich Platz – und schick eingerichtet haben sie den Raptor auch. Es gibt Alcantara-Sportsitze, Alu-Pedale und eine rot abgesetzte Zwölf-Uhr-Marke am Lenkrad. Dass untenrum Hartplastik dominiert, stört allenfalls den Connaisseur. Immerhin lässt sich so leichter wischen, wenn’s mal richtig ­dreckig zuging.

Ab Werk verbaut sind das Ford-Sync3-System mit Acht-Zoll-Touchscreen, elektrische Sitze, Rückfahrkamera, Laderaumrollo, Anhängerkupplung und viele Annehmlichkeiten mehr. Selbstverständlich hält Fords Jüngster Abstand und Spur, erkennt Verkehrsschilder und bremst zur Not. Ein auch in der Länge verstellbares Lenkrad allerdings hätte man schon erwartet.

Die Trittbretter erklimmen darf man für 66 771 Euro. Das ist eine Menge Geld – und trotzdem glauben sie in Köln, dass künftig jeder zehnte Ranger hierzulande ein Raptor sein wird. Mindestens. Auch wenn er nach amerikanischen Maßstäben allenfalls zum Zweitwagen taugt…

Autor

Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
27. 05. 2019
13:15 Uhr

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