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Facebook: Möglicherweise trifft Datenskandal keine Europäer

Der Datenskandal um Cambridge Analytica hat Facebook auch in Europa schwer unter Druck gebracht. Jetzt heißt es plötzlich, vielleicht seien gar keine Europäer betroffen - nachdem Facebook einst selbst Millionen Nutzer gewarnt hatte.



Mark Zuckerberg
Facebook erklärt, dass von dem Datenskandal um Cambridge Analytica möglicherweise keine Nutzer in Europa betroffen gewesen seien.   Foto: Riccardo Pareggiani/ZUMA Wire

Facebook erklärt in einer überraschenden Kehrtwende, dass von dem Datenskandal um Cambridge Analytica möglicherweise überhaupt keine Nutzer in Europa betroffen gewesen seien.

Nach Angaben des Cambridge-Professors Aleksandr Kogan, der die Informationen an die Datenanalyse-Firma weitergab, sei es bei dem Deal nur um Mitglieder aus den USA gegangen. «Wir haben keine Beweise dafür gesehen, dass Kogan mit ihnen Daten über europäische Nutzer geteilt hat», erklärte Facebook in nachgereichten Antworten auf liegengebliebene Fragen aus der Anhörung von Firmenchef Mark Zuckerberg im Europaparlament. Zuckerberg selbst hatte diese Entwicklung mit keinem Wort erwähnt.

Klarheit solle eine Überprüfung der Computer-Systeme von Cambridge Analytica bringen, hieß es weiter. Zuvor hatte das Online-Netzwerk noch selbst geschätzt, dass bis zu 310.000 Mitglieder in Deutschland und mehrere Millionen in Europa insgesamt betroffen sein könnten. Diese Berechnung basierte auf der Zahl der Nutzer, deren Informationen bei Kogan über eine Umfrage-App gelandet waren. «Ein «ja», «nein», «vielleicht» hilft nicht weiter», kritisierte die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Nadine Schön, die neue Darstellung. «Facebook muss endlich Fakten nennen.»

Facebook veröffentlichte die Antworten auf insgesamt 18 konkrete Fragen rasch nach der scharfen Kritik an der Anhörung. In den schriftlichen Antworten lehnte es Facebook unter anderem ab, zu versprechen, keine Daten mit der Chat-App WhatsApp auszutauschen. Auch hieß es, man könne nicht versprechen, gefälschte Profile komplett aus dem Netzwerk verschwinden zu lassen, auch wenn Facebook jeden Tag Millionen davon blockiere.

Bei vielen Antworten verwies Facebook auf bereits bekannte Stellungnahmen. Zur Erfassung von Daten von Nicht-Mitgliedern hieß es etwa, einige Informationen für die Sicherheit würden benötigt. «Wenn zum Beispiel ein Browser in den vergangenen fünf Minuten hunderte Websites besucht hat, könnte das ein Hinweis darauf sein, dass das Gerät ein Bot ist.» Facebook erstelle aus Daten von Nicht-Mitgliedern keine Profile und sie könnten erfragen, welche Informationen über sie das Online-Netzwerk habe. Zugleich hieß es, Nicht-Mitglieder könnten per Werbung dazu ermutigt werden, sich bei Facebook anzumelden. Um das Sammeln einiger Daten von Internet-Nutzern, die keine Facebook-Mitglieder sind, gab es immer wieder Streit mit europäischen Datenschützern.

Zum Datenabgleich mit WhatsApp bekräftigte Facebook, dass derzeit keine Profil-Informationen europäischer WhatsApp-Nutzer für die Personalisierung der Werbung bei Facebook verwendet würden. Aber wie bereits mehrfach angekündigt, tausche man einige Informationen wie Telefonnummern aus, um zum Beispiel Absender von Spam oder anderer unerwünschter Inhalte zu blockieren.

Jan Philipp Albrecht, Grünen-Europapolitiker und Datenschutzexperte, empörte sich über diese Antwort. «Die Vermischung der Daten von WhatsApp und Facebook wurde mehrfach durch Gerichte in Deutschland für rechtswidrig erklärt.» Deshalb sei es skandalös, dass Facebook nun «offen und ohne erkennbare Scham genau diese Vermischung bestätigt». Die Antworten zeigten, dass das Unternehmen den Datenschutz noch immer nicht ernst nehme. «Welche personenbezogenen Daten von Internetnutzern ohne Facebook-Account erhoben werden und zu welchem Zweck, ist leider weiterhin an vielen Stellen unklar.»

Bei Freigabe der WhatsApp-Übernahme 2014 hatte Facebook ursprünglich noch erklärt, ein Datenabgleich zwischen dem Online-Netzwerk und WhatsApp sei nicht möglich. Deshalb belegte die EU-Kommission das Online-Netzwerk mit einer Strafe von 110 Millionen Euro, nachdem 2016 doch ein Abgleich von Telefonnummern angekündigt wurde.

Vor allem der Ablauf der Anhörung im Europaparlament war scharf kritisiert worden. Zunächst stellten die Fraktionsspitzen bei einem live im Internet übertragenen Treffen im kleinen Kreis rund 45 Minuten zum Teil sehr konkrete Frage. Danach nahm sich Zuckerberg rund 20 Minuten Zeit, sie alle gesammelt zu beantworten. Er beschränkte sich dabei weitgehend auf allgemeine Einlassungen zu den angerissenen Themenkomplexen, statt einzelne Fragen direkt zu beantworten.

Guy Verhofstadt, der Fraktionsvorsitzende der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa, kritisierte auch die nachgereichten Antworten als «unzureichend». Außerdem seien weiterhin nicht alle offenen Fragen beantwortet worden. Die Anhörung selbst bezeichnete Verhofstadt als «heilloses Durcheinander».

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dpa

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Veröffentlicht am:
24. 05. 2018
17:29 Uhr

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