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Deutsche Spuren und ein berühmter Schotte in Samoa

Samoa war einst Kolonie des Kaiserreichs. Eine Reise in das entlegene Land im Pazifik führt tief hinein in die deutsche Geschichte. Die Inseln lockten auch einen berühmten Schriftsteller in die Südsee.



Bus
Mit dem Bus über die Inseln, von Dorf zu Dorf: Samoa ist ein entspanntes Fleckchen Erde.   Foto: Philipp Laage » zu den Bildern

Waren Sie schon mal in Deutschland? Am anderen Ende der Welt, auf einer kleinen Insel im Pazifik, ist diese Frage an den Taxifahrer mehr eine Höflichkeit. Die Antwort scheint klar.

Ja, sagt der Mann am Steuer zum Erstaunen der Fahrgäste. Für einige Wochen habe er im Tropical Islands in einer polynesischen Band gespielt. Eine gute Zeit sei das gewesen, sagt der Samoaner über seinen Aufenthalt in dem Freizeitpark in Brandenburg. Den Besuch könnte man als kuriose Anekdote abtun. Doch der Inselstaat Samoa und Deutschland teilen Geschichte. Vor dem Ersten Weltkrieg war das Pazifikreich 14 Jahre lang eine deutsche Kolonie.

Die Kolonialzeit ist es, die das Bild der Südsee bis heute prägt. Wer die lange Reise nach Samoa auf sich nimmt, hat womöglich das Klischee von exotischen Menschen vor tropischer Kulisse verinnerlicht. Doch Apia, die Hauptstadt Samoas mit ihren Banken und Bürogebäuden auf der Hauptinsel Upolu, hat nichts mit vormoderner Ursprünglichkeit zu tun.

Schlacht um Samoa

Ankunft im Hafen. Unweit der Pier, wo die Kreuzfahrtschiffe anlegen, ereignete sich eines der dramatischsten Ereignisse der Geschichte des Inselreichs: die Schlacht um Samoa. Denn nicht nur das Kaiserreich hatte koloniale Interessen an den abgelegenen Inseln. Auch die Briten und Amerikaner sind in dieser Zeit vor Ort.

Die Lage eskaliert 1889, als sich Kriegsschiffe der drei Mächte in der Bucht von Apia gegenüberstehen, was als Teil der «Kanonenbootpolitik» in die Geschichte eingeht. Doch ein Zyklon zieht auf. Fast alle Schiffe sinken. Die Kriegsparteien setzen sich an den Verhandlungstisch. Auf einer Konferenz in Berlin wird Samoa formal unabhängig, jedoch verwaltet von den drei Großmächten.

Der Frieden hält nicht lange. Nach dem Tod des Königs Malieota Laupepa kommt es wieder zum Konflikt. Nach einem diplomatischen Ringen wird das Inselreich 1899 zweigeteilt. Die Deutschen erhalten den Westen, die USA den Osten, der fortan Amerikanisch-Samoa heißt.

Abriss der Kolonialgebäude

Spuren der deutschen Kolonialzeit fallen in Apia heute nicht sofort ins Auge. Die meisten Kolonialgebäude wurden abgerissen, Teile sind noch an der Beach Road erhalten. Auch das historische Gerichtsgebäude der Deutschen soll wegen Termitenbefalls weichen. Jeden Morgen um 8.45 Uhr spaziert die samoanische Polizei durch Apia - und spielt dabei Marschmusik, auch deutsche Stücke. In der imposanten Kathedrale Mulivai erklingt manchmal noch eine Hymne im Walzertakt.

Samoa lockte damals auch einen berühmten Schotten. Oberhalb von Apia steht Vailima, das ehemalige Wohnhaus des Schriftstellers Robert Louis Stevenson (1850-1894) - heute ein Museum. Der Autor («Die Schatzinsel») siedelte 1890 mit seiner Familie auf die Insel im Pazifik über. Er liegt auf dem Mount Vaea begraben, ein Spazierpfad führte vom Museum hinauf zur Ruhestätte.

