Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

 

Die Suchmaschine Google wird 20 Jahre alt

«Googeln» ist zu einem Synonym für die Internet-Suche geworden. Der vor 20 Jahren gegründete Konzern ist längst über die Suchmaschine hinausgewachsen - und löst neben Bewunderung auch Datenschutz-Ängste sowie Sorgen um den Wettbewerb aus.



Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin
Die erste Version ihrer Suchmaschine entwickelten Sergey Brin (l) und Larry Page 1996.   Foto: Boris Roessler/Archiv

Google hat die Welt verändert. Das sekundenschnelle Auffinden von Informationen im Internet ist in den vergangenen 20 Jahren dank der berühmten Formel des Konzerns zur Selbstverständlichkeit geworden.

Damit einher geht aber auch eine beispiellose Ansammlung von Informationen in der Hand eines Konzerns - und eine Marktmacht, die vor allem in Europa verstärkt Aufseher auf den Plan ruft. Und mit Künstlicher Intelligenz, selbstfahrenden Autos und Gesundheitsforschung wollen Google und die Dachgesellschaft Alphabet bei vielen Zukunftstechnologien den Ton angeben.

Internet-Suchmaschinen gab es auch schon vor Google. Aber es war der neue Ansatz der beiden Gründer Larry Page und Sergey Brin, der Google schnell nach vorn brachte. Ihre Idee: Die Relevanz einzelner Webseiten zeigt sich darin, wie oft auf sie verlinkt wird. Inzwischen spielen im von vielen Mitarbeitern weiterentwickelten Google-Algorithmus hunderte weitere Faktoren mit. Die erste Version ihrer Suchmaschine, die zunächst BackRub hieß, programmierten Page und Brin ab 1996 noch zuhause. Relativ schnell wurde sie in Google umbenannt - eine Anspielung auf das Wort «Googol», die mathematische Bezeichnung für eine 1 mit 100 Nullen.

Mit einem Scheck über 100.000 Dollar von Sun-Microsystems-Mitgründer Andreas von Bechtolsheim wurde Google schließlich am 4. September 2008 als Unternehmen registriert. Die Mission: Alle Informationen auf der Welt zu ordnen und für alle zugänglich zu machen. Das Kredo (das inzwischen kaum noch Erwähnung findet): «Don't be evil» - tu nichts Böses. Als erstes Büro suchten sich Page und Brin standesgemäß eine Garage im Herzen des Silicon Valley. Ihre damalige Vermieterin, Susan Wojcicki, führt heute die Videotochter YouTube.

Page war der erste Firmenchef, doch den Investoren war nicht wohl dabei, das schnell wachsende Geschäft den beiden noch nicht einmal 30-jährigen Gründern zu überlassen. So wurde 2001 der erfahrende Manager Eric Schmidt als eine Art «Erwachsenenaufsicht» zu Google geholt. Für zehn Jahre, bis ein gereifter Page wieder das Steuer übernahm, wurden die Geschicke von einer Art «Troika» gelenkt. Schmidt war zwar der Konzernchef - aber die Gründer hatten zum Beispiel die Freiheit, das Start-up hinter dem heute dominierenden Smartphone-System Android zu kaufen, wie er sich später erinnerte.

Genauso clever wie der Suchmaschinen-Algorithmus war auch die Google-Idee, wie man damit Geld verdienen kann: Mit kleinen Anzeigen im Umfeld der Treffer - die dazu passen, wonach der Nutzer sucht. Bezahlt werden muss nur, wenn die Werbung auch angeklickt wurde, der Preis wird im Auktionsverfahren festgelegt. Mit solchen Mini-Deals kann man mit der Größe von Google Milliarden scheffeln. Und die Such-Anzeigen gelten bei allen neu dazu gekommenen Aktivitäten nach wie vor als die Basis des Geschäfts von Google - und auch von Alphabet insgesamt. Im vergangenen Quartal erzielte Alphabet insgesamt einen Umsatz von 32,6 Milliarden Dollar, davon waren gut 28 Milliarden Werbeerlöse von Google.

Schon in den ersten Jahren wurde klar, dass sich die Ambitionen von Google nicht nur auf die Internet-Suche beschränken. Getreu dem Ziel, alle Informationen der Welt zu organisieren, fing der Konzern damit an, in großem Stil Bücher einzuscannen. Bei dem Buch-Projekt holten sich die Google-Gründer mit ihren Weltverbesserer-Ambitionen zum ersten Mal eine blutige Nase. Autoren und Verleger sahen Urheberrechte verletzt und ihr Geschäft bedroht und zogen vor Gericht. Google Books kam als folge nur zäh voran.

