Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

 

Neue Seilbahn zur Zugspitze kurz vor Fertigstellung

Es wird eine Seilbahn der Superlative. In zehn Wochen soll die Bahn mit gleich drei Weltrekorden loslegen. Bis zu 600 Gäste bringt sie stündlich auf Deutschlands höchsten Berg. Doch nicht jeder findet den erwarteten Zuwachs auf dem fast 3000 Meter hohen Gipfel gut.



Baustelle auf der Zugspitze
Die neue Seilbahn auf der Zugspitze geht in wenigen Wochen in Betrieb.   Foto: Angelika Warmuth/dpa

Noch ruht das High-Tech-Schaltpult für die Steuerung der neuen Seilbahn zur Zugspitze auf einem Biertisch. In zehn Wochen soll die Seilbahn der Superlative auf Deutschlands höchsten Berg feierlich eingeweiht werden.

Zwar hinken die Bauarbeiten wetterbedingt einige Wochen hinter dem ehrgeizigen Zeitplan her. «Aber die Bahn wird am 21. Dezember fahren», ist sich Betriebsleiter Martin Hurm sicher.

Vor wenigen Tagen wurde das letzte der vier Tragseile für die beiden Kabinen an der Bergstation eingezogen und gesichert. «Das war ein spannender Moment», sagt Chefmonteur Harald Raich von der Schweizer Seilbahnfirma Garaventa. 200 Meter pro Stunde war es in den Tagen zuvor mit Hilfe der Tragseile der alten Seilbahn nach oben gezogen worden. Die Talstation ist bis auf den Innenausbau fertig.

Jedes 4900 Meter lange Tragseil ist 72 Millimeter dick und wiegt 153 Tonnen. Es besteht aus 210 Drähten. Nun folgt der Einbau der beiden Zugseile. Sie sind mit 41 und 47 Millimetern Durchmesser sowie einem Gewicht von 30 und 39 Tonnen immer noch stattlich dick.

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und Schnee herrscht auf der Baustelle der Bergstation Hochbetrieb. Arbeiter schleppen in dicken Monturen und mit Schutzhelmen Bauteile aus Stahlblech heran, Deutschlands derzeit höchstgelegener Kran schafft Nachschub herbei. An Seilen gesicherte Monteure hantieren in schwindelerregender Höhe an einem Flaschenzug, der ein schier unentwirrbares Knäuel an Seilen Zentimeter um Zentimeter hinaufzieht. Bis zu 100 Arbeiter sind beschäftigt.

Bei der neuen Seilbahn ist Transparenz angesagt, Glas dominiert als Baustoff. Die beiden Kabinen sind bis zum Boden verglast. Davon ist noch nichts zu sehen. Die Gondeln stehen versteckt an der Talstation - in Folie eingewickelt und von einem Bauzaun umgeben. Sie werden nachts bewacht. Auch in Tal- und Bergstation wurde viel Glas verwendet. So bietet sich dem Gast beim Speisen im Gipfelrestaurant - Eröffnung dafür ist erst im Sommer 2018 - ein gigantischer Blick durch die voll verglaste Fassade.

550 000 Besucher besuchen schon jetzt jedes Jahr die Zugspitze. An schönen Tagen und in der Ferienzeit schieben sich die Gäste im Gedränge über die Aussichtsplattform, statt in Ruhe die Aussicht genießen zu können. Nach dem Neubau der Seilbahn hofft die Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn AG als Bauherrin auf bis zu 600 000 Gäste pro Jahr. Schließlich soll die Investition von 50 Millionen Euro abbezahlt werden. Alleinige Gesellschafterin sind die Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen, die wiederum dem Ort gehören.

