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WTCR-Auftakt: Sucher in der Wüste

Im Kommandostand von VW sehen sie aus, als wünschten sie sich einen Heuhaufen. Gerne riesengroß und mit ganz kleiner Nadel. Dann wüssten die Ingenieure wenigstens, wonach zu suchen ist - und fündig würden sie irgendwann auch. Stattdessen brüten sie vor einem gewaltigen Berg an Daten, haben aber keine wirkliche Erkenntnis. Außer der, dass ein paar Zehntel fehlen. Irgendwo.



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Woanders mag das nach Kleinigkeit klingen. Beim Auftakt zur TCR-Weltmeisterschaft ist es mindestens eine Katastrophe. Gegen den engen Stadtkurs von Marrakesch ist die Formel-1-Strecke von Monaco eine Autobahn. Überholen nahezu unmöglich. Wer im Qualifying hinten landet, wird es in dem Kanal aus Betonpollern auch bleiben.

Und das von VW unterstützte Team Sébastien Loeb Racing landet mit seinen Golf TCR weit hinten. Gefühlt eine Ewigkeit. Auch wenn es bloß Zehntel zur Spitze sind. Aber weniger als eine Sekunde macht eben den Unterschied, ob man auf Pole steht – oder auf Startplatz 23. Sicher ist: Die neuen Reifen kommen nicht schnell genug auf die ideale Temperatur. Und zwar bei keinem der vier Piloten. Unabhängig von Abstimmung oder Fahrstil. Die Techniker schrauben an Sturz und Vorspur, ändern Dämpfung und Luftdruck – doch es will sich kein rechter Erfolg einstellen.

Klar gibt es beim Golf ein Handicap. Er war eines der ersten Autos der noch jungen TCR-Serie und muss auch 2019 noch in der aktuellen Ausbaustufe verbleiben. So schreibt es – aus Kostengründen – das Reglement vor. Sehr frei nach Hildegard Knefs bekanntem Lied wird der alte Golf langsam grau. Und auf der Piste ist es wie im Leben: Irgendwann drängen Jüngere nach. Erst 2020 darf VW den brandneuen Golf 8 auf die profillosen Räder stellen. Dann wird es die Konkurrenz sein, die
mit dem Alter zu kämpfen hat…

Noch ist der Golf das erfolgreichste Auto der WTCR. Gleich in seiner Premieren-Saison 2016 feierte der 330 PS starke Debütant den Titel. Auch 2017 hieß das Siegerauto – mittlerweile auf 350 PS erstarkt: Golf. So hätte es aus Sicht von VW gerne weitergehen dürfen. Doch 2018 machte der Hyundai i30N das Rennen. Der Wagen ist neuer – vor allem aber gezielter auf den Renneinsatz hin entwickelt als der Großserien-Golf.

Trotzdem will VW im letzten Jahr der Homologation sowohl in der deutschen Serie wie in der WTCR auf Augenhöhe kämpfen. Das verkorkste Wochenende in der Wüste nährt trotz allem diese Zuversicht. In zwei von drei Rennen fahren Gölfe die schnellste Rundenzeit. Rookie Benjamin Leuchter, von der TCR Germany in die Top-Liga gewechselt, steuert noch eine dritte Zeit bei. Im Klartext: Ist der Reifen warm, sind Siege möglich.

Dummerweise ist dieser Trost sogar ein Rückschlag. Schuld daran ist die "Balance of Performance". Wer schnell ist, muss im nächsten Rennen Gewicht zuladen, Bodenfreiheit aufgeben oder Leistung drosseln. Das sorgt für Spannung in der Serie. Und spart Kosten, weil teuer erkaufter Vorsprung schnell wieder eingebremst würde.

Noch von Marrakesch aus hat VW zusätzliche Test-Tage gebucht. Der zweite Lauf der WTCR wird vom 26. bis 28. April in Budapest ausgetragen. Zeitgleich findet in Oschersleben der Auftakt zur TCR Germany statt. Es bleibt also nicht viel Zeit, um zu finden. Was auch immer…

Bei unseren Recherchen erhalten wir Unterstützung von Herstellern und Agenturen. Dies hat keinen Einfluss auf den Inhalt der Berichterstattung.

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Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
12. 04. 2019
10:15 Uhr

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12. 04. 2019
10:15 Uhr



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