Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

 

Pauschalreise oder Individualreise buchen?

Wer bringt mich im Ernstfall nach Hause? An wen kann ich mich wenden, wenn im Urlaub etwas schief läuft? Nicht nur, aber gerade wegen Corona sind das wichtige Fragen. Es kommt auf die Reiseform an.



Urlaub ist wieder möglich
Die Corona-Pandemie ist noch nicht vorbei - daher ist das Reisen in diesem Jahr mit größeren Risiken behaftet als sonst.   Foto: Roland Weihrauch/dpa/dpa-tmn

Flugausfälle, Quarantäne-Risiko, ein möglicher neuer Lockdown am Reiseziel: Der Urlaub findet in diesem Sommer unter erschwerten Bedingungen statt. Wie abgesichert Touristen im Ernstfall sind, darüber entscheidet auch die Reiseform.

Urlaub mit Rückhol-Garantie

«Mit einer Pauschalreise ist man in der Regel besser abgesichert», sagt Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Besonders wichtig: Im Krisenfall ist der Reiseveranstalter dazu verpflichtet, den Gast wieder nach Deutschland zu bringen - und zwar auf eigene Kosten. Der Urlauber zahlt dafür nichts extra.

In der Vergangenheit holten Veranstalter ihre Pauschalgäste mehrfach etwa bei politischen Unruhen zurück nach Deutschland - beispielsweise aus Ägypten beim Ausbruch der Revolution 2011. Auch in der Corona-Pandemie werben nun einige Veranstalter mit dem «Rückhol-Versprechen» - was schlicht durch das Pauschalreiserecht vorgeschrieben ist.

Wer dagegen individuell bucht, kann festsitzen, wenn die Fluggesellschaft wegen außergewöhnlicher Umstände ihre Flüge streicht. Ersatzflüge müssen Reisende dann oft aus eigener Tasche zahlen. «Der Veranstalter muss hier für meinen Rücktransport sorgen», betont Rehberg. Individualreisende haben im Zweifel Pech: «Es kann sein, dass mich die Airline im Regen stehen lässt.»

Lufthansa etwa hatte angesichts von Corona nun allerdings angekündigt, Passagiere garantiert zurückzuholen, etwa wenn am Zielort das Virus erneut ausbricht und Quarantäne droht. Wie das in der Praxis funktionieren kann, muss sich aber erst zeigen.

Umbuchung bei Airline-Pleite

Ein weiterer Vorteil der Pauschalreise: Geht die Fluggesellschaft plötzlich pleite, kümmert sich der Veranstalter um eine alternative Beförderung ohne Aufpreis für den Urlauber. Das war zum Beispiel bei der Insolvenz von Air Berlin der Fall, als zig Tausende Passagiere plötzlich festsaßen. Wer sein Flugticket bei der Airline direkt gebucht hatte, dessen Geld war verloren.

Insolvenzabsicherung

Bei einer Pauschalreise ist der Urlauber gegen die Insolvenz des Anbieters abgesichert, das garantiert ihm der Sicherungsschein. In der Vergangenheit versagte dieses System allerdings: Als Thomas Cook pleite ging, reichte die Absicherungssumme von 110 Millionen Euro nicht aus. Der Staat musste einspringen und damit der Steuerzahler.

Das soll nicht noch einmal passieren: Die Bundesregierung will Reisende bei Insolvenzen künftig mit einem Fonds absichern. Nur Veranstalter, die in diesen gemeinsamen Topf einzahlen, sollen künftig noch Pauschalreisen anbieten.

Geld zurück bei Reisemängeln

Außerdem können Pauschalurlauber Reisemängel geltend machen und sich einen Teil des Geldes zurückholen, wenn versprochene Leistungen nicht erbracht werden. Beispiel: Das Hotel hat doch keinen Pool oder keine Kinderbetreuung. Oder Baulärm macht die Erholung unmöglich. Hier ist der Reiseleiter des Veranstalters vor Ort erster Ansprechpartner.

Wenn das Problem nicht gelöst wird, kann ein deutscher Veranstalter vor einem deutschen Gericht verklagt werden. «Als Individualreisender muss ich mich direkt mit dem Hotel auseinandersetzen», sagt Rehberg - was an einem spanischen, griechischen oder italienischen Urlaubsort durchaus schwierig werden kann.

Erstattungen: Licht und Schatten

Wenn der Veranstalter eine Reise absagen muss, wie es in diesem Jahr tausendfach geschah, muss er das Geld zurückzahlen. Das passierte in vielen Fällen allerdings zunächst gar nicht oder sehr zögerlich, wie Verbraucherschützer beklagten. Viele Airlines waren jedoch nicht besser: Auch sie müssen den Ticketpreis erstatten, wenn sie einen Flug nicht durchführen können - doch viele Passagiere warten noch immer darauf, das Geld für abgesagte Flüge zurückzubekommen.

© dpa-infocom, dpa:200707-99-701036/2

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
07. 07. 2020
11:02 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Air-Berlin Bereich Hotels Deutsche Lufthansa AG Flugausfälle Flugtickets Individualreisen Individualreisende Passagiere und Fahrgäste Pauschalreisen Reiseleiter Reiseveranstalter Thomas Cook AG Urlauber
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Tourismusbranche

16.09.2020

Krise von «epischen Dimensionen» im Tourismus

Das Katastrophenjahr 2020 hat die Reisebranche nahezu abgeschrieben. Jetzt geht es ums Überleben in der Corona-Krise und das kommende Jahr. Welche Chancen haben Reisebüros und Veranstalter noch? » mehr

Heiko Maas

29.04.2020

Was heißt die verlängerte Reisewarnung für meinen Urlaub?

Kein Kanaren-Urlaub im Mai, kein Tirol Anfang Juni: Die weltweite Reisewarnung der Bundesregierung gilt nun bis 14. Juni. Wer in den kommenden Wochen los wollte, hat jetzt immerhin Rechtssicherheit. » mehr

Frau mit Tablet

24.10.2019

Tui: Ruf der Pauschalreise hat nicht gelitten

Die Thomas-Cook-Pleite war ein Schock. Urlauber fragen sich: Wie sicher ist die Pauschalreise? Und was passiert mit den Hotels des Veranstalters? Darüber spricht der Tui-Deutschland-Chef im Interview. » mehr

Koffer packen für den Urlaub

25.08.2020

Veranstalter zeigen sich bei Umbuchungen kulant

Es dürfte eine Mischung aus Vorfreude und Sorge sein: Wer jetzt einen Urlaub bucht, fragt sich, ob dieser dann in einigen Wochen oder Monaten auch stattfinden kann. Die Reiseveranstalter reagieren. » mehr

Paul Degott

31.12.2019

Wie sicher ist die Pauschalreise?

Die Thomas-Cook-Pleite war ein Schlag ins Gesicht vieler Urlauber: Die Reise abgesagt, das Geld erstmal weg. Dabei galten Pauschalreisen stets als sicher. Stimmt das noch zum Start ins Reisejahr 2020? » mehr

Klaus Müller, Chef des Verbraucherzentrale

31.08.2020

Verbraucherschützer fordern Ende der Vorkasse bei Reisen

Meist ist das Urlaubsgeld noch gar nicht auf dem Konto, da wollen Reiseveranstalter schon eine Anzahlung sehen. Verbraucherschützer finden die Vorkasse veraltet. Zu häufig gab es zuletzt Insolvenzen. » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
07. 07. 2020
11:02 Uhr



^