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Fahr zur Hölle ...

Klar ist das kein normaler 911er. Auch wenn er aus der Ferne beinahe so aussieht. Man müsste sich halt die ganz dicken Backen wegdenken, die wuchtige Carbon-Nase und den gewaltigen Heckflügel. Aber so sind Autos nun mal, deren Geläuf üblicherweise nicht von Leitpfosten begrenzt ist, sondern von rot-weiß lackierten Curbs.



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Vielleicht muss man so eine Rundenzeitmaschine einfach mal gefahren sein, um ihre Faszination zu ermessen. Auch wenn das Ambiente wenig einladend wirkt. Das Innere ausgeräumt, die Fahrgast-Zelle eine im Wortsinn. An die 40 Meter kunstvoll verschweißtes Stahlrohr, spartanische Sitzschale, Gurte, Feuerlöscher, Regler für die Bremsen-Balance. Komfort ist nun mal nicht die Kernkompetenz eines Siegerautos.

Und ein Siegerauto ist der Porsche 911 GT3 R. Am vergangenen Wochenende hat er es eindrucksvoll bewiesen. Schnellster in einer Material und Nerven zehrenden Regenschlacht beim 24-Stunden-Klassiker auf dem Nürburgring. Der ist nicht nur die schönste Rennstrecke der Welt, sondern mit Abstand die härteste. Wer in der grünen Hölle vorne ist, kann überall gewinnen.

Kein dringender Handlungsbedarf also, könnte man meinen. Und doch präsentieren sie am Ring schon den neuen GT3 R. Weiß mit – na klar: grün. Einen Steinwurf weiter laufen die Vorbereitungen zum Qualifying. Später werden drei Porsche auf der ersten drei Startplätzen stehen. Und was erzählen sie derweil über den Nachfolger? Vor allem eines: dass er deutlich besser sein wird.

Das liegt nicht so sehr an den – je nach Reglement – bis zu 550 PS, die der Sechszylinder-Boxer aus seinen vier Litern Hubraum in das Sechs-Gang-Klauengetriebe haut, und nicht unbedingt daran, dass im Prinzip die komplette Außenhaut aus Kohlefaser besteht. Eher schon am präziser dosierbaren Ansprechverhalten, dem breiteren Drehzahlband und der optimierten Aerodynamik.

Denn Technik ist nur der eine Teil, der andere heißt Geschäft. In der GT3-Klasse bewegen sich auch andere. AMG etwa, Aston Martin oder Audi. Allesamt Konkurrenten. Nicht nur auf der Strecke. Denn anders als bei Werkseinsätzen bedeutet Kundensport, Autos an Rennställe oder solvente Privatiers zu bringen. Auch da gilt: Die Konkurrenz ist böse und schläft nicht. Aber natürlich hat, wer siegt, immer das beste Argument. So gesehen ist das legendäre Eifel-Rennen für die Stuttgarter auch so etwas wie eine gelungene Verkaufsveranstaltung.

Doch manchmal zählen eben auch andere Kriterien. Kundenfreundliche, wenn man so will. Dass man per Lenkrad-Wippe schalten kann zum Beispiel, und also kein Kupplungspedal mehr braucht; dass sich die neue Vorderachse mit Doppelquerlenkern viel gutmütiger fährt; dass sich der 911 GT3 R – je nach Rennstrecke – von links und von rechts betanken lässt. Und: Erstmals verfügt er über eine Klimaanlage mit Anbindung an Sitz und Fahrerhelm.

So viel Wohlbefinden hat seinen Preis: 459 000 Euro zuzüglich Steuer ruft Porsche für seinen Renn-Elfer auf. Dafür wird ab Dezember schon ausgeliefert, schließlich sollen die ersten Exemplare 2019 in Daytona an den Start rollen. Am besten ziemlich weit vorn in der Aufstellung.

Eine Version mit Straßenzulassung gibt es selbstverständlich auch. Sie heißt 911 GT3 RS. Bevorzugte Farbe: Lizard-Green. Was irgendwie besser klingt als Eidechsen-Grün. So oder so: Sehr viel langsamer als der GT3 R ist das 520 PS starke Teil mit Nummernschild nicht. Vor fünf Wochen erst brannte Porsche-Werksfahrer Kévin Estre phänomenale 6.56,4 in den welligen Asphalt der Nordschleife. Mit Serienreifen von Michelin. Kein Sportwagen mit Straßenzulassung war auf den knapp 21 Kilometern je schneller. Sogar dem Vorgänger-Auto drückte der Neue pro Kilometer gut eine Sekunde drauf.

Man muss schon mit der Gelassenheit eines kretischen Olivenbauern gesegnet sein, um in diesem Auto nicht dem Tempo-Rausch zu verfallen. Der Spitzensportler beschleunigt in 3,2 Sekunden von null auf Tempo 100 und weiter bis 312. Am Auto liegt es also ganz sicher nicht, wenn es mit der gewünschten Zeit nicht klappt. Zum Glück sorgen Bremsscheiben im Format einer Familien-Pizza dafür, dass man auch sehr schnell wieder sehr langsam wird.

Noch schneller als die reißt einen allerdings der Preis aus allen Träumen. Unter 195 137 Euro nämlich öffnet sich die Fahrertür leider nicht. Bleibt nur der Trost, dass man doch weiß Gott kein Auto haben wollte, das 12,8 Liter braucht und kaum Gepäck fasst. Allenfalls als Zweitwagen…

Autor

Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
18. 05. 2018
09:45 Uhr

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18. 05. 2018
09:45 Uhr



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