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TCR-Auftakt: Zu leicht gemacht

Am Ende entscheidet die "10" mehr als allen lieb ist. Aber eben nicht die Startnummer, die Rennfahrer Benny Leuchter stolz und golden auf Overall und Auto trägt, sondern zehn Kilo zu wenig an Gewicht. Ein Rechenfehler im neuen Team von "Max Kruse Racing" - schon hat die Waage leichtes Spiel und der strafversetzte Fahrer die 27 Konkurrenten vor statt hinter sich.



 

Der Sieg beim TCR-Auftakt in Oschersleben gehört damit nicht den Schwarz-Goldenen. Wohl aber die Show. In beiden Rennen pflügt Leuchter durchs Feld. Einmal auf neun, dann sogar auf sieben. Ein besserer Startplatz hätte für ganz vorne reichen können. Aber hätte gilt eben nicht viel – und im Motorsport gar nichts. Immerhin bleiben ein paar Punkte. Die Saison ist noch lang.

Wer Max Kruse eher auf dem Rasen verortet als auf Asphalt, liegt so falsch nicht. Und ein bisschen eben doch. Denn als der Ex-Nationalspieler noch nicht in Bremen spielte, sondern beim VfL Wolfsburg, kam er in Kontakt mit Benny Leuchter. Kruse besaß da seit kurzem einen höchst potenten Sportwagen – aber wenig Erfahrung im gehobenen Umgang damit. Aus einem normalen Fahr-Training wurde erst eine Idee und dann ein Rennstall. Mit Kruse im Namen und Leuchter im Auto.

Nicht irgendein Auto. Schwarz-Gold fährt GTI. Und das nicht ohne Grund. Der VW Golf TCR ist das erfolgreichste der noch jungen Tourenwagen-Serie. Die ist seit 2015 weltweit auf dem Vormarsch. Vier Türen, zwei Liter Hubraum, Frontantrieb. Den Rest regelt die "Balance of Performance". Zwei halbstündige Rennen pro Wochenende: Wer im ersten siegt, muss im zweiten zuladen oder Leistung drosseln. Das sorgt für Spannung.

Alles wie gemacht für den GTI. Basis-Aggregat, Lader vom Golf R dazu, dicke Backen, große Bremse, Käfig, fertig. Gleich in seiner Premieren-Saison 2016 feierte der 330 PS starke Debütant den Titel. Mittlerweile hat er 350 PS – und einen Kit für Langstrecken-Rennen. Und auch 2017 hieß das Siegerauto Golf TCR. Den Titel "Model of the Year" gab’s obendrein.

Aktuell umfasst die TCR einen internationalen Wettbewerb plus ein gutes Dutzend nationale Serien. Prognosen rechnen mit 2000 Autos weltweit bis 2020. VW erhofft sich einen ordentlichen Anteil. Bei drei Jahren Lebensdauer plus dem, was die Rennen nicht unbeschadet übersteht, kämen pro Jahr Stückzahlen einer Kleinserie zusammen. Verkaufte wohlgemerkt. Zuzüglich Ersatzteil-Versorgung. Ein lukrativeres Geschäfts-
modell als eine Handvoll Werksautos auf eigene Rechnung.

Zumal keine horrenden Folgekosten drohen. Denn nicht alles, was man entwickeln und bauen könnte, ist auch sinnvoll. Wäre doch schade um das schöne Geld, wenn der teuer erkaufte Vorsprung vom Reglement wieder eingebremst würde.

Genau dieses Sparmodell macht – neben der Markenvielfalt – die TCR so attraktiv. Zwar kostet der Golf samt sequenziellem Getriebe 115 000 Euro plus Steuer. Doch im Vergleich mit anderen Rennsport-Aktivitäten rangiert derlei unter "bezahlbar". Zumal der Motor mindestens zweieinhalb Saisons halten soll. Und selbst im Fall der Fälle fände sich das Notwendige im ganz normalen VW-Teilelager. Das zieht. Knapp über 100 der Rundenzeitmaschinen wurden in zwei Jahren schon verkauft.

Das tut wohl in Hannover. Da wo VW Motorsport seinen Sitz hat und wo man früher die Rallyepisten der Welt dominierte. Heute heißt es, Autos an Rennställe oder solvente Privatiers zu bringen. Die Konkurrenz schläft nicht – aber natürlich hat, wer siegt, ein gewichtiges Argument.

Manchmal wiegt es halt nicht schwer genug…

Autor

Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
18. 04. 2018
16:45 Uhr

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