Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

 

Die Geburtsstunde der Emojis - Eine Spurensuche

Smileys prägen unsere Kommunikation. Doch wann ging das los? Zum Welt-Emoji-Tag ein Blick auf die Anfänge der Symbole: Der ist aber gar nicht so einfach. Und er reicht unglaublich weit zurück.



Welt-Emoji-Tag
Aus mittlerweile über 3000 verschiedenen Emojis lässt sich für fast jeden Anlass das richtige Emoji finden.   Foto: Jörg Carstensen/dpa

Tränen lachen, Okay geben, Augen verschließen oder Flagge zeigen: Mehr als 3300 Emojis stehen heute für die digitale Kommunikation zur Auswahl. Mittlerweile gleicht das Sortiment allein zum Thema Essen bei Whatsapp und Co einem All-Inclusive-Buffet.

Am Anfang sah das noch ganz anders aus. Aber wo genau liegt der? Das New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) rühmt sich, die «originale» Kollektion der Emojis zu besitzen. Im Jahr 1999 entwirft Designer Shigetaka Kurita 176 Piktogramme für den japanischen Mobilfunkanbieter NTT Docomo - darunter Sternzeichen, Herzchen und Wetterphänomene.

Anfangs nur Augen und Mund

Die Gesichter mit ihren unverkennbaren Anleihen aus Manga-Comics bestehen damals nur aus Augen und Mund - ohne Kreis. Serviert werden kann nur ein Burger, im digitalen Zoo streunen allein zwei Katzen. Mit dabei sind seinerzeit aber schon die noch heute bekannten Pfeil-Symbole «Soon» und «End».

«Schlicht, elegant und prägnant», schreibt das MoMA über die Zeichen von je 12 mal 12 Pixeln. «Kuritas Emojis pflanzten die Samen für die Explosion einer neuen Bildsprache.» Das Wort «Emoji» stammt von den japanischen Schriftzeichen für «e» (Bild), «mon» (Ausdruck) und «ji» (Buchstabe).

Zunächst ist Kuritas Tableau nur in Fernost erhältlich. Erst mehr als ein Jahrzehnt später setzen die Piktogramme zum weltweiten Siegeszug an. 2010 erhalten die Emojis endgültig ihren Platz im Unicode, dem Standard für digitale Codierung. Zur Auswahl stehen dann schon Hunderte Zeichen. So landen sie auf den Handys von Apple und Google, auf Plattformen wie Facebook und Twitter - und vermehren sich seitdem rege weiter. Regelmäßig hebt oder senkt ein Unicode-Ausschuss den Daumen, wenn es um die Aufnahme neuer Symbole geht.

Auch wenn der Einfluss von Designer Kurita auf die heutigen Emojis nicht unterschätzt werden kann, liegt der Ursprung doch früher. Auf einer Entwicklerkonferenz 2016 erinnert Programmiererin Mariko Kosaka an den japanischen Telekommunikationskonzern Softbank. Dessen Pager hat bei seiner Veröffentlichung am 1. November 1997 bereits 90 Bildchen im Programm, darunter den legendären Kothaufen.

Geht man noch tiefer in die digitale Archäologie, trifft man auf die seitlich liegenden Smileys, die sich mit der herkömmlichen Tastatur darstellen lassen. «Ich schlage die folgende Zeichenfolge für Witz-Markierungen vor :-)», empfiehlt am 19. September 1982 Scott Fahlman aus Pittsburgh zur Vereinfachung der Kommunikation. «Das war ein bisschen albern», sagt der US-Professor später in einem Interview. «Es waren zehn Minuten meines Lebens.» Fahlman gilt vielen als Urvater der digitalen Smileys.

Nutzte Lincoln Emojis?

