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Schimmernder Umsturz

Der neue Mazda3 spielt mit Licht - und Traditionen im Motorenbau. Noch 2019 kommt ein Diesel-Benziner.



Der neue Mazda3   » zu den Bildern

Ganz so kühn wie die zum Niederknien schönen Concept-Cars ist der neue Mazda3 dann doch nicht ausgefallen – aber immerhin haben sie sich in Fuchu ordentlich was getraut. Durchaus ein Wagnis, weil jeder neue Schritt ja auch einer weg sein könnte von dem, was in drei Fahrzeug-Generationen sechs Millionen Käufer weltweit schätzen gelernt haben.

Es hat sich mehr als gelohnt: Während bei anderen das Licht hektisch tobt zwischen Kniffen und Kanten, Falzen und Furchen, spielen beim Mazda3 Reflexionen majestätisch mit sanft gewölbten Flanken. Und so kommt er einen Schimmer eleganter daher als viele Konkurrenten, einen Schimmer sportlicher, einen Schimmer geduckter. Trotzdem sitzt man höchst komfortabel. Wenn man sich verneigt und eingefädelt hat, sogar hinten. Ein kleines Opfer muss man für die schwungvolle Linie halt bringen.

Das gilt auch für den Stauraum. Der ist mit 358 Litern ordentlich, geklappt indes packt Mazdas Jüngster nur gut einen guten Kubikmeter weg. Die Ladekante könnte niedriger liegen, das Fenster mehr Sicht freigeben – aber dann wäre das Heck nicht so verdammt schick. Dem Kompromiss haftet eben stets der Hauch der Spießigkeit an. Wer also gerne rückblickt oder verstaut, sollte bis Spätsommer warten – dann kommt der Fastback.

Vorschub leisten zum Marktstart am 22. März ein Zwei-Liter-Benziner mit 122 PS sowie ein 1,8-Liter Diesel mit 116 PS. Beide gehen ordentlich zu Werke, der Selbstzünder sogar ein wenig souveräner. Dank 24-Volt-Unterstützung und Zylinderabschaltung kommt der Benziner selbst ohne Partikelfilter auf Euro-6d-Temp, und der Diesel benötigt noch immer kein AdBlue. Ab 2020 wird es bei Mazda zwar auch E-Autos und Plug-In-Hybriden geben – zum Glück aber wollen die Japaner dem Verbrenner nicht abschwören. Ganz im Gegenteil.

Gute Nachrichten auch für Gernlenker und Freunde gepflegter Bogenfahrt: GVC ist selbstverständlich an Bord – kaum spürbar nimmt der Mazda3 beim Einlenken automatisch Gas weg, so dass am Kurveneingang mehr Gewicht auf der Vorderachse lastet. Das sorgt für Grip, Traktion – und Freude. Auch beim Auslenken verhilft der Mazda3 durch einen Hauch Bremseingriff besser auf den geraden Weg. Zusammen mit den angenehm straffen Dämpfern und den optionalen 18-Zöllern erlaubt der 4,46 Meter lange Fünftürer sportliches Fahren bis tief hinein in den Grenzbereich. Das liegt auch am Leichtbau, der das Gewicht auf unter 1,5 Tonnen drückt. Nimmt man noch die schön geformten Sitze dazu, stellt sich tatsächlich dieses Gefühl von "Jinba Ittai" ein, wie sie bei Mazda die Einheit von Ross und Reiter nennen.

Schade allenfalls, dass der Monitor, der über der angenehm aufgeräumten Mittelkonsole thront, kein Touchscreen ist. Dafür gibt’s ab Werk Navi und sogar Head-up-Display – Apple Carplay, Android Auto und Spracherkennung sind ebenfalls serienmäßig, und der Sound wird von der Frontscheibe im Dreieck vorbildlichen Konzertklangs reflektiert. Obendrein hält der Mazda3 Spur und Abstand, erkennt Verkehrszeichen, bremst zur Not und chauffiert – in Verbindung mit der Sechs-Stufen-Automatik – bei Stop-and-go.

Die Türen zum neuen Mazda 3 öffnen sich ab 22 990 Euro, der Diesel kostet ab 25 290 Euro und für die Automatik sind 2000 Euro Aufpreis fällig.

Und dennoch lohnt womöglich ein wenig Geduld. Immerhin schimmert in der zweiten Jahreshälfte noch etwas anderes: ein Umsturz. Nichts weniger als eine Revolution im Motorenbau. Glaubt man den Herrschaften aus Fuchu, ist das Ende nahe – das Ende der Grenze zwischen Benziner und Diesel. Mit dem Skyactiv-X-Triebwerk soll es endlich klappen, die Vorteile des Benziners beim Schadstoff-Ausstoß mit der Sparsamkeit des Diesels alltagstauglich zu kombinieren.

Das Zauberwort heißt "Spark Controlled Compression Ignition" (SPCCI). Ein Verfahren, bei dem Zündung durch Kerze und Druck nahtlos ineinander übergehen. Dazu braucht man eine für Benzinmotoren gewaltige Verdichtung von 16,3:1, mehr Luft im Brennraum als nötig – und schon sorgen ein klein bisschen Sprit plus ein winziger Funke für einen derart spontanen Anstieg von Druck und Temperatur, dass der Rest mageren Gemischs schlagartig explodiert.

Bis zu 30 Prozent mehr Drehmoment haben sie für den neuartigen Motor errechnet, vor allem aber einen um 20 bis 30 Prozent geringeren Verbrauch. Spätestens im Herbst sollen aus den zwei Litern Hubraum des Skyactiv-X serienreife 180 PS kommen. Auch im Mazda3. Und dann sogar in Kombination mit einem intelligenten Allrad-System.

Womöglich steckt im guten alten Verbrenner doch mehr, als Verfechter des Elektro-Antriebs glauben.

Autor

Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
08. 03. 2019
14:55 Uhr

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