Lade Login-Box.
Topthemen: BlitzerwarnerGlobe-TheaterStromtrasseHSC 2000 Coburg

 

Die Burg Pfalzgrafenstein im Rhein

Ein einstiges DDR-Grenzboot bringt Touristen zu einem der bekanntesten Fotomotive des Rheins, zur Inselburg Pfalzgrafenstein. Nach einer Sanierung gibt es in dem alten Gemäuer Neues zu entdecken.



Burg Pfalzgrafenstein
Fünf Jahre hat die Sanierung der historischen Burg Pfalzgrafenstein gedauert und 400.000 Euro gekostet.   Foto: Thomas Frey/dpa

Was wäre eine Burg ohne Verlies? In einer der bekanntesten Inselburgen Deutschlands können Besucher erstmals seit vielen Jahrzehnten wieder in historische Gefängnisräume hinabsteigen.

Nach einer Sanierung präsentiert sich die Zollfeste Pfalzgrafenstein im Rhein vor Kaub mit renovierten Böden, rekonstruierten Wandfarben, teils neuer Beleuchtung - und zwei geöffneten Verliesräumen im Hauptturm. Einst haben hier Kriegsgefangene, säumige Zollzahler und Kriminelle gesessen - und zeitweise wohl mit Hochwasser gekämpft. Erneuert worden ist auch die Präsentation der Burg mit Audioguides, Hörstationen und nachgebauten Möbeln.

«Als 700 Jahre alte, unzerstörte Zollfeste mitten im Fluss ist die Pfalzgrafenstein europaweit eine Besonderheit», sagt die Burgführerin Ute Graßmann. Im Welterbe Oberes Mittelrheintal mit der wohl höchsten Burgendichte der Erde sei sonst nur noch die Marksburg hoch über Braubach von Zerstörung und Verfall verschont geblieben.

Sanierung dauerte fünf Jahre

Die Sanierung der Pfalzgrafenstein für gut 400.000 Euro nahe dem weltberühmten Loreley-Felsen hat sich laut der rheinland-pfälzischen Landeseinrichtung «Burgen, Schlösser, Altertümer» (BSA) von 2014 bis zu diesem Sommer hingezogen. «Mal war der Rhein zu niedrig, dann wieder zu hoch. Immer wieder hat es Zwangspausen gegeben», berichtet BSA-Direktorin Angela Kaiser-Lahme. «Da sind auch Firmen abgesprungen.»

Der scheidende Kauber Bürgermeister Karl-Heinz Lachmann (SPD) freut sich über die Sanierung «unseres super Aushängeschilds». «Wir haben in den letzten zehn Jahren auch zweieinhalb Millionen Euro in unser Blücher-Museum investiert», ergänzt er. In der Neujahrsnacht 1814 hatten unter Führung von Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher preußische und russische Truppen über die Pfalzgrafenstein auf das linke Rheinufer übergesetzt und Napoleon verfolgt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ist Kaubs Einwohnerzahl vor allem wegen wegbrechender Jobs deutlich von etwa 2500 auf nun rund 850 gesunken. Viele junge Leute sind weggezogen. Touristische Attraktionen und die vor zehn Jahren eröffnete Jugendherberge seien für das ehemalige Lotsenstädtchen daher umso wichtiger, sagt Lachmann.

Das steinerne Schiff

Der französische Schriftsteller Victor Hugo hat vor fast zwei Jahrhunderten die Burg als «steinernes Schiff, ewig auf dem Rhein schwimmend und ewig vor der pfalzgräflichen Stadt vor Anker» beschrieben. Heute bringt ein umgebautes DDR-Grenzpatrouillenboot vom einstigen Volkseigenen Betrieb (VEB) Yachtwerft Berlin die Touristen zum Rhein-Inselchen Falkenau, wo sich das Gemäuer erhebt. Bootsführer und Burgverwalter Volker Ochs sagt: «Wetter, Wind, Wellen und Kunden sind jeden Tag anders, das ist sehr abwechslungsreich.» Um die 25 000 Besucher kommen laut BSA-Chefin Kaiser-Lahme jedes Jahr.

Übersetzt hat diesmal auch Familie Herger aus dem bayerischen Starnberg. Tochter Magdalena (11) freut sich in einem Raum mit historischen Brettspielen, «dass man ganz hoch auf den Turm kann». Ihr Bruder Max (7) findet es toll, «mal so ein Schiffsschloss von innen zu sehen». Touristen können in der Burg frei herumlaufen.

