Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

 

Streaming erstmals stärker als CD

Zeitenwende auf dem Musikmarkt: Erstmals wird mit Streaming mehr Umsatz gemacht als mit der guten alten CD. Damit geht eine Ära zu Ende, die auch in Deutschland ihren Anfang nahm.



Musik-Streaming
Das Streaming kam im ersten Halbjahr 2018 auf einen Marktanteil von 47,8 Prozent. Der Anteil von CDs macht am Gesamtmarkt nur noch 34,4 Prozent aus.   Foto: Ole Spata

In ihren besten Jahren bereitete die CD dem deutschen Musikmarkt ein Milliardengeschäft, jetzt werden die kleinen Silberscheiben endgültig von Spotify und Co. verdrängt.

Denn erstmals wurde mit Streaming mehr Geld eingenommen als durch den Verkauf von CDs, wie der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) mitteilte. Überraschend kommt diese Wende nicht. Vielmehr verwundert es, wie sich die CD im Internet-Zeitalter überhaupt so lange halten konnte.

Wie die aktuellen Zahlen zeigen, verbuchten Dienste wie Spotify, Apple Music oder Tidal im ersten Halbjahr 2018 einen Zuwachs von 35,2 Prozent auf 348 Millionen Euro Umsatz. Das Streaming kam damit auf einen Marktanteil von 47,8 Prozent. Gleichzeitig brach das Geschäft mit CDs um 24,5 Prozent auf 250 Millionen Euro ein. Ihr Anteil am Gesamtmarkt macht nur noch 34,4 Prozent aus. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 44,6 Prozent.

Ihre Anfänge nahm die CD übrigens zum Teil auch in Deutschland. Erfunden von Philips und Sony, wurde sie 1981 auf der Berliner Funkausstellung vorgestellt. Im August 1982 wurden die weltweit ersten für den Verkauf bestimmten Silberscheiben in Langenhagen bei Hannover produziert - dabei soll es sich um das Album «The Visitors» von ABBA gehandelt haben.

Die neue Technik bescherte der Musikindustrie in den 1980er und 90er Jahren goldene Zeiten. Nicht nur Chartstürmer wie Michael Jackson oder Madonna füllten ihre Kassen. Ob Beatles oder Bee Gees, die Kunden kauften sich auch millionenfach Musik, die sie schon besaßen, noch einmal auf CD. 1997 erreicht die CD dann den Höchstumsatz von umgerechnet 2,3 Milliarden Euro.

Doch das Glück währte nicht lange. Mit dem Internet und der Digitalisierung kamen erst neue Formate wie MP3, dann Tauschbörsen wie Napster und schließlich die Streamingplattformen. Die Industrie versuchte noch, mit einer besseren Soundqualität in den Disc-Formaten Super-Audio-CD und DVD-Audio dagegenzuhalten - doch die breite Masse der Käufer war nicht interessiert. Eine letzte Bastion der CD ist Japan, wo die Silberscheiben im vergangenen Jahr noch über 60 Prozent der Erlöse im Audio-Geschäft ausmachten.

In Schweden, der Heimat des Marktführers Spotify, ist das Streaming bereits seit 2012 umsatzstärkster Bereich, in Nordamerika seit 2015. «Die Deutschen sind traditionell etwas zögerlicher, was digitale Trends betrifft. Somit ist es spannend, dass wir jetzt das erleben, was in andern Ländern schon seit einigen Jahren stattfindet», sagte der BVMI-Vorstandsvorsitzende Florian Drücke.

Insgesamt setzte der deutsche Musikmarkt in den ersten sechs Monaten des Jahres 727 Millionen Euro um, das ist - im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017 - ein Rückgang von zwei Prozent.

Wie will sich die Branche also weiter behaupten? Dazu sollen Plattformen wie YouTube stärker in die Pflicht genommen werden, die sich - so der Vorwurf des BVMI - Lizenzzahlungen entziehen. Obwohl der «de facto größte Musikstreaming-Dienst der Welt» mit Werbung jede Menge Geld verdiene, zahle er nur einen Bruchteil dessen, was durch Spotify und andere Dienste eingenommen werde, so Drücke.

Veröffentlicht am:
18. 07. 2018
15:18 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Abba Apple Bee Gees CDs Internetzeitalter Marktführer Michael Jackson Milliardengeschäfte Musikmarkt Napster Philips GmbH Sony The Beatles Umsatz Wirtschaftsbranche Musik YouTube
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Streaming

28.11.2018

Wie Streaming den Sound der Popmusik beeinflusst

Seit Mitte 2018 ist Streaming das größte Umsatzsegment im deutschen Musikmarkt. Das kann nicht nur Einfluss auf die Musikwirtschaft haben - sondern auch auf die Weise, wie Popmusik geschrieben und gehört wird. » mehr

Adobe Photoshop

13.11.2019

Das sind die beliebtesten Apps für iPad und iPhone

Text- und Bildbearbeitung wird auch für viele iOS-Nutzer immer wichtiger. Klar, dass hier vor allem kostenlose Angebote gefragt sind. Für manche Tools geben einige aber auch gern etwas Geld aus. » mehr

Google

20.03.2019

Google steigt ins Videospiele-Geschäft ein

Google will das Games-Geschäft umkrempeln. Die Spiele sollen auf Servern im Netz statt auf Geräten der Nutzer laufen. Viele Fragen bleiben zur Ankündigung jedoch noch offen. » mehr

«TeamSpeak 3»

06.11.2019

Top Apps: Schlaf-Überwachung und Team-Kommunikation

Bei App Store-Nutzern ist die Kommunikations-App «TeamSpeak 3» derzeit beliebt - ein Neueinsteiger. Viele haben sich auch für die App «AutoSleep Schlaftracker» für die Apple Watch interessiert. » mehr

Samsungs Galaxy Fold

06.09.2019

Die Smartphones der IFA - mit und ohne 5G

Die Zukunft des Mobilfunks rast heran: Auf der IFA dreht sich vieles um den LTE-Nachfolger 5G. Smartphones mit der neuen Technik gibt es hier aber kaum zu sehen. » mehr

Moritz Jäger

05.03.2019

Streaming-Boxen machen jeden Fernseher zum Smart-TV

Das Streamen von Musik hat nicht nur das Hören von CDs, sondern längst auch etwa das Abspielen von MP3s überrundet. Das gleiche Bild ergibt sich bei Videos oder Filmen. Doch was tun, wenn der Fernseher nicht smart ist od... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
18. 07. 2018
15:18 Uhr



^