Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: CoronavirusVideosCotubeBlitzerwarner

 

Was Katalogpreise wirklich aussagen

«Die Türkei wird fünf Prozent günstiger»: Vor jeder neuen Saison kommunizieren die Reiseveranstalter prozentuale Preisentwicklungen für die jeweiligen Urlaubsländer. Doch was bringt das dem Kunden?



Genauer Blick in die Kataloge
Ein genauer Blick in die Kataloge ist unabdingbar, wenn man den Reisepreis für sich ermitteln will. Angaben wie «Türkei fünf Prozent billiger» sagen für den einzelnen Kunden dagegen wenig aus. Foto: Jens Kalaene  

Spanien drei Prozent teurer, Türkei fünf Prozent günstiger: Wenn die großen Reiseveranstalter ihre Kataloge für die kommende Saison vorstellen, sind oft Einschätzungen wie diese zu hören. In dem einen Land wird Urlaub billiger, im anderen kostet er mehr.

Das ist die Botschaft, die letztlich beim Kunden ankommt. Doch solche Preisentwicklungen sind wenig aussagekräftig und können, wenn man sie missversteht, sogar zu regelrechter Entrüstung führen. Beispiel: Warum ist das Lieblingshotel auf Gran Canaria plötzlich 20 Prozent teurer, wo der Veranstalter doch bloß eine Preissteigerung von 3 Prozent für die Kanaren verkündet hat?

«Es handelt sich mehr um einen ungefähren Wert», sagt Ralph Schiller, Geschäftsführer beim Veranstalter FTI. Bei Erscheinen der Kataloge werden die durchschnittlichen Reisepreise ermittelt und mit den Preisen zum entsprechenden Stichtag ein Jahr zuvor verglichen. Tui-Produktchef Stefan Baumert bestätigt: «Wir vergleichen bei den Katalogpreisen die Startpreise am Anfang der Saison mit den Startpreisen am Anfang der vergangenen Saison.»

Baumert stellt aber klar: «Kein Kunde bucht zu Durchschnittspreisen. Man muss das mit einem Warenkorb vergleichen, wie bei der Ermittlung der Inflation», sagt der Manager. «Verschiedene Faktoren fließen ein, und die Kalkulationssysteme spucken am Ende einen Preis aus.» Beim einzelnen Urlaub komme es immer auf Reisetermin, Hotel und Zimmerkategorie an, erklärt Baumert.

Generell wirken teils sehr gegenläufige Entwicklungen auf die Preise ein. So können höhere Treibstoffkosten die Flüge verteuern, während die Hotels wegen geringerer Nachfrage die Preise senken. Oder ein Land führt eine Steuer auf alkoholische Getränke ein, wodurch die Preise in den Hotels steigen - während Flugpreise sinken.

Der Durchschnittspreis sei für den Urlauber irrelevant, sagt Prof. Torsten Kirstges von der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven. Der Tourismusforscher verweist zudem auf die sogenannten X-Produkte, bei denen die Veranstalter Flüge und Hotels zu tagesaktuellen Preisen zu Pauschalreisen kombinieren. Diese Preise entstehen jeden Tag neu und können daher bei der Angabe eines Durchschnittswerts zu Saisonbeginn nicht berücksichtigt werden. Und dann sind da noch geänderte Zeiten für Ferien und Feiertage, die das Vergleichen von Kalenderwochen erschweren.

Da stellt sich die Frage: Warum kommunizieren die Veranstalter die Katalogpreise öffentlichkeitswirksam, wenn diese kaum Aussagekraft haben? Für den Urlauber lässt sich daraus immerhin eine grobe Tendenz ablesen, nach dem Motto: In die Türkei komme ich günstiger als nach Spanien. Das war es aber auch schon. «Die Preisangaben sind nur eine grobe Richtlinie», sagt Tui-Mann Baumert. «Der einzelne Urlauber muss immer genau suchen und sein Budget prüfen.»

«Griechenland zwei Prozent günstiger!» - für Prof. Kirstges sind solche «marktschreierischen» Aussagen vor allem eines: Werbung. «Es gab Zeiten, da wurde jedes Jahr mit «Günstiger»-Aussagen geworben. Eigentlich hätte man die Reisen nach ein paar Jahren fast umsonst bekommen müssen.» Die Signalwirkung zähle. Beim Urlauber soll hängenbleiben: Bei Veranstalter X ist Urlaub günstig zu haben.

Veröffentlicht am:
14. 03. 2017
04:45 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Hotels Reiseveranstalter Urlauber Urlaubsländer
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Flugzeug im Sonnenuntergang

27.08.2019

Wie nachhaltig ist das Angebot großer Reiseveranstalter?

Reisen und Umweltschutz passen oft nicht gut zusammen. Jetzt reagieren auch die Veranstalter: Sie sind auf vielfältigen Wegen um Nachhaltigkeit bemüht. Doch das Engagement hat Grenzen. » mehr

Tourismusexperte Prof. Torsten Kirstges

30.04.2020

Tourismusexperte: Betten in Deutschland werden nicht reichen

Kein Mallorca, kein Tunesien, erst recht keine Fernreisen: Im Sommer wird womöglich nur Urlaub in Deutschland möglich sein. Aber würde das überhaupt für die Masse funktionieren? Ein Experte ist skeptisch. » mehr

Coronavirus in Italien

03.03.2020

Wohin kann ich überhaupt noch reisen?

Die Menschen gehen auf Reisen - und mit ihnen das neuartige Coronavirus, das sich in immer mehr Ländern ausbreitet. Da stellt sich die Frage: Wo kann ich in diesem Jahr überhaupt Urlaub machen? » mehr

Reisen und Klimaschutz

18.02.2020

Die Themen der Reisemesse ITB

Die Reisemesse ITB in Berlin feiert die schöne Welt des Urlaubs - was nicht immer gelingt. In diesem Jahr dämpft die Angst vor dem Coronavirus die Reiselust. Und dann ist da noch der Klimawandel. » mehr

Tourismusland Australien

10.01.2020

Down Under baut trotz Feuers auf Tourismus

Verbrannte Erde und Menschen auf der Flucht: Die aktuellen Bilder aus Australien taugen nicht so Recht als Werbung für ein Urlaubsziel. Kommen die Touristen dennoch? » mehr

Paul Degott

31.12.2019

Wie sicher ist die Pauschalreise?

Die Thomas-Cook-Pleite war ein Schlag ins Gesicht vieler Urlauber: Die Reise abgesagt, das Geld erstmal weg. Dabei galten Pauschalreisen stets als sicher. Stimmt das noch zum Start ins Reisejahr 2020? » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
14. 03. 2017
04:45 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.