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Apple wechselt bei den Macs auf ARM-Prozessoren

Apple stellt auf seiner Entwicklerkonferenz WWDC jedes Jahr seine Software-Neuheiten vor. Auf der WWDC 2020 wurde nun ein historischer Plattformwechsel verkündet.



macOS 11 «Big Sur»
Die Optik der neuen Version macOS 11 «Big Sur» wird der iPad-Bedienoberfläche ähnlicher.   Foto: Apple Inc./dpa-tmn » zu den Bildern

Apple inside»: 15 Jahre nach seinem historischen Schwenk auf Intel-Prozessoren stellt Apple seine Macs schrittweise auf eine neue Plattform um. Konzernchef Tim Cook sprach am Montag von einem «historischen Tag für den Mac».

Künftige Generationen der Mac-Computer werden wie iPhone und iPad mit einem von Apple selbst entwickelten ARM-Prozessor laufen. Die ersten Geräte mit der neuen CPU-Architektur sollen noch in diesem Jahr erscheinen. Für eine längere Übergangsphase wird Apple aber weiterhin auch Rechner mit Intel-Prozessoren im Programm haben. Experten erwarten, dass der Übergang mindestens zwei Jahre dauern wird.

Apple löst sich mit diesem Schritt zum einen von der Abhängigkeit von Intel. Der kalifornische Chip-Hersteller lieferte seine neuen Prozessor-Generationen zuletzt nicht in dem von Apple gewünschten Tempo. Außerdem bietet die Umstellung auf ARM-basierte Chips die Möglichkeit, dass iOS- und iPad-Anwendungen in Zukunft nativ im macOS ausgeführt werden können. «Die meisten Anwendungen werden einfach funktionieren», versprach Apple-Chef Cook. «Das bedeutet, dass Sie zum ersten Mal in der Lage sein werden, native macOS-Anwendungen neben nativen iOS-Anwendungen nebeneinander laufen zu lassen.»

Prozessoren, die auf der Architektur des britischen Chipdesign-Unternehmens ARM aufsetzen, gelten im Vergleich zu Intel-Chips als energieeffizienter. Daher verwenden fast alle Smartphones und die meisten Tablet Computer ARM-Chips. Intel konnte sich in diesem Segment nie durchsetzen. In den vergangenen Jahren hat das ARM-Design auch bei der Performance gegenüber Intel aufgeholt. So ist der aktuelle Spitzenchip des iPad Pro, der A12Z, schneller als die meisten Notebook-CPUs von Intel oder AMD, die auf einer klassischen x86-Architektur aufsetzen.

Ähnlich wie einst beim Übergang von den PowerPC-Chips auf Intel-Prozessoren im Jahr 2005 steht Apple erneut vor der Herausforderung, dass bestehende Software auf die neue Plattform angepasst werden muss. Entwickler haben nun Zeit, ihre macOS-Programme auf die ARM-Hardware anzupassen. Für Apps, die auf beiden Plattformen (Apple-ARM und Intel) laufen, wurde der neue Standard «Universal 2». Für Programme, die (noch) nicht angepasst wurden, bietet Apple die Laufzeitumgebung «Rosetta 2» wie einst beim Wechsel von PowerPC zu x86. Ähnlich wie das historische Vorbild «Rosetta» soll sie bestehende Apps ohne Anpassungen zum Laufen bringen. Wie gut das klappt, müssen Praxistests erweisen.

«Die überwiegende Mehrheit der Entwickler kann ihre Anwendungen innerhalb weniger Tage zum Laufen bringen», versprach Craig Federighi, Senior Vice President of Software Engineering, bei Apple. Er führte in der Live-Übertragung zur Entwicklerkonferenz eine erste Version von Microsoft Office vor, die bereits auf die neue Plattform angepasst war. Apple arbeitet auch mit Adobe zusammen, um deren Profi-Anwendungen auf den neuen Chips zum Laufen zu bringen. Federighi demonstrierte während der Keynote die Adobe-Programme Lightroom und Photoshop auf den neuen Macs.

Parallel zur großen technischen Veränderung «unter der Haube» wird Apple auch die Optik des macOS spürbar verändern. Die Optik der neuen Version macOS 11 «Big Sur» mit neugestalteten Programmicons und Bedienelementen nähert sich erheblich der iPad-Bedienoberfläche an. Auch das von iPhone und iPad bekannte Control Center kommt damit auf den Mac.

Beim iPhone können Nutzer mit dem neuen Betriebssystem iOS 14 den Start-Bildschirm mit zusätzlichen Funktionen umgestalten. So kann man - wie bei den meisten aktuellen Android-Smartphones - größere sogenannte Widgets platzieren, um beispielsweise aktuelle Wetter- oder Verkehrsinfomationen ständig im Blick zu haben.

Wer viele Apps auf dem iPhone hat, den wird die neue App Library interessieren: Sie kann die Apps automatisch sortieren, so dass man nicht die Übersicht verliert. Neu sind auch «App Clips» - das sind abgespeckte Programme, die man nur in bestimmten Situationen benötigt, um beispielsweise in einer Innenstadt ein Parkticket digital zu lösen.

Das iPhone soll man auch als Autoschlüssel nutzen können. Dafür kommt beispielsweise beim neuen 5er von BMW der NFC-Funkchip zum Einsatz, der sonst beim iPhone auch zum kontaktlosen Bezahlen genutzt wird. Der digitale Schlüssel kann auch digital versendet und ausgeliehen werden, inklusive möglichen Einschränkungen beim Fahrstil, wenn beispielsweise Eltern das Auto den Kindern übergeben und Rasereien verhindern wollen.

Apple reagiert mit iOS 14 auch auf Kritik, Anwendungen aus dem eigenen Haus ständig gegenüber den Apps von Drittanbietern zu bevorzugen. So kann man künftig seinen Standard-E-Mail-Client festlegen. Bislang durfte das nur «Mail» von Apple sein.

Bei manchen Neuerungen und Verbesserungen ist noch unklar, wann auch Anwender in Deutschland davon profitieren werden. Das gilt für die runderneuerte Sprachassistentin Siri, die künftig auch mehr Wissensfragen als bisher beantworten können soll. Auch der Fahrrad-Modus in den Apple-Maps kommt zuerst in den USA und in China zu Einsatz. Andere Verbesserungen bei den Apple Maps gibt es zunächst für die USA, Großbritannien, Irland und Kanada. Immerhin beherrscht die neue Übersetzungs-App im iOS 14 zum Start elf Sprachen, darunter auch Deutsch.

Öffentliche Betaversionen von iOS 14 und iPadOS 14 werden im Juli bereitgestellt. Die finalen Versionen werden dann im Herbst erscheinen. Und Apple hat dabei nicht die Mindestanforderungen erhöht. Wie das aktuelle Betriebssystem laufen iOS 14 und iPadOS 14 auf iPhones ab dem Modell 6s und iPads ab dem iPad Air 2.

Auf eine Reihe von Neuerungen können sich auch Anwender der Computer-Uhr Apple Watch freuen. Hier will Apple mit mehr Vielfalt und neuen Einstellungsmöglichkeiten bei den Zifferblättern und «Komplikationen» mit einzelnen App-Funktionen seien Vorsprung im Smartwatch-Markt behaupten. Außerdem kann die Apple Watch nun ohne Installation von Zusatz-Software als Schlaf-Tracker eingesetzt werden.

© dpa-infocom, dpa:200623-99-529007/4

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Veröffentlicht am:
23. 06. 2020
10:47 Uhr

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