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Amazon zeichnet Alexa-Sprachbefehle auf

Wenn der Alexa-Lautsprecher mithört, dann tun das zum Teil auch Amazon-Mitarbeiter. Der US-Konzern wählt einige Sprachaufnahmen für Mitschnitte aus, um die Spracherkennung weiterzuentwickeln. Doch werden die Nutzer darüber ausreichend informiert?



Smarter Lautsprecher
Amazon hat zum Teil Alexa-Sprachbefehle abtippen lassen. Sollen die persönlichen Daten garantiert geschützt werden, schalten Verbraucher das Lautsprecher-Mikrofon am besten aus.   Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn

Amazon lässt Mitarbeiter aufgezeichnete Befehle von Nutzern an seine Assistenzsoftware Alexa anhören und abtippen, um die Spracherkennung zu verbessern. Der Konzern bestätigte die Vorgehensweise.

«Wir versehen nur eine extrem geringe Anzahl von Interaktionen einer zufälligen Gruppe von Kunden mit Anmerkungen, um die Nutzererfahrung zu verbessern.»

Bloomberg zufolge wird diese Arbeit an diversen Standorten rund um die Welt erledigt, unter anderem in Boston, Costa Rica, Indien und Rumänien. Laut zwei Mitarbeitern in Bukarest schlagen sie dort pro Schicht jeweils bis zu 1000 Mitschnitte um. Ein Mitarbeiter aus Boston sagte, er habe zum Beispiel Aufzeichnungen mit den Worten «Taylor Swift» analysiert und sie mit der Anmerkung versehen, dass die Nutzer die Sängerin meinten.

Worauf greifen die Mitarbeiter zu?

«Im Rahmen dieses Workflows haben Mitarbeiter keinen direkten Zugriff auf Informationen, die die Person oder das Konto identifizieren können», betonte Amazon. Der Finanzdienst berichtete zugleich, auf einem Screenshot zu einem solchen Transkriptions-Auftrag seien eine Account-Nummer, der Vorname des Nutzers sowie die Seriennummer des Geräts aufgeführt gewesen. Der Konzern erklärte, alle Informationen würden streng vertraulich behandelt und es werde mit Zugangseinschränkungen und Verschlüsselung gearbeitet.

Aus Amazons öffentlichen Informationen zu Alexa geht bisher nicht explizit hervor, dass unter Umständen auch Menschen die Aufzeichnungen anhören könnten. «Zum Beispiel verwenden wir Ihre Befehle an Alexa, um unsere Systeme zur Spracherkennung und zum Verstehen natürlicher Sprachen zu trainieren», heißt es allgemein in Fragen und Antworten auf einer Amazon-Seite. Zugleich können Nutzer in den Einstellungen die Nutzung ihrer Aufnahmen zur Weiterentwicklung des Dienstes ablehnen sowie bisherige Aufnahmen löschen.

Einige der Mitarbeiter hätten die Aufgabe, sich die Sprachbefehle anzuhören und nachzuprüfen, ob Alexa die Worte richtig erkannt hatte, schrieb Bloomberg. In anderen Fällen werde eine Unterhaltung mit der Software angehört, um zu sehen, wie gut sie mit dem Nutzer interagierte.

Auch vertrauliche Informationen darunter

In einigen Fällen hätten die Mitarbeiter vertrauliche Informationen wie Namen oder Bankkonto-Informationen gehört, berichtete Bloomberg. In diesen Fällen sollten sie ein Häkchen im Menüpunkt «kritische Daten» setzen und sich die nächste Aufnahme vornehmen. Bloomberg nannte auch weitere Beispiele für von den Mitarbeitern gehörte private Aufnahmen: Ein Frau, die in der Dusche singt, ein Kind, das nach Hilfe ruft. Zwei Beschäftigte sagten Bloomberg, sie hätten auch etwas gehört, was ein sexueller Übergriff gewesen sein könnte. Laut zwei Mitarbeitern aus Rumänien seien sie in solchen Situationen angehalten, nichts zu unternehmen, schrieb der Finanzdienst.

Geräte mit der Assistenzsoftware wie Amazons Echo-Lautsprecher beginnen die Aufnahme grundsätzlich erst, wenn sie das festgelegte Weck-Wort wie «Alexa» hören. Zugleich passiert es immer wieder mal, dass die Funktion fälschlicherweise aktiviert wird, weil die Software glaubt, das Wort gehört zu haben. Auch versehentlichen Aufnahmen würden abgetippt, berichtete Bloomberg. Den Mitarbeitern zufolge würden pro Tag bis zu 100 solcher Aufnahmen durchgearbeitet.

Wie gehen Google und Apple mit den Daten um?

Google erklärte, bei seiner Alexa-Konkurrenzsoftware Assistant könnten unter Umständen Spezialisten auf kurze Audiofragmente zugreifen, um den Dienst zu verbessern, dabei würden aber keine Informationen zur Identifizierung übermittelt und der Ton werde verzerrt.

Bei Apple heißt es in einem Sicherheitspapier, bei Aufzeichnungen werde nach sechs Monaten eine Kopie ohne persönliche Informationen gespeichert, die bis zu zwei Jahre lang für die Verbesserung des Dienstes verwendet werden könne. Auch eine geringe Anzahl von Transkriptionen könne dafür eingesetzt werden.

So können Nutzer die Auswertung verhindern

Nutzer, die nicht möchten, dass Aufzeichnungen mit ihrer Stimme ausgewertet werden, etwa um die Genauigkeit der Erkennung von Wörtern oder Zusammenhängen zu erhöhen, können dem auf der Privacy-Seite von Alexa widersprechen .

Dort muss man in den Einstellungen den Punkt «Verwalten Sie, wie Ihre Daten zur Verbesserung von Alexa genutzt werden dürfen» auswählen und sollte dann die folgenden beiden, zur Verfügung stehenden Optionen deaktivieren. Zum einen die Möglichkeit, dass die eigenen Sprachaufnahmen zur Entwicklung neuer Funktionen verwendet werden dürfen. Und zum anderen die Möglichkeit, dass die eigenen, über Alexa gesendeten Nachrichten zur Verbesserung der Genauigkeit von Abschriften herangezogen werden dürfen.

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dpa

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Veröffentlicht am:
12. 04. 2019
10:42 Uhr

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