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Verflixter Verkehr

Für das Fortkommen in diesem Land war 2017 kein wirklich gutes Jahr. Allgemein nicht - und was Mobilität angeht, erst recht nicht. Oder anders gesagt: Mindestens in Sachen Verkehr war in der Republik eigentlich alles wie gehabt.



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Der "Fluchhafen" BER bleibt auch weiterhin der Airport mit der besten Öko-Bilanz weltweit. Kein Lärm, keine Abgase, kein Spritverbrauch. Und darum durfte man Ende November in der Hauptstadt auch ein einzigartiges und von langer Hand vorbereitetes Jubiläum begehen: den 2000. Tag der Nicht-Eröffnung. Jeden einzelnen davon haben die Verantwortlichen die Steuerzahler eine Million Euro kosten lassen. Es sollte schließlich was ganz Besonderes werden. Und es dürften locker noch mal 1000 Tage dazukommen. Mindestens. Bis 2021, sagen Fachleute, geht die Luftnummer garantiert weiter.

Das scheint selbst Werner Gatzer ein bisschen zu turbulent zu werden. Der Finanz-Staatssekretär, der während all der knapp sieben Verzögerungsjahre für den Bund im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft hockte, setzt sich nun vorsichtshalber ab – in den Vorstand der Deutschen Bahn.

Apropos Bahn. Die will auf der Strecke Berlin–München ordentlich Tempo machen, hat aber nach mehr als einem Vierteljahrhundert Bauzeit und gut zehn Milliarden Euro Kosten den Einstieg in die Unter-Vier-Stunden-Zukunft gnadenlos versemmelt. Gleich am Eröffnungstag blieb einer der Sonderzüge samt geladenen Gästen auf offener Strecke liegen und erreichte das Ziel erst nach sechs Stunden. Tags darauf gab es übrigens keine Verspätung. Da fiel der Zug gleich ganz aus…

Immerhin ist da schon mal Bewegung in horizontaler Richtung erkennbar. Bei "Stuttgart 21", dem anderen Vorzeige-Projekt der öffentlich-rechtlichen Gleisgesellschaft, geht’s derzeit ausschließlich steil nach oben. Und zwar bei Kosten wie Bauzeit. Die Untergrund-Aktivitäten dort scheinen ähnlich bodenlos zu sein wie der Brandschutz beim BER. Es heißt, in Berlin sähen die ersten schon die Vormachtstellung in der Pannen-Statistik in Gefahr.

Bliebe noch die gute alte Straße. Wobei gut… Aber auch da stockt es dummerweise. Beim Elektro-Auto sowieso und beim Diesel erst recht. Von den einen gibt es zu wenige, von den anderen zu viele. Weshalb jetzt Rot-Roben in Leipzig bis Februar darüber grübeln, ob es nicht vielleicht doch einen amtlichen Hochverdichter-Bannkreis um die Innenstädte der Republik bräuchte.

Das rührt vor allem daher, weil einige nicht ganz sauber sind. Motoren, um genau zu sein. Alle paar Wochen wird das Kraftfahrtbundesamt mit neuen Erkenntnissen darüber aufgeschreckt, was bei dem einen oder anderen Endrohr so alles rausraucht. Und offenbar wundern sie sich in Flensburg stets aufs Neue, wie um Himmels willen Umweltverbände, Journalisten und andere Nicht-Beamte da bloß immer draufkommen. Angeblich prüft die Rechtsabteilung jetzt Gerüchte, wonach man für Messergebnisse womöglich selbst tätig werden müsse…

Immerhin stand jüngst zu lesen, das KBA habe sich beim Rückruf des offensichtlich abgaskreativen "Touareg" gegen den VW-Konzern durchgesetzt. Das klingt bloß nach Selbstverständlichkeit, ist aber in Wirklichkeit tatsächlich eine Nachricht. Schließlich ist die Behörde dem Bundesverkehrsministerium unterstellt. Und dort hatte ja bis vor kurzem der mittlerweile demissionierte Alexander Dobrindt das Sagen. Oder besser: das Schweigen. Was aber hätte er auch von sich geben sollen? Mit der Maut hat der Diesel-Skandal schließlich nichts zu tun.

Und so kommt es, dass Hersteller gelassen auch dem neuen Jahr entgegenblicken dürfen. Für die Autofahrer gibt’s derweil ein Seminar in Staatsräson. Und eine großzügige Wahl zwischen Update und Stilllegung. Garantieren, dass man mit neuer Software wenigstens in alle Innenstädte fahren darf, wollen allerdings weder Autobauer noch Regierende. Erst recht nicht, dass das neu bespielte Aggregat keinen Schaden nimmt. Was ein wenig argwöhnisch macht. Wenn die Abschaltung der Abgas-Reinigung angeblich nichts anderem dient als dem Schutz des Motors, und man die Abschaltung abschaltet…

Dobrindts geschäftsführender Interims-Notersatz-Nachfolger wird sich um eine Antwort leider auch nicht kümmern können. Er hat, erstens, wohl nur eine minimale Amtszeit und, zweitens, mit Glyphosat schon genug zu tun. Schade, dass sich in der GroKo-amtierenden SPD niemand findet, der in einem ähnlichen Handstreich die Maut kassiert. Natürlich nicht im Häuschen, sondern im Bundesgesetzblatt.

Dann wäre das Dobrindt’sche Vorhandensein wenigstens aufkommensneutral gewesen.

Autor

Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
28. 12. 2017
15:15 Uhr

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28. 12. 2017
15:15 Uhr



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