Lade Login-Box.
Topthemen: Coronavirus in BayernDie Videos der WocheDer BachelorCotubeBlitzerwarner

 

Bedrohtes Atlantis - Rettung für Ruinen im Edersee

Die Ruinen im hessischen Edersee locken an manchen Wochenenden Zehntausende Besucher an. Doch die Natur hat den Überresten alter Dörfer zugesetzt. Wie geht es mit dem Edersee-Atlantis weiter?



Aufgegebene Dörfer im Edersee
Die Ruinen aufgegebener Dörfer im nordhessischen Edersee tauchen bei niedrigem Wasserstand wieder auf.   Foto: Swen Pförtner/dpa

Das mythenumrankte Inselreich Atlantis wurde berühmt, weil es unterging. Das Atlantis im nordhessischen Edersee ist dagegen bekannt, weil es auftaucht.

Die Ruinen aufgegebener Dörfer haben sich zu einer Touristenattraktion entwickelt. Gerade sind sie wieder zu sehen. Doch dieses Atlantis ist bedroht: Wasser und Sonne setzen den Mauerresten zu. Die Anwohner des Edersees versuchen auf unterschiedlichen Wegen, die Dorfstellen zu erhalten.

700 000 Übernachtungen und drei bis vier Millionen Tagesgäste registriert man jährlich am Edersee. Die meisten kommen wegen des Wassers. Die Pegelstände sind ein Politikum: Der Edersee soll die Weser-Schifffahrt sichern. Doch das Ablassen des Wassers ist ein Nachtteil für den Wassersport. Touristiker und Gemeinden der Ferienregion hätten daher lieber einen vollen See. «Unsere Marke ist der Edersee», sagt Claus Günther, Geschäftsführer der örtlichen Touristic GmbH.

Doch wenn im Sommer die Pegel sinken, tauchen die Ruinen der alten Dörfer Berich, Asel und Bringhausen auf. Sie mussten nach dem Bau der Staumauer 1912 aufgegeben und verlegt werden. Die Dörfer sind eine Attraktion, die für den See vielleicht immer wichtiger wird: «Wenn sich die Klimasituation vor Ort mit wenig Niederschlägen so weiterentwickelt, müssen wir uns Gedanken machen, wie wir mit dem Thema umgehen», sagt Günther.

Die Überreste sind unterschiedlich gut erhalten. Die alte Brücke bei Asel ist in hervorragendem Zustand und das Wahrzeichen des Edersee-Atlantis. Östlicher in Bringhausen erinnern nur alte Gräber an die Bewohner. Eine Sonderstellung nimmt Berich ein. Hier versucht seit 2012 ein Förderverein, das Rad der Zeit zurückzudrehen.

«Wir haben uns vorgenommen, die Grundmauern Stück für Stück wieder aufzubauen», sagt der zweite Vorsitzende Uwe Neuschäfer. Während alte Stützmauern ein paar Meter weiter kaum noch zu retten sind, hat der Förderverein zum Erhalt der Dorfstelle Berich die Konturen von vier Gebäuden einen halben Meter hoch aufgemauert. Möglich sei das nur, weil dort eine Tauchzone sei.

Denn grundsätzlich gilt: Die Funktion als Stausee gehe vor, erklärt das zuständige Wasser- und Schifffahrtsamt in Hann. Münden. Das Amt vertritt den Bund, dem der Grund des Sees gehört. Und dort sieht man vor allem die Sicherung der Schifffahrt als Aufgabe - und nicht die Rettung alter Ruinen.

Dabei sind es auch die Finanzen, die die Möglichkeiten der Ruinenretter einschränken: Der kleine Förderverein zehrte von einer EU-Förderung. Bald sei die aufgebraucht. «Dann können wir nur noch so viel machen, wie wir Geld bekommen», sagt Neuschäfer.

Einen ganz anderen Ansatz hat man in der Gemeinde Edertal. Eine Archäologiegruppe dort will die Dorfstelle Bringhausen virtuell auferstehen lassen. Geplant sind kleine Boxen auf dem Seeboden, die man mit Handy oder Tablet abwandert. Dank spezieller App könnten dann Bilder, Filme und Texte über die alten Gebäude auftauchen. Momentan suche man noch Geldgeber, sagt Heinz Hilberg, der die Idee mitentwickelt. Deshalb soll es im Herbst erstmal analog losgehen. Durchsichtige Infotafeln sollen den alten Ort sichtbar machen.

Die Ruinen, die bisher in den Sommermonaten eine Attraktion waren, könnten künftig auch im Winter eine größere Rolle spielen. Durch den Wassermangel gab es Anfang des Jahres einen selten Anblick: Schnee auf den Ederseeruinen.

Veröffentlicht am:
11. 07. 2017
10:05 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Edersee Fördervereine Niederschlag Rettung Touristenattraktionen Wasser Wasserknappheit Wassersport
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Seelöwen in San Francisco

17.01.2020

Seelöwen begeistern seit 30 Jahren Gäste in San Francisco

Das laute Bellen hört man schon von Weitem, dann der Gestank: Die Seelöwen am Pier 39 locken jedes Jahr Millionen Schaulustige an, nun schon seit 30 Jahren. Das Jubiläum wird groß gefeiert. » mehr

In Mato Grosso

22.08.2019

Brände zerstören Brasiliens grüne Lunge

Tausende Feuer im Amazonasgebiet, schwarzer Regen in São Paulo: In Brasilien brennt es so heftig wie seit Jahren nicht. Farmer roden Waldflächen, wegen der Dürre greifen die Brände auf immer neue Areale über. » mehr

Jagalchi Market

21.02.2019

Teeplantagen und Teletubbie-Gräber im südlichen Südkorea

Schillernd bunte Markthallen und sattgrüne Teeplantagen, lautstarke Popmusik und leise Töne zwischen alten Gemäuern, Straßen voller Gedränge und Einsamkeit auf bergigen Pfaden: Ein Besuch im Süden Südkoreas ist eine Hera... » mehr

Überschwemmungen in Venedig

17.11.2019

Die Gefahr für Venedigs Kulturschätze

Venedig ist nicht nur der Markusdom. Venedig ist ein Gesamtkunstwerk. Unzählige Kunstschätze sind in den Fluten zerstört worden. Aber die Ideen, das einzigartige Kulturerbe zu schützen, sind bestenfalls schwammig. » mehr

Mit Blick aufs Meer

28.10.2019

Australiens legendäre Ocean Pools werden 200 Jahre alt

Mit jedem Tag, an dem es in Deutschland kälter wird, rückt in Australien der Sommer näher. Zeit für die berühmten Ocean Pools. Ein großer Vorteil der Meerwasserbecken direkt am Strand: keine Haie. Wobei... » mehr

Holger Baldus

13.08.2018

Einheimischer Alltag als Touristenattraktion

Mit Bus von Kirche zu Kirche, von Tempel zu Aussichtspunkt? Vielen Reisenden reicht das nicht mehr. Sie wollen mit den Einheimischen in Kontakt kommen. Reiseveranstalter bieten entsprechende Programme. Ist es mit dem kla... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
11. 07. 2017
10:05 Uhr



^