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Die Foto-Gegenbewegung zur Digitalisierung

Erinnerungen mit der Kamera einfangen und gleich als fertiges Bild in der Hand halten: Sofortbild-Fotografie macht es möglich. Doch wie funktioniert das eigentlich genau? Und was kostet es?



Klassiker von Polaroid
Unverwechselbar: Eine klassische Sofortbildkamera von Polaroid.   Foto: Christin Klose » zu den Bildern

Es gab eine Zeit, da fehlten Sofortbilder an keinem Kühlschrank, an keinem Spind und an keiner Pinnwand. Dann geriet diese Spielart der Analogfotografie in Vergessenheit, nur um in jüngster Zeit erneut durchzustarten.

Liegt das an der einmaligen Momentaufnahme, die im Nachhinein nicht mehr verändert werden kann - eine Eigenschaft, die angesichts digitaler Manipulationsmöglichkeiten von Fotos fast schon wieder fortschrittlich wirkt?

«Sofortbildkameras werden mit einem speziellen Papier geladen, auf dem schichtweise verschiedene Chemikalien aufgebracht sind», erklärt sagt Wadim Herdt vom Fachmagazin «ColorFoto». Diese Chemikalien seien entweder licht- oder temperaturempfindlich. «Für ein Foto wird das Papier belichtet oder thermisch behandelt und in beiden Fällen anschließend durch Walzen gezogen - der Anpressdruck startet den chemischen Entwicklungsprozess.»

Temperatur beeinflusst Entwicklungsdauer

Dieser dauere zwischen wenigen Sekunden und zu drei Minuten - unter anderem abhängig von der Umgebungstemperatur. «Wenn es kalt ist, läuft der Prozess langsamer ab», weiß Herdt.

«Der herausragende Vorteil ist natürlich, dass das Bild sofort verfügbar ist», sagt Pantea Khaledpour vom Photoindustrie-Verband. Das Ergebnis - oder bei besonderen Anlässen der Moment - lasse sich sofort teilen, indem das Bild herumgereicht oder an eine Fotowand gehängt wird. «Auch die fast kindliche Neugierde, ob das Foto gelungen ist, spielt bei diesem neuen Trend eine Rolle.»

Nicht mehr als auslösen

Die Einfachheit, ein Foto zu machen, sei eine weitere Stärke, sagt Sophia Zimmermann vom Fachmagazin «c't Fotografie». «Die Kameras sind sehr einfach gehalten. Viel mehr als auslösen kann man oft nicht.» Es sei eine spielerische Art, seine Umwelt in einzigartigen Bildern festzuhalten und dann ein Foto-Unikat in der Hand zu halten.

Klarer Nachteil sind die vergleichsweise hohen Kosten. Sowohl in der Anschaffung als auch bezogen auf die Tatsache, dass misslungene Bilder nicht einfach gelöscht werden können, sondern zwangsläufig produziert werden müssen, sagt Khaledpour. «Letzteres zieht in punkto ökologischer Aspekt die Waagschale ebenfalls auf die Negativseite.»

Teurer geht es kaum

Jedes Sofortbild koste erheblich mehr als ein ausgedrucktes oder belichtetes digitales Foto, sagt Zimmermann. «Nur zum Vergleich: Einer der größten deutschen Druckdienstleister bietet Fotoabzüge derzeit ab etwa 10 Cent pro Stück an. Ein Sofortbild kostet pro Stück ab etwa 70 Cent.» Und das bei einer Qualität, die nicht annähernd mit Digitalkamera-Aufnahmen mithalten kann. Allerdings ist die Ästhetik des unperfekten Sofortbildes in den meisten Fällen sogar erwünscht.

Warum Sofortbild-Fotografie viele begeistert, erklärt sich Wadim Herdt folgendermaßen: «Man kann die Sofortbild-Fotografie als analogen Gegentrend zur Digitalisierung verstehen.» Außerdem halte der Fotograf gleich nach dem Auslösen etwas in den Händen, das er verschenken oder weiterreichen kann.

Ein halbes Dutzend Hersteller

«Ein Foto mit der Digitalkamera ist schnell gemacht und im Zweifelsfall genauso schnell vergessen», sagt Sophia Zimmermann. Das Sofortbild aber liege in den eigenen Händen. «Außerdem erlebt man hier die Entstehung live mit.»

Wer in die Sofortbild-Fotografie einsteigen möchte, benötigt nicht viel. «Man braucht neben dem Papier nur eine Sofortbild-Kamera,» erklärt Herdt. Auf dem Markt tummeln sich mehrere Hersteller wie Canon, Fujifilm, Leica, Polaroid oder Rollei. «Die Preise für die Kameras liegen zwischen 100 und 280 Euro», so der Experte.

Das Sofortbild kommt aus den USA

Es gebe die eher klassischen Modelle mit Objektiv und Blende, eventuell Sucher, und Papierhalter mit Walzen. Und dann gibt es modernere Hybrid-Kameras, die zusätzlich mit Monitor, Blitz, SD-Kartenslot und einem internen Speicher ausgestattet sind. «Bei Letzteren kann das Bild vor dem Druck betrachtet und bearbeitet oder bei Nichtgefallen gelöscht werden», sagt Herdt. Manches Modell kommuniziert gar mit dem Smartphone oder lässt sich per App steuern.

Als Erfinder der Sofortbild-Fotografie gilt der amerikanische Physiker und Industrielle Edwin H. Land (1901-1991), der 1947 die erste Sofortbildkamera präsentierte, sagt Pantea Khaledpour. «Es wird behauptet, dass seine Idee auf einer Frage seiner Tochter basierte, die wissen wollte, warum man so lange auf ein Foto warten muss und die Kamera nicht selbst das Bild ausgibt.»

Veröffentlicht am:
19. 09. 2019
15:58 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
19. 09. 2019
15:58 Uhr



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