Weitere Konflikte sollten folgen. Medienverlage warfen Google vor, mit der kostenlosen Verbreitung von Schlagzeilen und News ihre Geschäftsgrundlage zu zerstören. Bewertungsdienste wie Yelp kritisierten, die Suchmaschine sauge ihre Inhalte ein - wodurch die Nutzer bei Google hängen blieben. Preissuchmaschinen sahen sich benachteiligt. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager griff zweimal hart durch. 2017 gab es mit dem Vorwurf des unfairen Wettbewerbs bei der Shopping-Suche eine Strafe von 2,4 Milliarden Euro. In diesem Juli folgte die Rekordstrafe von 4,34 Milliarden Euro für Googles Gebaren bei Android. Die Beträge verdaute Google mit Leichtigkeit, die Forderung, auf der Mobil-Plattform mehr Konkurrenz zuzulassen, könnte aber zur Bombe unter dem bisherigen Android-Geschäft werden.

Und immer wieder kommen Datenschutz-Ängste auf: Weiß Google inzwischen zu viel über seine Nutzer? Die Idee der Computer-Brille Google Glass scheiterte letztlich auch an der Sorge, ihre Träger könnte andere unbemerkt Filmen. Erst vor wenigen Wochen musste sich der Internet-Konzern dafür rechtfertigen, dass Android-Telefone Ortungsdaten speichern. Und der Internet-Konzern bittet die Nutzer um noch mehr Informationen: Der sprechende Google Assistant ist erst dann besonders nützlich, wenn er sich genau auf den jeweiligen Menschen einstellen kann. Wie weit Google bei der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz ist, zeigte der Konzern im Frühjahr mit dem Dienst Duplex, der menschliche Sprache bis hin zu natürlich klingenden «Ähms» imitieren kann. Neben Bewunderung für die Leistung der Google-Entwickler löste das auch Sorgen vor einem Vormarsch der Maschinen aus.

Veröffentlicht am:
04. 09. 2018
04:12 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Alphabete Android Dollar Eric Schmidt Google Intelligenz Konzernchefs Konzerne Larry Page Margrethe Vestager Milliarden Euro Sergey Brin Urheberrechtsverletzungen Websuchmaschinen Yelp YouTube
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Google Maps

05.02.2020

Wie digitale Karten allgegenwärtig wurden

Weltweit gibt es schätzungsweise 100 Millionen Straßenkilometer. Der Kartendienst Google Maps hat einen großen Teil davon erfasst, um das digitale Geschäftsmodell des Konzerns mit der realen Welt zu verknüpfen. Datenschü... » mehr

TV per Sprachbefehl ansteuern

16.04.2020

Wenn das TV-Gerät aufs Wort gehorcht

Sogar Fernseher lassen sich heute per Sprache steuern. Technik-Nerds jubeln, Datenschützer haben Bedenken. Hat die Fernbedienung bald ausgedient? » mehr

15 Jahre Youtube

17.02.2020

Zum 15. Geburtstag ist Youtube umstritten wie nie

Seit anderthalb Jahrzehnten gibt es Youtube. Was mit einem banalen Tiervideo begann, wurde zu einem der größten Portale der Unterhaltungswelt. Doch in Zeiten von Fake News, Hetze und Filterblasen im Netz ist auch die Kri... » mehr

Prof. Martin Steinebach

17.12.2019

Gefälschte Fotos und Videos entlarven

Deutschland sitzt um 20.00 Uhr kollektiv vorm Fernseher und schaut Nachrichten? Das war einmal. Für viele haben soziale Medien längst klassische Nachrichten ersetzt. Doch dort lauert Desinformation. » mehr

Online-Shopping

16.05.2019

So nutzt man Preissuchmaschinen richtig

Über Vergleichsportale finden Verbraucher im Netz schnell günstige Angebote. Doch nicht jede Suchmaschine spuckt immer Schnäppchen aus. Was ist zu beachten, damit man am Ende wirklich Geld spart? » mehr

Programme im Browser

12.11.2019

Mit Web-Apps unabhängiger arbeiten

Installieren Sie noch, oder arbeiten Sie schon? Viele Programme und Dienste laufen inzwischen als Web-Apps im Browser. Was zwar praktisch ist, aber auch Nachteile mit sich bringen kann. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
04. 09. 2018
04:12 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.