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Klitzeklein – aber eben ein Auto: Das Goggomobil wird 65

Im Grunde lag es am Regen. Denn es regnete ziemlich oft in diesem Sommer 1953. Zu oft für Hans Glas, dessen Firma im bayerischen Dingolfing seit drei Jahren Motorroller baute. Das Geschäft schwächelte ein wenig und so entschied er sich, ein viersitziges Gefährt mit Dach zu konstruieren - es sollte aber nicht mehr kosten als ein Motorrad mit Seitenwagen plus Helm und Lederkombi. Dreitausend D-Mark setzte Glas als Limit an.



 

Ein Jahr darauf war aus der Idee eine 2,90 Meter kurze und 415 Kilo leichte Limousine geworden, im Januar 1955 lief das erste Goggomobil vom Band. Benannt nach dem Kosenamen, den ein Kindermädchen einem der Enkel von Hans Glas gegeben hatte. Ursprünglich sollte die Karosserie eine Fronttür ähnlich der Isetta bekommen, erst im letzten Moment entschied sich Glas für einen seitlichen Einstieg.

Auch wenn das Wägelchen in der Urversion der rollende Verzicht war – man hatte ein Dach über dem Kopf, und der luftgekühlte Zweizylinder-Zweitakter im Heck brachte einen mit 13,6 PS auf etwas über 70 Stundenkilometer. Vor allem aber ließ sich das Goggo mit dem Führerschein der Klasse vier für Gefährte bis 250 Kubikzentimeter bewegen. Da nahm man gerne in Kauf, dass sich der Benzinhahn auf der Hutablage befand. Er war trotzdem nur eine Armlänge vom Fahrersitz entfernt.

Die Schaltkulisse des Viergang-Getriebes entsprach – etwas ungewöhnlich – einem nach links gedrehten "H". Gegen Aufpreis gab es zunächst für das Coupé ein elektromagnetisch betätigtes Vorwählgetriebe "Selectromat" mit einem winzigen Schalthebel am Armaturenbrett.

Ein Jahr nach dem Beginn der Produktion baute Glas bereits 170 Autos täglich und exportierte in 36 Länder. Zwei Jahre nach der Premiere folgten stärkere Motoren mit bis zu 400 Kubik und 20 PS, es gab einen zweiten Wischerarm und Kurbel- statt Schiebefenster. Ab 1964 hatten die Türen ihre Angeln dann auch vorne und nicht mehr an der B-Säule.

Im Jahr 1957 folgte der Limousine eine Coupé-Version mit der Bezeichnung TS, die schnell den Beinamen "Ferrari des kleinen Mannes" bekam. Auf dieser Basis entstand auch ein Cabrio, von dem aber nur neun Prototypen gebaut wurden. In Serie gingen stattdessen eine Pick-up-Variante sowie ein Kastenwagen mit zwei Schiebetüren und Heckklappe, den allein die damalige Bundespost mehr als 2000 mal orderte.

Am 30. Juni 1969, zweieinhalb Jahre nach der Übernahme der Hans Glas GmbH durch BMW, endete die Produktion des Goggomobil. Die letzten Exemplare trugen schon nicht mehr die Hersteller-Nummer 0598, sondern firmierten bereits unter weiß-blauer Marke. Sehr viel teurer war der Wagen all die Jahre nicht geworden. Die Limousine kostete zum Schluss etwa 3600 Mark, das Coupé war 400 Mark teurer. Insgesamt wurden 214 313 Goggos als Limousine gebaut, 66 511 als Coupé und 3667 als Transporter.

Und die allerersten Exemplare haben nun offiziell das Rentenalter erreicht. Das alte ...

Autor

Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
24. 01. 2020
15:57 Uhr

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24. 01. 2020
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