Doch schon viel früher lässt sich ein ;) finden - 1862 in der «New York Times». In einer Rede von Präsident Abraham Lincoln druckt die Zeitung ein «(applause and laughter ;)» als Reaktion des Publikums. Ein Tippfehler? Experten merken an, dass Zeitungstexte seinerzeit aus einzelnen Matrizen gesetzt wurden, Flüchtigkeit eigentlich auszuschließen sei. In diesem Zusammenhang untersuchten Historiker etwa, wie in der Mitte des 19. Jahrhunderts Semikolon und Freizeichen Verwendung finden. Ein übereinstimmendes Urteil, ob es sich im Licoln-Text wirklich um ein Zwinkern handelt, gibt es aber nicht.

Und jetzt noch ein großer Sprung in die Vergangenheit: Im türkischen Karkamis nahe der syrischen Grenze gruben italienische Forscher einen fast 4000 Jahre alten Tonkrug aus der Hethiter-Zeit aus. Darauf zu sehen: zwei Augen und ein gebogener Mund. Der Fund gilt als das bislang älteste Smiley. Wie der leitende Archäologe Nicolò Marchetti 2017 anmerkte, war das Gefäß für ein süßes Fruchtgetränk bestimmt.

Es zeigt sich: Emotionen werden seit Menschengedenken in Symbole übersetzt. Kuritas 176 Zeichen haben den wohl stärksten Fußabdruck in unserer digitalen Kommunikation hinterlassen. Heute gibt es kaum eine Gefühlslage, Mimik oder Gestik, die nicht dargestellt werden kann. Das Kalender-Emoji hat der Japaner damals noch nicht entworfen. Heutzutage ist auf dem Symbol der 17. Juli aufgeschlagen - auch bekannt als Welt-Emoji-Tag.

© dpa-infocom, dpa:200714-99-785065/4

Veröffentlicht am:
17. 07. 2020
04:38 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Abraham Lincoln Apple Archäologen Bildsprache Designerinnen und Designer Digitale Kommunikation Digitaltechnik Facebook Google Kommunikation Mobilfunkanbieter Museum of Modern Art Nippon Telegraph and Telephone Scott Fahlman Telekommunikationskonzerne Twitter Unicode Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Auswahl an Emojis

07.04.2020

Der richtige Umgang mit Emojis und Co

Ein Smiley hier, ein Herzchen da - in Chats und Nachrichten wimmelt es nur so von Emojis. Ihr Siegeszug ist kein Zufall, sagen Forscher. Doch Vorsicht: Mit den Bildchen liegt man manchmal total daneben. » mehr

Apple - iPhone

10.09.2020

Diese iPhone-Funktionen sind gut versteckt

Die Welt von iOS 13 birgt viele Geheimnisse. Warum es sich lohnt, einige der versteckten Funktionen auf iPhone und iPad zu entdecken. » mehr

App Pass2U

12.03.2020

Was Kundenkarten- und Tickets-Apps bringen

Die Geldbörse platzt beinahe, so viele Karten stecken darin. Dazwischen quetschen sich Tickets, Coupons und Co. Schlaue Apps fürs Smartphone wollen helfen, dieses Chaos zu beseitigen. » mehr

Tobias Dienlin

10.12.2019

Wenn der Sog sozialer Medien süchtig macht

Es blinkt und vibriert auf den Smartphones dieser Welt: Facebook, Whatsapp und Co. sind bei manchen in Dauernutzung. Doch wie viel Zeit auf Social Media ist normal - und wann wird es problematisch? » mehr

Smartphone entsorgen

25.08.2020

Unterwegs mit dem alten Smartphone

Viele wollen immer das neueste Smartphone. Das alte muss dann aber nicht versauern, sondern kann unterwegs noch gute Dienste für alles Mögliche und Unmögliche leisten - nur nicht als Parkscheibe. » mehr

Selfie-Kamera im  Google Pixel 4a

03.08.2020

Das Pixel 4a hat mehr Power - aber noch kein 5G

Mit seiner Pixel-Reihe zeigt Google jedes Jahr, wie ein ideales Android-Smartphone auszusehen hat. Zuletzt gab es aber Kritik wegen der Akku-Laufzeit. Das neue Pixel 4a hält nun wieder länger durch. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
17. 07. 2020
04:38 Uhr



^