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Auf Skitour in Osttirol mit der Geisha aus Colorado

In Osttirol findet man noch jede Menge einsame Berge für Skitouren. Wer es geselliger mag, kommt zum jährlichen Skitouren-Festival. Dort kann man mit kernigen Bergführern die Hänge hoch spuren. Und manchmal ist sogar ein berühmter Alpinist dabei.



Bergwelt Osttirols
Skitour mit dem Bergass aus Colorado: Steve House (l) schaut über die Bergwelt Osttirols - er ist ein großer Fan der Region.   Foto: Florian Sanktjohanser » zu den Bildern

Als Steve House auf dem Gipfel ankommt, sieht er aus wie ein Clown. Oder wie eine schlaksige Geisha auf Skiern. Sein Gesicht ist weiß, Creme gegen die Höhensonne. Alle in der Gruppe lachen, er selbst auch.

Nein, eitel ist er nicht, der 48-Jährige mit dem spitzbübischen Lächeln. Dabei ist er ein Star, auch wenn das zu Hause in Ridgway, Colorado, keiner seiner Nachbarn weiß. Reinhold Messner sagte über ihn, er sei der wahrscheinlich weltbeste Extrembergsteiger unserer Zeit.

Gipfel der Begeisterung in Osttirol

Nun steht dieser Bergfanatiker auf dem Marchkinkele, einem Berglein in Osttirol . Und hört gar nicht mehr auf zu schwärmen. «Diese Berge sind für Skitouren gemacht», sagt House. «Dieses wellige Gelände, diese geschmeidigen Hänge, die perfekte Steilheit. Und dazwischen immer wieder Hügel als Sicherheitsinseln.»

Man könnte das als Werbegewäsch abtun, schließlich wurde House als Stargast für das Skitouren-Festival 2018 nach Osttirol eingeflogen. Aber seine Begeisterung wirkt echt. House weiß, wovon er spricht. Als er 18 war, ging er hier seine erste Skitour, auf den Hochschober. Damals studierte er ein Jahr in Slowenien und entdeckte gerade seine Liebe zum Bergsteigen. «Ich war immer interessiert an Orten, wo ich mir meine eigene Route, mein eigenes Abenteuer suchen kann», sagt House. «Das mag ich an Osttirol: Hier gibt es raue, echte Berge.» Mehr als 50 Gipfel in der Region hat er schon auf Skiern erklommen.

Gefährliche Leidenschaft des Tourengehens

Natürlich kennt House die Schattenseiten des Tourengehens. Am Vorabend hat er im Gemeindesaal von Außervillgraten erklärt, wie man Risiken wie Lawinen und Abstürze umgehen kann. Rund 70 Tourengeher saßen vor ihm, auch ein gutes Dutzend Anfänger. «Beim Skitourengehen darf man nur kleine Fehler machen. Sonst stirbt man», sagt der Profi.

Bei dem Festival zeigen 14 Bergführer den Gästen ein Wochenende lang die Routen auf Kreuzspitze, Gaishörndl oder Pürglers Kunke. «Im Villgratental gibt es 30 eigenständige Skitouren plus zehn Varianten», sagt Hannes Grüner. «Wir teilen uns auf die verschiedenen Berge auf, damit jeder das Richtige zum Aufsteigen und Abfahren hat.» Grüner, 58, ist die graue Eminenz des Festivals. Seit 40 Jahren geht er Skitouren, seit 25 Jahren ist er Bergführer.

Basislager in eisiger Höhe

Der Weiler Kalkstein auf 1639 Metern Höhe ist das perfekte Basislager für ein halbes Dutzend leichte bis mittelschwere Skitouren. Grüner hat sich für das Marchkinkele entschieden. Grüner und Steve House spuren voran, vorbei an der urigen Alfenalm und links hinein ins Marchental.

Skitourenboom

«Hier im Kessel gehen viele Leute, die auf der Piste mit Skitouren angefangen haben und sich jetzt ins Gelände wagen», sagt Grüner. Es sind die Kinder des Skitourenbooms der vergangenen Jahre. In Osttirol werden sie bisher in den Skigebieten geduldet. Wohl auch, weil sich die etwas abgelegene Region als Skitourengebiet vermarktet.

Am Hochstein bei Lienz kommen mittlerweile oft mehr Skifahrer die Piste hoch als hinunter. Im Skigebiet Zettersfeld, auf der anderen Seite der Stadt, steigen viele von der Faschingalm über die Schneise eines früheren Schlepplifts auf, um am Rand der Piste hinüber zum Goisele und zum Spitzkogel zu gehen, mit Blick auf die Schobergruppe und auf den Glödis, das Osttiroler Matterhorn.

So schön all das ist, früher oder später zieht es die meisten ins freie Gelände, weg von Liften und Gaudimusik aus den Hütten.

Mit den Bergen eng verbunden

Im Marchental sind an diesem Morgen nur das eigene Atmen und das Klackern der Bindungen zu hören. Ringsum breiten sich Schneehänge aus, die Gipfel leuchten in der Morgensonne. Im schattigen Hang steigt Grüner auf, so langsam, dass man sich noch unterhalten kann. Steve House erzählt von seiner Kindheit am Fuße der Rocky Mountains, seiner Studienzeit in Slowenien und seinem neuen Leben nach der Bergsteiger-Karriere. 2011 hat er das extreme Klettern beendet, heute schreibt er Bücher. Er lebt in Ridgway und Klagenfurt.

Der Grund dafür ist seine Frau Eva, die früher hier in Osttirol als Kajakerin trainierte. Die Kärntnerin schrieb ihm eine Mail, als sie ihren Job bei einer Bank kündigte und in Nepal Berge besteigen wollte. Er antwortete, und als sie auf ihrer Weltreise nach Colorado kam, trafen sich die beiden. Heute haben sie einen Sohn.

Atemberaubendes Panorama

Auch deshalb hat House einen Gang heruntergeschaltet. Seine Leidenschaft für die Berge ist freilich nicht erloschen. «Seht ihr die Spur in der Nordwand?», fragt er grinsend. «Das war ich gestern.»

Immer steiler geht es im Zickzack bergauf, ein letztes eisiges Engstück, dann steht man auf dem Sattel in der Sonne. Hier öffnet sich ein grandioser Fernblick, nach links in die Lienzer Dolomiten, nach rechts in die Hohen Tauern. Kurzer Fotostopp, dann spurt Grüner weiter auf dem Kamm Richtung Gipfel. Sanft steigt der Grat an, die Aussicht wird immer fantastischer. Bald kommen die Drei Zinnen in den Blick, der Zwölferkofel, die ganze Herrlichkeit der Südtiroler Dolomiten. Ein letzter Anstieg, dann steht man auf dem Gipfel. Umarmungen, Berg Heil.

Grüner fährt entlang der Aufstiegsspur zurück, das Festival erwartet ihn in Kalkstein. Als sich die Gruppe auf dem Sattel nervlich auf die kurze, steile Rinne vorbereitet, ruft House ihm zu: «Ich steige nochmal ein bisschen auf.» Kurz darauf sieht man ihn einen steilen Sonnenhang herab wedeln, in mühelosen, perfekten Schwüngen. Und glaubt ihm jede Schwärmerei.

Veröffentlicht am:
04. 12. 2018
04:52 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
04. 12. 2018
04:52 Uhr



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