Ein schottischer Geschichtenerzähler

Wer durch das Museum schreitet, wähnt sich in einem anderen Jahrhundert. Bei den Möbeln handelt es sich aber um Replikate. «Die meisten Originale wurden verkauft», sagt Museumsführerin Maria Silva, 42, deren Großvater Deutscher war. «Das einzige Original ist der Kamin», sagt Silva bei einer Führung. Wegen des heißen Klimas sei er aber nie benutzt worden. «Die Familie brachte ihn nur her, um sich ein bisschen wie daheim in Schottland zu fühlen. Es war der erste Kamin in Samoa und vermutlich auch der letzte.»

Die Samoaner nannten den Schotten «Tusitala», Geschichtenerzähler. Bei den Einheimischen war Stevenson beliebt. Nach seinem Tod ging die Familie in die USA, das Haus wurde verkauft. Ein deutscher Mäzen - und großer Fan der «Schatzinsel» - baute einen neuen Flügel. Der deutsche Kolonialgouverneur Wilhelm Solf zog in Vailima ein.

Die zweite Hauptinsel

Samoa hat Touristen aber noch mehr zu bieten als Kolonialgeschichte. Abseits der Hauptstadt Apia geht es gemütlich zu. Die Menschen in den Dörfern sind freundlich und offenherzig, Kinder winken und lachen.

Auf Savaii, der zweiten Hauptinsel, wird für die Besucher eines Kreuzfahrtschiffes eine Folklore-Vorführung arrangiert. Trommeln, Tänze, Fackeln, frische Kokosnüsse und Ananas für die Gäste. Die Samoaner in ihren gelben Tüchern um die Hüften geben sich ausgelassen. Weißhaarige Touristen richten ihre Videokameras aus.

Während der deutschen Kolonialzeit wurden drei Völkerschauen organisiert, für die Samoaner ins Deutsche Reich reisten. Dort präsentierte man die Inselbewohner als exotisch-schöne Gäste aus Übersee. Aus heutiger Sicht scheint dies höchst respektlos.

Völkerschauen in der Kolonialzeit

«Ich bin sehr vorsichtig an die Gespräche mit den samoanischen Nachfahren herangegangen, weil ich auch dieses Bild von der Unwürdigkeit der Völkerschauen im Kopf hatte, und wurde sehr schnell und sehr indigniert eines Besseren belehrt», erklärt die Ethnologin Hilke Thode-Arora. Sie ist Samoa-Expertin und hat auf den Inseln viel Feldforschung betrieben.

Im Rahmen der Völkerschauen und während der Kolonialjahre fanden auch samoanisch-deutsche Paare zueinander. Viele Samoaner kokettierten durchaus mit ihrer deutschen Abstammung, so die Ethnologin. Und einige verklärten die deutsche Kolonialzeit. Denn die Neuseeländer, die das Land danach besetzten, waren schlimmer: Sie brachten die Spanische Grippe und schossen die Protestbewegung nieder.

Schöne Südsee-Strände

Deutsche Reisende sind heute geschätzte Gäste. In Samoa können sie an einigen Stellen der Insel schöne Südsee-Strände genießen. Landschaftlich spannender ist das Lavafeld von Saveaula auf Savaii. Es entstand durch den Ausbruch des Matavanu zwischen 1905 und 1911. Kaum jemand starb, als die Lava des Schichtvulkans aus dem Berg floss. Das Dorf jedoch wurde zerstört.

Als erster polynesischer Staat wurde Samoa 1962 unabhängig. Heute gibt es neue Interessengruppen. «Die Leute haben Sorge, dass die Chinesen irgendwann alles übernehmen», sagt der Künstler Laloval Peseta in seiner Galerie in Apia. Der tätowierte Samoaner zeigt eines seiner Bilder: der Premierminister des Landes und allerlei Symbole, die für den Unmut in Teilen der Bevölkerung über die Politik stehen. Das deutsche Spital in Samoa wurde übrigens ebenfalls abgerissen - und durch ein chinesisches Krankenhaus ersetzt.

Veröffentlicht am:
28. 03. 2019
10:54 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
28. 03. 2019
10:54 Uhr



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