Der erwartete Zuwachs an Gipfelbesuchern wird nicht nur positiv gesehen. Auch wenn der künftige Wirt des vom Deutschen Alpenverein betriebenen «Münchner Hauses» die Notwendigkeit des Seilbahn-Neubaus nicht anzweifelt, so runzelt er doch die Stirn. Toni Zwinger fragt sich, wie die vom Tourismus geprägte Region den Ansturm bewältigen soll. Das Probleme sieht er dabei mehr im Tal als auf dem Gipfel. Staus durch Oberau am Ende der Autobahn 95 aus München und in Garmisch-Partenkirchen selbst sind an der Tagesordnung. «Die beiden Tunnel zur Verkehrsentlastung der beiden Orte sind aber noch lange nicht fertig», sagt der 31-Jährige.

Die neue Seilbahn auf den 2962 Meter hohen Berg löst nach drei Jahren Bauzeit auf fast derselben Trasse die 1963 eröffnete Seilbahn ab. Auch sie war schon eine technische Meisterleistung, überwindet sie doch auf einer Länge von 4,5 Kilometern mit knapp 2000 Metern den weltweit größten Höhenunterschied einer Seilbahn.

Die neue wartet mit zwei weiteren Rekorden auf: Keine andere Seilbahn überwindet mit 3213 Metern Abstand von der einzigen Stütze bis zur Bergstation eine größere Entfernung. Und keine andere Pendelseilbahn hat eine Stahlstütze von 127 Metern Höhe. Zum Vergleich: Die Türme der Münchner Frauenkirche sind knapp 100 Meter hoch. Während die im Frühjahr stillgelegte alte Bahn maximal 240 Gäste pro Stunde befördern konnte, schafft die neue knapp 600 Gipfelstürmer. 45 Euro sind mit Beginn der Wintersaison am 18. November für das Zugspitze-Ticket zu berappen.

Veröffentlicht am:
13. 10. 2017
05:05 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeiter Bauherren Bauprojekte Baustoffe Bergbahnen Deutscher Alpenverein Frauenkirche Glas Gondeln Leiter von Werken und Betrieben Maschinen- und Geräteteile
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Richtfest für neue Dampflokwerkstatt

23.07.2020

Neue Dampflokwerkstatt mit Besuchergalerie

Sie sind ein Highlight für die Harztouristen und müssen regelmäßig gewartet werden: die Dampfloks der Schmalspurbahnen. Künftig sollen sie in einer neuen Werkstatt auf Vordermann gebracht werden. » mehr

Zugspitze

21.08.2020

200 Jahre Erstbesteigung der Zugspitze

Firmen nutzen die Kulisse für Präsentationen, Politiker wählen sie für Auftritte, Paare geben sich hier das Ja-Wort. Die Zugspitze hat als Deutschlands höchster Berg Symbolkraft. Vor 200 Jahren gelangte der erste Mensch ... » mehr

Alpiner Sommertraum

08.04.2019

So ausgefallen is(s)t Österreich

In der Luft schwebend essen und den Ausblick auf die Berge genießen: So ausgefallen kann Österreich sein. In den Alpen werden Frühstück und Dinner in fahrenden Gondeln serviert. Nur schwindelfrei sollte man sein. » mehr

Immer viel los

07.07.2020

90 Jahre Zahnradbahn zur Zugspitze

Bergbahnen bauen, die Natur erschließen: ja oder nein? Darüber wurde schon vor 100 Jahren gestritten, auch vor dem Bau der Zahnradbahn an der Zugspitze. Seit 90 Jahren ist Deutschlands höchster Berg ohne Muskelkraft erre... » mehr

Wandern als Corona-Gewinner

17.09.2020

Outdoor-Trend ungebrochen - Wandern als Corona-Gewinner

Während der Corona-Pandemie hat sich das Wandern in der diesjährigen Urlaubssaison als Krisengewinner entpuppt. » mehr

Wandern in der Allgäuer Alpen

10.08.2020

Bergwandern im Spätsommer und Herbst

Der Sommer ist vorbei und die Bergsaison zu Ende? Mitnichten. Zum Herbst hin wird es noch mal richtig schön. Wanderer sollten bei der Tourenplanung aber an ein paar Dinge denken. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
13. 10. 2017
05:05 Uhr



^