Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: CoronavirusVideosCotubeBlitzerwarner

 

Die Grotta Gigante bei Triest

Tropfsteinhöhlen gibt es viele in Deutschland. Warum dann eine in Italien besuchen? Weil im Karstgebirge bei Triest die größte Schauhöhle der Welt liegt. In der Grotta Gigante verstummt sogar eine italienische Schulklasse.



In der Grotta Gigante
Besucher in der Grotta Gigante: 2017 kamen etwas mehr als 100.000 Besucher - ein Rekord.   Foto: Archivio Grotta Gigante » zu den Bildern

Viel Werbung gibt es nicht für eine der größten Höhlen der Welt. In den Bergen rund 20 Minuten von Triest entfernt, in der Nähe des Ortes Sgonico, verrät ein kleines Straßenschild, wohin man laufen muss, wenn man die Grotta Gigante besichtigen will.

Und von der Höhle ist auch nichts zu sehen. Sie liegt ja unter der Erde. Das Volumen der großen Halle in der Grotte beträgt 600.000 Kubikmeter, 107 Meter misst sie am höchsten Punkt, 65 Meter ist sie breit, 130 Meter lang: Damit hat es die Grotta Gigante 1995 als größte Schauhöhle der Welt ins «Guiness-Buch der Rekorde» geschafft. Dabei gibt es größere Höhlen. Aber von denen, die Touristen ansehen können, sind alle kleiner. Wirklich vorstellen kann man sich die Ausmaße nicht. Dafür muss man hinab.

Der Eingang zur Grotte sieht nach Museum aus, und tatsächlich folgt nach der Kasse zunächst ein zweistöckiger Raum, in dem die Geschichte der Grotte erklärt wird. «Keine Fotos während des Abstiegs machen!», mahnt Führerin Federica Papi. Die Treppen sind steil. Wer aufs Kameradisplay schaut, kann ausrutschen.

Die Gruppe hört auf Papi. Ohnehin sind alle merkwürdig still beim Eintritt in die Höhle, in der es ein wenig wie in Omas Kartoffelkeller riecht. Selbst die italienische Schulklasse verstummt, als hätte sie das Tor zu einer fremden Welt betreten, von der nicht ganz klar ist, wie man sich in ihr verhalten darf.

Lichter erhellen die Treppenstufen und die Wände, deren verwachsene Oberfläche an Hunderte Schichten Kerzenwachs erinnert. Das Ausmaß der Höhle ist auf den ersten paar Metern schwer auszumachen, es geht vor allem nach unten, und die Grotte ist sehr verwinkelt.

«Das Gehirn kann die Dimension nicht erfassen», sagt Papi, die Höhlen-Biologin ist. Manche unterschätzten die Tiefe. 500 Stufen geht es runter, bis man am tiefsten Punkt ist und auf die Haupthalle blickt. «Und manche haben auch Angst.» Tatsächlich hat die Höhle etwas Unheimliches. Es würde nicht wundern, wenn unten auf dem Boden ein alter Drache wartete. Ist das doch das Tor zu einer anderen Welt?

«Das hier ist einfach das Werk der Natur», ruft Papi begeistert. Immer wieder legt die 40-jährige Italienerin Pausen ein, um den Besuchern die Höhle zu erklären, die vor zehn Millionen Jahren entstanden ist. Die Menschheit weiß dagegen erst seit kurzem von ihr: 1840 wurde sie entdeckt, als im Karstgebirge neue Wasserquellen für Triest gesucht wurden, ab 1890 wurde sie erforscht.

Seit 1908 ist die Grotta Gigante für Touristen zugänglich. Die Höhle ist eine von mehr als 6000 Grotten in der Region Friaul-Julisch Venetien, die zu den höhlenreichsten Gegenden Italiens zählt. Grund ist der Karst: Das Gebirge besteht aus Kalk- und Dolomitstein, der reich an Karbonat ist - und damit löslich bei Regenwasser.

