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IFA zeigt Multiroom-Sound für daheim

Musik wird dort gehört, wo die Anlage steht. Ein Umstand, der viele Jahrzehnte lang Hörgewohnheiten diktierte. Heute kann man dagegen mit vernetzten Audiogeräten die Musik virtuos im Haus verteilen, oft sogar per Sprachsteuerung. Grenzen setzt nur die Kompatibilität.



LF-S50G von Sony
Ein Hingucker: Sony verbindet seine Chromecast-fähigen Audioprodukte mit dem Google Assistant - so auch den neuen 360-Grad-Lautsprecher LF-S50G (230 Euro).   Foto: Alexander Heinl/dpa-tmn » zu den Bildern

Teamplayer sind überall gern gesehen. Auch vernetzte Hi-Fi-Komponenten gehören dazu. Sie streamen Songs nicht nur drahtlos, sondern können auch gemeinsam aufspielen, obwohl sie in verschiedenen Räumen stehen.

Diese konzertierte Aktion, die als Multiroom bezeichnet wird, gelang bisher meist aber nur, wenn sie vom selben Hersteller stammen. Jetzt fassen auch herstellerübergreifende Standards Fuß, wie die Neuvorstellungen auf der Elektronikmesse IFA in Berlin zeigen (1. bis 6. September). Ein Multiroom-Überblick:

Marktlage: «Jeder kocht sein eigenes Süppchen», sagt Sven Hansen vom «c't»-Fachmagazin. Standards wie UPnP AV oder DLNA ermöglichen zwar oft herstellerübergreifendes Streamen, nicht aber den Multiroombetrieb. Da verlassen sich die Hersteller lieber auf eigene Entwicklungen und versuchen, über ihren Standard Kunden zu binden.

Herstellerspezifische Standards: Die Systeme der Hersteller heißen etwa All von Panasonic, Play von Sonos, Musiccast von Yamaha, Raumfeld von Teufel, Heos von den Schwestermarken Denon und Marantz, Soundtouch von Bose oder Fireconnect von den Schwestern Pioneer und Onkyo. Samsung oder Sony haben ihren Multiroom-Standards keine besonderen Namen gegeben. Von Yamaha gibt es in Berlin als Musiccast-Neuheiten etwa den Netzwerkplayer NP-S303 (350 Euro) oder die Mini-Anlage Restio ISX-18D (300 Euro) zu sehen.

- DTS Play-Fi : Dieser herstellerübergreifende Standard steckt etwa in Geräten von Arcam, Klipsch, Rotel, McIntosh, Polk, Definitive Technology oder Pioneer. Onkyo hat Netzwerk-Mini-Anlagen wie die CS-N775D (749 Euro) angekündigt, die später upgedatet werden sollen.

- Undok : Vom Halbleiter-Hersteller Frontier Silicon stammt dieser Standard. Mit ihm arbeiten Internet-Radios, Netzwerkplayer oder WLAN-Lautsprecher von Marken wie Revo, Silvercrest, Sangean, Noxon, Technisat, Albrecht oder Roberts. Hama hat zur IFA etwa das Internet-Digitalradio DIR3115MS (200 Euro) mitgebracht, Block den Stereo-WLAN-Lautsprecher SB-100 (500 Euro).

- Spotify Connect : «Der Standard kommt aus einer ganz anderen Ecke», erklärt Sven Hansen. «Da ist es ein Anbieter, der das Protokoll vorgibt.» Möglich macht das die große Verbreitung des Streamingdienstes.

- Chromecast : Der Google-Standard kann seit Dezember 2015 nicht nur Musik streamen, sondern auch per Multiroom-Funktion verteilen. Immer mehr Hersteller integrieren ihn in Netzwerk-Bausteine oder -Boxen (Chromecast built-in). Dazu gehören etwa Pioneer und Onkyo, Teufel, Samsung, Panasonic, Sony oder B&O Play. Der Chromecast-Audio-Adapter (40 Euro) macht im Zweifel Anlage oder Aktivboxen hierfür fit.

- Airplay 2: Apples Streaming-Standard wird in der neuen Version Multiroom-fähig. Die Funktion zieht mit iOS 11 in iPhones und iPads ein, die dann die Steuerung übernehmen können. Viele Hersteller wie Denon, Marantz, Libratone, Bowers & Wilkins oder Bang & Olufsen (B&O) haben bereits Airplay-2-Unterstützung für ihr Produkte angekündigt.

- Bluetooth: Der Standard ist der kleinste gemeinsame Drahtlos-Nenner zwischen den meisten Audio- und Mobilgeräten. Es gibt auch Bluetooth-Boxen, die Musik ohne Versatz in mehreren Räumen abspielen können, etwa Izzy-Lautsprecher von Philips, die koppelbaren Boom-Boxen von Ultimate Ears oder Boxen von Bluesound oder JBL.

- Klang: Chromecast kann hochauflösende Musikdateien bis 24 Bit bei 96 Kilohertz wiedergeben, Fireconnect und DTS Play-Fi spielen sogar Dateien mit bis zu 24 Bit bei 192 kHz ab. Das sollte auch audiophilen Ansprüchen genügen. Aber am Ende zählt, wie es aus den Boxen klingt.

- Apps: Die Seele jedes Multiroom-Systems ist eine App. Mit ihr steuert man Geräte an, Lautsprecher lassen sich gruppieren. Die Hersteller bieten hierfür eigene Anwendungen. Chromecast-fähige Geräte gehorchen auch der Google-Home-App, wie Airplay-2-Geräte bald iPhones. Teils lässt sich die Wiedergabe aus anderen Apps starten, die Chromecast unterstützen. Für Undok-Geräte gibt es eine gleichnamige Anwendung, bei Spotify Connect fungiert die Spotify-App als Steuerzentrale.

Fazit: Noch herrscht «babylonische Protokollverwirrung», wie Sven Hansen es nennt. Die Entscheidung für einen Multiroom-Standard sollte man neben der Auswahl an verfügbaren Geräten und der Kompatibilität mit weiteren Standards oder Diensten vor allem vom Klang abhängig machen, rät der Experte: «Reinhören, anders geht es nicht.»

Veröffentlicht am:
31. 08. 2017
17:00 Uhr

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Autor

dpa

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31. 08. 2017
17:00 Uhr



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