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In Paris gibt es jetzt ein Museum für Wirtschaft

Paris hat sich für Millionen von Euro ein Museum für Wirtschaft geleistet. Es will die Weltwirtschaft verständlich machen. Doch kann man die in einem Museum zeigen?



Citeco in Paris
Blick in die "Citeco", das erste Wirtschaftsmuseum der französischen Hauptstadt.   Foto: Sabine Glaubitz

Im ehemaligen Banktresor sind Ausschnitte aus dem Kurzfilm «Die Bank» mit Charlie Chaplin zu sehen. Christian Champin zeigt «Djibrila», eine Kuh-Skulptur aus Metallabfällen, mit der der Franzose auf das Problem der Überproduktion der Welt hinweisen will.

Paris besitzt seit wenigen Wochen die Citéco, ein Museum für Wirtschaft, in dem es auch ein Café gibt. Ziel ist es, das komplexe Weltwirtschaftsgeschehen originell zu vermitteln. Die Erklärungen sind dabei nicht nur auf Französisch, sondern immerhin auch auf Englisch und Spanisch.

Als erstes Wirtschaftsmuseum in Europa wird Citéco präsentiert - und gefeiert. Viele befürchteten eine verstaubte und langweilige Einrichtung. Das Gegenteil ist der Fall. Mehr als 50 Videos und über 20 Videospiele, Fotografien und Skulpturen wie die meterhohe Plastik aus Hunderten Federn, Perlen, Muscheln und Münzen, die irgendwann und irgendwo einmal als Zahlungsmittel dienten, machen den Parcours spannend, interessant und abwechslungsreich.

Buch mit sieben Siegeln?

Das immer gobaler werdende Wirtschaftsgeschehen sei für einen Großteil der Franzosen ein Buch mit sieben Siegeln, erklärte Philippe Gineste, der Direktor der Mitte Juni eröffneten Einrichtung, deren Konzept weit über das von Geldmuseen und Museen für Nationalbanken hinausgeht. Die Wirtschaftsmechanismen müssten für jeden und jedes Alter verständlich werden, findet er. Von 7 bis 77 Jahren.

Als Modell diente der «Citéco», der Cité de l'économie et de la monnaie (etwa: Stätte für Wirtschaft und Geld) das Museo Interactivo de Economía in Mexiko-Stadt, das vor 13 Jahren als das weltweit erste multimediale und interaktive Wirtschaftsmuseum galt.

Das Museum liegt im schicken 17. Arrondissement (Bezirk) von Paris.

Es ist ein schönes Gebäude im Neorenaissance-Stil. Erbaut wurde die schlossähnliche Villa zwischen 1878 und 1882 von dem Architekten Jules Février, der sich von den Loire-Schlössern inspirieren ließ. Das architektonische Juwel war für den Bankier Émile Gaillard als Residenz bestimmt, vor allem aber diente es dazu, seine bedeutende Sammlung an Mittelalter- und Renaissancekunst unterzubringen.

Im Jahr 1919 wurde es dann von Frankreichs Nationalbank, der Banque de France, erworben. Heute steht es unter Denkmalschutz, weshalb trotz der umfangreichen Umbauarbeiten vieles noch daran erinnert, dass hier die Bank bis 2006 ihre reichen Kunden empfing, um Wertvolles in Verwahrung zu nehmen. Dazu gehört der «Salle de coffres», der Tresorsaal, hinter dessen schwerer Panzertür im Untergeschoss sich noch immer rund 110 Banktresore befinden.

Auch die Zugbrücke existiert noch, die über einen Wassergraben dorthin führt. Nur werden im «Salle de coffres» keine Goldbarren oder Wertpapiere mehr aufbewahrt. Gezeigt werden der Kurzfilm «Die Bank» von Charlie Chaplin und wer will, kann eine eigene Banknote entwerfen.

An Fantasievollem fehlt es im Museum nicht. Auf einem nachgebildeten Flughafenscanner werden Objekte durchgeschoben. Dabei wird deren Zusammensetzung gezeigt, um die Wege nachzuzeichnen, die heute unsere Produkte zurücklegen. In einem nachgebauten Konferenzsaal werden Klimagipfel inszeniert, bei denen die Besucher in die Rolle von Staatsvertretern schlüpfen und miteinander verhandeln.

Der Umbau hat offiziell mehr als 50 Millionen Euro gekostet, inoffiziell ist von bis zu 100 Millionen die Rede. Finanziert wurde das Projekt von Frankreichs Nationalbank, die heute Mitglied des Europäischen Systems der Zentralbanken ist. Was das genau bedeutet? Ein Besuch der Citéco gibt Antwort darauf.

Veröffentlicht am:
19. 08. 2019
12:08 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
19. 08. 2019
12:08 Uhr



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