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Podcasts erobern deutsche Smartphones

Podcasts gibt es in Deutschland schon lange. Nach einer ersten Welle Mitte der 2000er Jahre kommen sie jetzt zurück und professionalisieren sich. Angestoßen haben das auch Olli Schulz und Jan Böhmermann.



Hörprogramm für unterwegs
Auf dem Weg zur Arbeit hören viele Pendler gerne Podcasts auf ihrem Smartphone. Nachschub für die Ohren gibt es über Suchmaschinen und in den Podcast-Charts.   Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Wenn sich Dominik Hammes, Max Nachtsheim und Christian Gürnth an ihre Mikrofone setzen, reden sie von früher. Wie Opa vom Krieg erzählen die drei Jungs, alle um die 30, aus den 80er und 90er Jahren.

Von Videospielen und Spielzeug, von Mädchengeschichten und Mobbing, bis zu sechs Stunden lang. Sie nennen das «Vergangenheitsbewältigungspodcast». Und damit sind sie sehr erfolgreich.

Als Podcast bezeichnet man vor allem Audio-Inhalte, die die Nutzer herunterladen und unterwegs hören können. Sie etablierten sich mit Apples iPod Anfang und Mitte der 2000er Jahre - derzeit erleben sie allerdings eine Renaissance in Deutschland.

Zu verdanken haben das die Podcast-Macher zu einem kleinen Teil zwei Männern. «Schulz und Böhmermann haben schon die größte Tür eingetreten», sagt Christian Gürnth. Er bezieht sich auf die Radiosendung «Sanft und Sorgfältig» von Olli Schulz und Jan Böhmermann, die man mittlerweile unter dem Namen «Fest und Flauschig» beim Streamingdienst Spotify herunterladen kann. «Ich sehe da definitiv einen Trend. Auch unsere Abrufzahlen werden besser», sagt Gürnth.

Marcel Grobe von Spotify kann das bestätigen: «Seit wir «Fest und Flauschig» haben, gehen die anderen Formate mit hoch. Weil die Leute dann in der App bleiben und weiter stöbern.» Vor genau einem Jahr (15. Mai 2016) wurde der erste Podcast von Schulz und Böhmermann bei Spotify online gestellt. Dem Streaming-Anbieter gelang damit ein Coup - der Wechsel vom öffentlich-rechtlichen Sender radioeins passierte kurz, nachdem Böhmermanns Schmähgedicht-Affäre die Schlagzeilen beherrschte. Nach Angaben der Beteiligten war das schon vor dem Medienrummel ausgemacht.

Wie groß der Markt derzeit in Deutschland insgesamt ist, lässt sich schwer sagen. Nach Erkenntnissen der ARD/ZDF-Onlinestudie hören immerhin zehn Prozent der deutschsprachigen Erwachsenen in Deutschland mindestens einmal pro Woche einen Podcast. Absolute Hörerzahlen von den Plattformen gibt es kaum.

«Der Begriff ist langsam so weit, dass man ihn nicht mehr erklären muss. Und ich glaube das ist das Besondere im Moment», sagt Dominik Hammes von Radio Nukular. Podcasts würden derzeit einfach zu noch einem Medium. «Obwohl das langweilig klingt, muss es ja genau das sein, damit eine Breitenwirkung da ist.»

Und das haben auch Verlage entdeckt. So hat «Spiegel Online» etwa zur Bundestagswahl den wöchentlichen Podcast «Stimmenfang» gestartet. Die «Rheinische Post» bietet mehrere Formate an, darunter etwa einen «Aufwacher»-Podcast, in dem die wichtigsten Themen des anstehenden Tages besprochen werden.

Das Equipment zum Hören haben die meisten Deutschen in der Hosentasche. «Wir glauben an das Mobiltelefon als Abspielgerät», sagt Grobe von Spotify. Deswegen könne man die Podcasts dort auch nur per App hören und nicht über das Desktop-Programm. Das Apple-Programm iTunes und die Apple-Podcast-App gehören nach wie vor zu den wichtigsten Plattformen für Podcast-Hörer.

Bisher teilte sich das Angebot dort vor allem in zwei Bereiche. «Das Eine ist die Zweitverwertung von Radiosendungen. Wenn man sich die Top 100 bei iTunes anschaut, sind ungefähr 60 Prozent vom Radio. Und der Rest sind talentierte Einzelpersonen», sagt Paul Huizing, Programmverantwortlicher bei Audible Deutschland.

Das Amazon-Unternehmen arbeitet daran, das zu ändern. In den USA gibt es bereits serielle Inhalte, die über Audible Channels vertrieben werden - geplant ist so etwas auch für den deutschen Markt. Huizing sagt dazu ungern Podcast. Huizings Team arbeitet an eigenen Audioformaten mit einer Dauer von bis zu einer Stunde, die speziell zum Herunterladen und Hören unterwegs gemacht sind. Im Vergleich zum klassischen Radio sagt Huizing: «Wenn ich ein Hörbuch höre oder mir einen Podcast herunterlade, dann ist das ein deutlich bewussteres Zuhören.»

Das macht Podcasts für die Verlage interessant: Wer bewusst den Podcast hört, hört auch Werbung darin aufmerksamer zu. Außerdem ist die Zielgruppe je nach Thema sehr eindeutig - ideal für Werbevermarkter. Wieso nicht in einem Podcast zum Einschlafen Werbung für Matratzen machen?

Das ist ein Weg, den auch Radio Nukular geht: Um ihren Podcast zu finanzieren, gibt es Produktinformationen am Anfang und Ende. Damit erreichen sie ein Publikum im sechsstelligen Bereich.

Doch die Macher verlassen sich nicht nur darauf, sie werden auch von ihren Fans unterstützt. Über die Plattform Patreon können Hörer einen Geldbetrag spenden - dafür erhalten sie dann Zugang zu Extra-Inhalten. Derzeit spenden gut 1300 Menschen insgesamt über 3500 US-Dollar - jeden Monat. Hinzu kommen Erlöse durch Merchandising sowie Live-Touren, bei denen die drei auf der Bühne stehen. Die nächste Tour steht schon: Anfang Juni zeichnen Radio Nukular in fünf Städten ihre Podcasts vor Live-Publikum auf. Drei Termine sind bereits ausverkauft.

Veröffentlicht am:
12. 05. 2017
12:30 Uhr

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Autor

dpa

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12. 05. 2017
12:30 Uhr



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