Weiter oben in der einstigen Kommandantenwohnung mit dem wiederhergestellten Farbanstrich von etwa 1700 sagt der Besucher Klaus Spindler aus dem baden-württembergischen Bad Wimpfen: «Alle zehn Kilometer hat hier früher jemand Zoll kassiert, das hat mich beeindruckt.» Seine Frau Heike meint: «Die Burg ist sehr schön. Aber wohnen wollte ich hier mitten im Rhein nicht - wenn ich heimkäme und vergessen hätte, Salz und Klopapier zu kaufen, wäre das blöd.»

Glanzpunkt der Buga 2029

Die Pfalzgrafenstein, zu der Einheimische jetzt im Sommer auch gerne einmal schräg zur starken Rheinströmung schwimmen, geht auf das Jahr 1327 zurück: Zuerst entsteht damals im Mittelalter der fünfeckige Hauptturm auf der Insel Falkenau. Später folgen rundherum die Ringmauer und weitere Ausbauphasen - bis ins 18. Jahrhundert.

Trompetensignale und später Glockenläuten auf der Pfalzgrafenstein fordern einst herannahende Schiffer auf, in Kaub anzulegen und Zoll zu zahlen. Wer sich widersetzt, wird erst mit Pfeilen und später mit Gewehr- und Kanonenkugeln zum Halten gezwungen.

Bürgermeister Lachmann sieht die Pfalzgrafenstein schon als einen Glanzpunkt der geplanten Bundesgartenschau (Buga) 2029 im Welterbe Oberes Mittelrheintal. «Spätestens bis dann brauchen wir auch Toiletten», sagt er. «Jetzt gibt es auf der Insel noch keine.»

Veröffentlicht am:
28. 06. 2019
16:58 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Autor Brüder Burgen Familien Französische Schriftstellerinnen und Schriftsteller Hochwasser und Überschwemmung Karl Heinz Napoleon Russische Truppen SPD Sanierung und Renovierung Touristen Victor Hugo Weltkriege
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Pferdekutsche im Wattenmeer

24.04.2019

Priel vor Neuwerk stoppt immer öfter Kutschfahrten

Auf das Duhner Loch ist so mancher Kutschfahrer nicht gut zu sprechen. Der tiefe Priel im Watt zwischen Cuxhaven und Neuwerk ist unberechenbar - die Insel Neuwerk immer öfter bei Ebbe nicht per Kutsche über das Watt erre... » mehr

Soldatenfriedhof Hürtgen

18.09.2018

Deutsche Soldatenfriedhöfe in Europa

Tausende Gefallene, tausende Schicksale: Auf deutschen Soldatenfriedhöfen können Besucher sich mit der Geschichte und ihren Geschichten befassen. Da geht es um Spione, Söhne, Brüder und Helden. Eine Auswahl von Gedenkstä... » mehr

Mallorca

15.10.2018

Mallorca kämpft um seine Touristen

Die Bilder und Nachrichten aus Mallorcas Katastrophengebiet sind verstörend. Urlauber sind verunsichert - dabei kam der Sturzregen nur in einem kleinen Gebiet im Osten nieder. Der Ballermann war von der Flut überhaupt ni... » mehr

Eike Schmidt

22.08.2019

In Italiens Museen wird das Rad zurückgedreht

Ausländische Museumsdirektoren sollten Italiens Museen moderner machen. Nun verlassen sie allerdings das Land. Die scheidende Regierung richte eine «Spur der Zerstörung» an», sagt eine deutsche Museumschefin, die gehen m... » mehr

Akademie am Meer Klappholttal

02.08.2019

Muße und Einfachheit in den Sylter Dünen

Luxus sucht man in der Heimvolkshochschule im Klappholttal auf Sylt vergebens. Einfachheit wird hier seit 100 Jahren groß geschrieben. Dennoch zählt die Akademie mehr als 40.000 Übernachtungen im Jahr. » mehr

Zwergohreulen-Jungtier

17.07.2019

Madrids «Ahuehuete» gefiel schon Napoleon

Die Madrilenen nennen ihn ehrfürchtig den «Großvater» unter den Tausenden Bäumen des Retiro-Parks. Seit Jahrhunderten wacht eine aus Mexiko stammende Sumpfzypresse über die wohl schönste Grünanlage der spanischen Hauptst... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
28. 06. 2019
16:58 Uhr



^