Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

 

Große Mengen Plastikpartikel in US-Nationalparks entdeckt

Mehrfach schon wurde an entlegenen Orten fernab von Städten Mikroplastik nachgewiesen - auf Berggipfeln etwa und in der Arktis. Nun haben Forscher in Naturschutzgebieten Ausschau gehalten - mit erschreckendem Ergebnis.



Mikroplastik in US-Nationalparks
Forscher haben in US-Nationalparks wie dem Grand Canyon große Mengen an Mikroplastik gefunden.   Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

In Nationalparks und Naturschutzgebieten im Westen der USA wie Grand Canyon, Rocky Mountain und Joshua Tree haben Forscher deutlich mehr Mikroplastik entdeckt als zuvor vermutet.

Mehr als 1000 Tonnen solcher Partikel setzten sich schätzungsweise jedes Jahr allein dort ab, berichten die Wissenschaftler um Janice Brahney von der Utah State University im Fachmagazin «Science» . Das entspreche etwa 123 Millionen Plastikwasserflaschen.

Forscher sind über das Ausmaß der Verschmutzung schockiert

«Wir waren schockiert von den geschätzten Absetzungsraten und haben immer wieder versucht herauszufinden, wo wir uns verrechnet hatten», sagte Brahney. Alle Überprüfungen hätten die Schätzungen aber bestätigt. Auf die Gesamtfläche der Gebiete von 496.350 Quadratkilometern gerechnet bedeute das im Mittel 132 eingetragene Partikel pro Quadratmeter am Tag. Als Mikroplastik gelten Teilchen mit einem Durchmesser unter fünf Millimetern. Solche winzigen Partikel wurden unter anderem bereits in Schnee, Lebensmitteln und Trinkwasser nachgewiesen.

Alleine in den USA verursache jeder der rund 330 Millionen Einwohner jeden Tag rund 340 Gramm Plastikmüll, schreiben die Wissenschaftler. Dieser landet teilweise in der Natur und zerfällt dort langsam in immer kleinere Bestandteile. Die Mikroplastik-Partikel gelangen in Flüsse und Seen, das Meer, die Böden und auch die Atmosphäre. Brahney und ihr Team hatten über 14 Monate an Stellen in Nationalparks und Naturschutzgebieten im Westen der USA regelmäßig Proben gesammelt und die Herkunft und Zusammensetzung der Partikel untersucht.

Mikroplastik wird über die Atmosphäre transportiert

Sie stammen demnach ursprünglich aus Städten oder besiedelten Gebieten und wurden etwa über Gewässer weiterverteilt. Ein Teil der Partikel sei über die Atmosphäre etwa bei Regen eingetragen worden - sie seien so klein, dass sie selbst über Kontinente hinweg transportiert würden. Das meiste Mikroplastik ging auf Kleidungsstücke und Industriematerialien zurück. Ein Drittel stamme wahrscheinlich von Industriefarben und Glasuren, so die Forscher. Weil weiße und durchsichtige Partikel gar nicht gezählt worden seien, könnten die Schätzwerte sogar noch unter den tatsächlich eingetragenen Mengen liegen.

Leider sei es keine Überraschung, dass auch in entlegenen und geschützten Orten wie US-Nationalparks Plastikpartikel zu finden seien, kommentierte Bernhard Bauske, Experte für Plastikmüll beim WWF Deutschland, die Analyse. Mikroplastik sei überall: «Es belastet die Luft, die wir atmen, unsere Nahrung und das Wasser, das wir trinken.» Auch in Deutschland sei Plastikverschmutzung ein großes Problem: 330.000 Tonnen Mikroplastik gelangten hierzulande jedes Jahr in die Umwelt.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 06. 2020
12:17 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arktis Gewässer Kontinente Mikroplastik Nationalparks Natur Naturschutzgebiete Plastikmüll Seen Wissenschaftsmagazin Science World Wide Fund For Nature
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Wildcampen mit Zelt

05.06.2020

Wie ist die Rechtslage beim Wildcampen?

Skandinavien ist ein Paradies für Draußen-Urlaub: Dort kann man fast überall in der Natur sein Zelt aufschlagen. In Deutschland dagegen ist Wildcampen meist verboten. Doch es gibt Alternativen. » mehr

Sternekoch Cliff Hämmerle

01.04.2020

Barock und Bio im Bliesgau

Im saarländischen Bliesgau sollen Mensch und Natur in Einklang leben. Floßbauer, Ölmüller, Käsemacher und ein Sternekoch locken in das kleine Biosphärenreservat an der französischen Grenze. » mehr

Blaualgenwarnung

11.08.2020

Gewässer im Norden durch giftige Blaualgen belastet

Bei der Hitze der vergangenen Tage lockt der Sprung in kühle Seen. Dort können sich bei Wärme allerdings auch Blaualgen ausbreiten - und zur Gefahr für die Badenden werden. » mehr

Roter amerikanischer Sumpfkrebs

07.08.2020

Tierische Begegnungen in Badeseen

Fischattacken sind in Badeseen ungefähr so wahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto. Aber zu harmlosen Begegnungen mit den Tieren kommt es immer wieder. Auf welche Tiere können Badende beispielsweise in Bayern treffen? » mehr

Urlaub im Bayerischen Wald

13.08.2020

Der Bayerische Wald wird 50

Der Bayerische Wald war schon totgesagt - nun feiert Deutschlands erster Nationalpark seinen 50. Geburtstag. Eine Erfolgsgeschichte, die Urlauber und Naturliebhaber erfreut. » mehr

Von der Eiszeit geformt

24.06.2020

Sieben Glücksorte in Schleswig-Holstein

Die Menschen im Norden Deutschlands sollen besonders glücklich sein. Und auswärtige Besucher haben alle Gelegenheit dazu: Sieben Urlaubsorte, die gute Laune machen. » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 06. 2020
12:17 Uhr



^