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Und der Zukunft abgewandt . . .

Für Frankfurt werden sie wohl ein wenig umparken müssen. Mindestens auf dem Messegelände. Denn die Auto-Schau schlechthin, die dort mit der IAA vom 16. bis 24. September stattfindet, fällt just in eine Zeit, da das politische Berlin den Diesel zum Tode verurteilt hat und sich anschickt, unmittelbar im Anschluss über den Benziner zu Gericht zu sitzen. Mit Billigung der Kanzlerin.



 

Statt um Hubraum, Leistung und Beschleunigung dreht sich die öffentliche Debatte vorrangig um faule Software, Feinstaub und Fahrverbote.

Nach Jahrzehnten des Nichtstuns oder vorsätzlicher Blindheit gegenüber allem, was mit Autoabgasen zu tun hat, tobt mittlerweile eine Wettfahrt mit dem Ziel, den Verbrennungsmotor baldmöglichst auf den Schrottplatz zu bringen. Ausstieg bis 2040 in Großbritannien und Frankreich, gar schon 2030 in Indien – und so flott es irgend
geht in Norwegen und den Niederlanden.

Auch in Deutschland soll der – eben noch regierungsamtlich gepriesene – Diesel von den Straßen verschwinden. Und der Benziner möglichst kurz danach. Regierung wie Opposition rufen lauthals nach dem Elektroauto. Die einen wollen Quoten, andere höhere Steuern und noch andere den Zwangsumstieg. So oder so wird der nächsten Regierung etwas einfallen, an dessen Ende man sich den Hubkolbenmotor als durchschnittlich Verdienender nicht mehr wird leisten können.

Womöglich müssen die Autobauer also auch im Kopf umparken. Bislang nämlich standen da, wo die Scheinwerfer hinleuchten, eher nicht die Braven und Biederen. Und am liebsten ziehen die Hersteller ihre Tücher noch immer von den dicken Dingern. Gerne in Gestalt von Geländewagen oder solchen, die wenigstens ganz danach aussehen. Was aber tun, wenn dem Auto an sich derzeit mehr entgegenbraust als bloßer Fahrtwind?

Trotzdem scheren die ersten aus. Mindestens aus der Reihe derer, die alle zwei Jahre auf der IAA ein Hochamt zelebrieren.

Die Fiat-Gruppe hat ebenso abgesagt wie Peugeot
und DS. Daneben fehlen Nissan, Volvo, General Motors, Infiniti, Mitsubishi, aber auch Luxus-Karossler wie Aston Martin und Rolls Royce. Und ja: Auch der Strom-Anbieter Tesla schert sich nicht um Frankfurt. Das Model 3, mit dem Elon Musk die komplette Branche auf den Kopf stellen will, muss man sich anderswo anschauen.

Was klein und von den Konkurrenten eher belächelt begann, verfestigt sich langsam zum Trend. Man kann der IAA fernbleiben, ohne geächtet zu werden. Wirklich enthüllt wird dort ohnehin kaum mehr. Derlei geschieht längst spektakulärer und mit größerer Resonanz. Und weil sich das Auto immer mehr einem rasenden Computer angleicht, dienen immer öfter auch Elektronik-Messen wie die in Las Vegas als Fahrzeug-Kulisse.

Manche Hersteller rechnen auch einfach genauer. Knapp 170 Euro kostet ein Quadratmeter Ausstellungsfläche in Frankfurt. Für 50 Meter im Geviert kommt da schnell fast eine halbe Million zusammen – für die Halle, die Audi vor zwei Jahren hingestellt hat, locker das Fünfzigfache. Da ist aber noch kein Messe-Stand dabei, keine Hostess, kein Häppchen und nicht mal ein Karton Kugelschreiber. Und was Mercedes für den allzweijährlichen Auftritt in der umgebauten Festhalle ausgibt, will man womöglich gar nicht wissen.

So oder so wird wieder allerlei präsentiert, was nach automobiler Zukunft klingt. Und nach schneller, sauberer Mobilität. Da dürften jede Menge alternative Konzepte dabei sein, hübsch drapierte Elektro-Visionen – und vermutlich eher wenig, was man demnächst tatsächlich ordern kann. Verkauft werden soll bitteschön, was Kohle bringt.

Nun ist an dem Argument, dass man Geld für Investitionen mit Autos von heute verdienen muss, durchaus was dran. Aber angesichts der Milliarden-Gewinne, die VW, BMW, Benz und Co. nach wie vor einfahren, ist Zweifel am Umstiegswillen angebracht. Vor allem, wenn sich die Verdächtigen – unterstützt von oberster Stelle – um eine Nachbesserung dessen drücken dürfen, was sie fälschlich als sauber deklariert haben.

Und so gibt’s statt echter Entwicklung bewährt Hochbeiniges. BMW reist mit dem X3 zur IAA, Jaguar mit dem E-Pace und Mercedes mit der X-Klasse. Die Wolfsburger Konzern-Kinder haben im Messegepäck Skoda Karoq, Seat Arona – und Porsche Cayenne. Heute gute Kasse ist dann wohl doch schöner als Technik morgen.

 

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Veröffentlicht am:
24. 08. 2017
19:00 Uhr

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