Der größte Stalagmit ist zwölf Meter hoch und nennt sich Ruggero - deutsch: Rüdiger. Auch wenn man ihn minutenlang betrachtet, ist schwer vorstellbar, dass er ein Produkt der Natur sein soll. Andererseits hatte diese 150.000 Jahre Zeit, ihn zu formen.

«Schließt die Augen und hört die Stimme der Höhle an!», ruft Papi. Mittlerweile ist die Gruppe am untersten Punkt angelangt. Die Kinder schließen artig die Augen. Es ist still, bis auf ein unregelmäßiges Tropfen. Es klingt wie eine Dusche, die gerade jemand benutzt hat.

Die Zeit scheint in der Grotte stillzustehen. Seit Millionen Jahren herrscht die gleiche Temperatur, es gibt nie Wind und nie Regen. Von Menschenhand stammen nur die Beleuchtung, die Treppe, die Mülleimer. Und die Technik. Forscher erkunden die Höhle immer noch.

Nach 500 weiteren Stufen - diesmal bergauf - ist man wieder draußen in den ruhigen Bergen. Im Sonnenlicht erscheint der Gedanke an die Höhle unwirklich. Ein Souvenirladen verkauft Plastikstalagmiten, Miniatur-Ausgaben von Rüdiger. Doch natürlich sind sie gar nichts im Vergleich zum Original.

Veröffentlicht am:
28. 08. 2018
11:33 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Gebirge Gehirn Menschheit Omas Schulklassen Touristen Tropfsteinhöhlen Wasserquellen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Du Port aux Deux-Rives

02.07.2020

Straßburg abseits der Selfie-Spots

Morgens Kanäle und Kathedrale, nachmittags Europaviertel? Wer Straßburg auf seine Hotspots reduziert, verpasst Naturoasen, lebendige Viertel und die sehenswerte Neustadt. » mehr

Ein Berggorilla in Kongo-Brazzaville

18.06.2020

Nationalparks in Afrika fehlen die Touristen

Ob Spitzmaulnashorn oder Berggorilla: Mit der Corona-Krise hat sich für die Tiere in Afrikas Naturreservaten viel geändert. Es gibt mehr Ruhe und Raum, denn die Touristen bleiben weg. Doch mittelfristig droht große Gefah... » mehr

Mundschutz

27.05.2020

Ferienwohnungen auch im Süden Deutschlands sehr gefragt

Nach Wochen des Stillstands läuft der Tourismus im Süden Deutschlands wieder an. Ferienwohnungen stehen dabei hoch im Kurs. Doch unterschiedliche Vorschriften verunsichern Vermieter und Urlauber. » mehr

Strand Sardinien

18.05.2020

Italien: Corona-Regeln am Strand sorgen für Verwirrung

Von nun an dürfen die Italiener wieder an den Strand. Doch dort gibt es ein Wirrwarr von Vorschriften. Besonders absurd wirken die Regeln auf einer Urlaubsinsel, die kaum von Corona betroffen ist: Sardinien. Die Hoffnung... » mehr

Hotels in Mecklenburg-Vorpommern

15.05.2020

Hotels bereiten sich auf die ersten Gäste vor

Die Wiedereröffnung der Hotels in Mecklenburg-Vorpommern kam ein bisschen überraschend. Hinter den Kulissen gibt es in den Häusern jetzt jede Menge zu tun, um ab Montag (18. Mai) die ersten Gäste zu empfangen. » mehr

Timmendorfer Strand

13.05.2020

Wird man als Globetrotter in Deutschland glücklich?

Mein Haus, mein Auto - meine Reise: Viele Deutsche entdecken selbstbewusst die halbe Welt oder zumindest Europa. Wegen Corona müssen sie vorerst Urlaub in Deutschland machen. Und nun? » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
28. 08. 2018
11:33 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.