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Entscheidung im Reich der Mitte

Es steht aktuell nicht berauschend um die E-Mobilität. Die Fließbänder laufen als Folge der Corona-Krise erst langsam wieder an, den VW ID.3 plagen Software-Probleme - und sowieso haben die meisten Menschen gerade anderes im Sinn als einen Neuwagenkauf.



 

Doch nicht alles Übel kam überraschend. Die Autoindustrie habe in der Krise unverständliche Fehler gemacht, konstatiert etwa Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer: das Festhalten an Prämien und Ausschüttungen etwa oder der fehlende Schulterschluss in der Debatte um zusätzliche staatliche Förderprämien.

Und nach Corona? Mit herkömmlichen Autos sei in Zukunft nicht mehr das große Geschäft zu machen, prophezeit Dudenhöffer. "Thema von morgen ist eindeutig das E-Mobil." Da allerdings sei nicht Deutschland Innovationsführer, sondern Elon Musk mit Tesla. Wegen der Emotionalität der Autos, vor allem aber, weil man dort sehr weit sei in Sachen Digitalisierung. "Wo andere noch zig Steuergeräte für unterschiedlichste Funktionen brauchen, verfügen Tesla-Modelle bereits über einen leistungsfähigen Zentralcomputer." Das verschaffe Musk in der Branche einen gewaltigen Vorsprung.

Den neuen Mittelpunkt der Autowelt indes sieht Dudenhöffer nicht jenseits des Atlantiks. Über Amerika kann er bloß den Kopf schütteln. "Schlichte Katastrophe" nennt er, was unter dem aktuellen Präsidenten dort läuft, und "eine Blamage für ein Industrieland." Was Donald Trump mache, prognostiziert Dudenhöffer, führe zwangsläufig in den wirtschaftlichen Untergang.

Die automobile Zukunft entwickelt sich im Reich der Mitte, glaubt er. Schon allein wegen der gewaltigen Größe des Marktes. Deswegen entscheide – neben der Kapitaldecke – vor allem das aktuelle China-Geschäft, wie gut oder schlecht die deutschen Autobauer aus der Corona-Krise kämen. Überleben würden wohl alle, aber leicht werde es nicht. BMW etwa habe seinen früheren Vorsprung bei der E-Mobilität verspielt und setze zu stark auf Plug-In-Hybride, findet Dudenhöffer. Aktuell am schwierigsten sei die Lage für Mercedes. Mit Blick auf die Eigentumsverhältnisse verspricht er: "Daimler wird chinesischer."

Und Volkswagen? Dort sei man von allen am besten aufgestellt, glaubt Dudenhöffer. Entscheidender Vorteil sei eine eigene Elektro-Plattform, mit der man eben keine Kompromisse eingehen müsse wie bei umgebauten Verbrennern. Zusätzlich könne jede Entwicklung konzernweit genutzt werden, so dass unmittelbar auch Skoda, Seat und Audi profitierten. Und: Die Neuausrichtung der Vertriebsstruktur bei E-Autos auf Online-Verkauf spare Geld bei den Händler-Margen.

Ganz ohne Risiko sei die Sache allerdings nicht. Der ID.3 sei für die Wolfsburger ein echtes Schlüsselauto. "Er muss klappen, sonst hat VW ein Problem – und Herr Diess auch." Dennoch sieht Dudenhöffer – trotz der aktuellen Probleme – beste Chancen. Der Einstieg um 30 000 Euro sei in Ordnung, auch ein kleineres Modell auf Polo-Größe und ein SUV analog zum T-Roc würden sicherlich laufen.

Wie sehr all die Pläne durch Corona torpediert werden, lässt sich derzeit kaum abschätzen. Fest steht bislang nur, dass Europa durch die Pandemie schwer getroffen ist. Ein Minus von zehn Prozent beim Wirtschaftswachstum hält Dudenhöffer für sehr wahrscheinlich. "Die Folgen der Finanzkrise sind dagegen eine leichte Übung gewesen."

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Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
13. 06. 2020
11:30 Uhr

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13. 06. 2020
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