Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

 

Bahnkunden holen sich Millionen zurück

Zugreisende mussten 2018 eine Menge aushalten: Jeder vierte Fernzug der DB kam zu spät. Das kostet das Staatsunternehmen Millionen. Denn immer mehr Reisende nehmen ihre Rechte wahr.



Verspätungen bei der Deutschen Bahn
Im Jahr 2018 ließen sich Bahn-Kunden 53,6 Millionen Euro erstatten. Im Vorjahr waren es noch 34,6 Millionen Euro.   Foto: Jens Wolf

Ein paar Minuten können schon zu viel sein: Kommt der ICE zu spät, ist der Anschlusszug weg, und man wartet eine Stunde oder mehr auf dem Bahnsteig. Wegen solcher Ärgernisse muss die Bahn ihren Kunden immer höhere Entschädigungen zahlen.

Im vergangenen Jahr waren es im Nah- und Fernverkehr insgesamt 53,6 Millionen Euro, wie eine Bahn-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur sagte. Im Vorjahr ließen sich Bahn-Kunden 34,6 Millionen Euro erstatten.

Immer mehr Reisende nehmen ihre Rechte wahr: 2,7 Millionen füllten im vergangenen Jahr das Fahrgastrechte-Formular aus, 50 Prozent mehr als 2017. Auch die durchschnittliche Entschädigungssumme steigt: Knapp 20 Euro waren es 2018, im Vorjahr noch gut 19 Euro.

Zahlreiche Eisenbahn-Unternehmen sind am Entschädigungssystem beteiligt, nicht nur die Deutsche Bahn. Der weitaus größte Teil der Summe betrifft aber üblicherweise den Fernverkehr, den fährt fast nur der Staatskonzern.

Jeder vierte Fernzug kam 2018 zu spät. Die Bahn verwies auf viele externe Einflüsse: Stürme, Starkregen, Blitzeinschläge und Trockenheit bremsten die Züge aus. Hinzu kam eine Streckensperrung nach dem Brand in einem ICE und ein Warnstreik im Dezember.

Bei der Entschädigung gilt: Kommt der Reisende mindestens eine Stunde zu spät, erhält er auf Antrag ein Viertel des Fahrpreises zurück. Ab zwei Stunden ist es die Hälfte.

Das gilt seit dem Sommer 2009. Seither steigt die Zahl der Anträge. Von Juli 2009 bis Juni 2010 hatte sich noch 800.000 Fahrgäste an das Servicecenter Fahrgastrechte gewandt. Die meisten Eisenbahn-Unternehmen sind daran beteiligt. Kunden müssen meist nur einmal das zweiseitige Formular abschicken, auch wenn sie mit mehreren Zugbetreibern unterwegs waren.

Künftig können sich geschädigte Kunden vielleicht noch mehr Geld zurückholen. Das EU-Parlament fordert, dass schon ab einer Stunde die Hälfte des Fahrkartenpreises fällig wird, ab eineinhalb Stunden dann drei Viertel. Bei mehr als zwei Stunden soll nach dem Willen der EU-Parlamentarier der volle Preis erstattet werden.

Verbraucherschützer fordern seit Jahren eine Möglichkeit für Kunden, ihre Rechte auch online geltend zu machen. «Dass Geschädigte das Fahrgastrechte-Formular ausdrucken und per Briefpost zusenden müssen, ist nicht mehr zeitgemäß, sondern geradezu antiquiert», sagte Verkehrsexpertin Marion Jungbluth dem «Handelsblatt». Sie vermutet, dass die Kunden dann deutlich häufiger ihr Geld zurückfordern würden.

Nicht nur die Kunden verlangen Geld zurück, wenn die Bahn unpünktlich ist. Im Regionalverkehr kürzen die Besteller die vereinbarten Zahlungen, wenn die Unternehmen dem Fahrplan hinterher fahren. Allein der Deutschen Bahn entgehen so Jahr für Jahr mehr als 200 Millionen Euro. Sie hat im Regionalverkehr etwa 70 Prozent Marktanteil.

Die Entschädigungen schmälern damit den Gewinn, der 2017 bei einem Umsatz von 42,7 Milliarden Euro noch bei 765 Millionen Euro lag; Zahlen für 2018 werden im März veröffentlicht. Zur Einordnung: Ein neuer ICE kostet knapp 40 Millionen Euro.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
18. 02. 2019
15:17 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bahnkunden Deutsche Bahn AG Deutsche Presseagentur ICE Kunden Millionen Euro Rechte Regionalverkehr Reisende Staatsunternehmen Zugverspätungen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Neue Sitze für den ICE 4

23.10.2019

Die Deutsche Bahn kündigt mehr Komfort an

Die Deutsche Bahn kündigt mehr Komfort an. Das gilt zum Beispiel für die Sitze. In den neueren ICE-Zügen werden sie ausgetauscht. Bahnreisende sollen es aber auch bei der Reiseplanung künftig bequemer haben. » mehr

ICE Strecke Hannover - Göttingen

23.05.2019

ICE zwischen Hannover und Göttingen braucht länger

Die Bahn hat mit dem Ruf zu kämpfen, oft unpünktlich zu sein. Auf der ICE-Strecke zwischen Hannover und Göttingen sind die Verspätungen nun Teil des Plans. Dort wird ab Juni umfangreich gebaut. » mehr

Verspätungen und Zugausfälle

18.09.2019

Bahn bietet nach Sturm Erstattung an

Ein Sturm hat in Norddeutschland erhebliche Störungen an Bahnstrecken verursacht. Wie viel Geld Bahnkunden zurückbekommen, hängt vom Ausmaß ihrer Verspätung ab. » mehr

Verspätung bei der Bahn

04.12.2018

Bahnkunden wollen bei Verspätung schneller Geld sehen

Bei der Pünktlichkeit bleibt die Bahn im Fernverkehr deutlich hinter ihren Zielen zurück. Die Kunden stellen ihr nach einer Umfrage ein mittelmäßiges Zeugnis aus. Es gibt aber auch Lichtblicke. » mehr

Regionalzug

15.04.2019

DB-Regionalzüge sind in Hamburg am pünktlichsten

Wer ICE fährt, muss mitunter lange am Bahnsteig warten. Jeder vierte Fernzug kam vergangenes Jahr zu spät. Regionalzüge dagegen sind relativ pünktlich - aber nicht überall gleich. » mehr

Reisen mit dem Zug

01.01.2019

Tipps für den Kauf von Bahntickets

Sparpreis, Super-Sparpreis oder kein ICE: Wer beim Kauf von Bahntickets sparen will, kann ein paar Tricks beherzigen. Manchmal lohnt sich auch ein Blick in die Erste Klasse. » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
18. 02. 2019
15:17 Uhr



^