Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

 

Ein Trip in die Weinmetropole Bordeaux

Durch weltbekannte Weine ist Bordeaux seit jeher in aller Munde. Zum Reise-Trendziel hat sich die Stadt in Frankreichs Südwesten aber erst jüngst entwickelt - weil sie Klassik und Coolness verbindet.



Bordeaux
Bordeaux hatte zwischenzeitlich den Glanz alter Zeiten verloren, lockt heute aber mit einem wilden Mix aus Alt und Neu.   Foto: Vincent Bengold/Bordeaux Tourisme et Congrès/dpa-tmn » zu den Bildern

Beim Blättern in den Bildern ihrer Kindheit fällt Aurélie Chopy nichts Gutes zur ihrer Heimatstadt ein. «Bordeaux war dreckig und schwarz», erinnert sie sich.

Über dem Glanz vergangener Zeiten lag eine Patina aus Vergessen, Gleichgültigkeit, Verwahrlosung. Die Handelsstadt an der Garonne im Südwesten Frankreichs war zwar, getragen von dem Geschäft mit den weltberühmten Bordeaux-Weinen, wirtschaftlich erfolgreich, doch von der Zeit zernagt und von Hafen- und Fabrikanlagen zersetzt.

Um die Jahrtausendwende setzte allerdings das Großreinemachen ein, angetrieben von visionären Köpfen und Plänen für die Stadtentwicklung, umgesetzt von Kränen, Baggern und Abrissbirnen. Wo vorher Lagerhäuser am Fluss Garonne Blick und Zugang versperrten, entstanden nun Flanierpromenaden, Cafés, Restaurants und Boutiquen.

«Die Atmosphäre hat sich komplett verändert», sagt Stadtführerin Chopy und schwärmt: «Bordeaux ist für mich der komfortabelste Platz auf der Welt.» Zum Fortkommen reichen ihr Fahrrad und Straßenbahn.

Fusion aus Alt und Neu

Bordeaux ist trendy geworden, erfasst vom Sog einer Aufbruchstimmung, wie sie auch in anderen Städten Europas herrscht, ob sie nun Tallinn oder Belgrad heißen. Dabei greifen Alt und Neu auf unterschiedlichste Art ineinander.

Einerseits weitet sich die Moderne aus, zu sehen zum Beispiel im Viertel Bacalan, wo brandneue Straßenzüge und Wohnblocks entstehen und seit Mitte 2019 das Musée Mer Marine die Museumslandschaft mit einem Querschnitt durch die Schifffahrtsgeschichte bereichert.

Auf der anderen Seite ist hier kein Baubestand zu schäbig, kein Hinterhof zu dunkel und kein Gebäude zu abgewrackt, als dass nicht eine Neunutzung in Betracht käme. So ist aus dem U-Boot-Bunker, den die deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg bauten und nutzten, ein Kunstausstellungszentrum erwachsen, das mit den Bassins de Lumières ab Mitte April 2020 eine große Multimedia-Installation zeigen wird. Und ein Kasernengelände hat seine Umwidmung zum hippen Hotspot «Darwin» mit Skateparks und urbaner Landwirtschaft erlebt.

Die Wiederentdeckung der Weinmetropole

Die Entdeckung der alten Weinmetropole ist eigentlich eine Wiederentdeckung - denn schon früher schwärmten die Menschen von ihr. Für den Dichter Marie-Henri Beyle alias Stendhal (1783-1842) war Bordeaux «unbestritten die schönste Stadt Frankreichs». Und sein Zeitgenosse Victor Hugo (1802-1885) schwärmte: «Nehmen Sie Versailles, fügen Sie Antwerpen hinzu, und Sie haben Bordeaux.»

Um die sechs Millionen Touristen strömen pro Jahr nach Bordeaux. Klassiker im Besichtigungsprogramm sind die Kathedrale, das Theater, der ersteigbare Turm der Basilika Saint-Michel, der Uhrturm Grosse Cloche und der Miroir d'Eau, der «Wasserspiegel», in dem die historischen Fassaden um den Börsenplatz baden.

Auch das «flüssige Gold», im Prinzip Bordeauxs größtes Wahrzeichen, beansprucht sein Recht: Das Weinmuseum Cité du Vin hat eine avantgardistische Form, welche die Dynamik des Weins in einem geschwenkten Glas symbolisiert. Draußen schillern Aluminium und Glas, im Museum warten Themenparcours und Kostproben in der Aussichtsetage. Als Nachhilfe in Sachen Bordeaux-Weine gibt es Degustationsworkshops.

Eine Pariser Vorstadt

Die Pegelausschläge beim Flair schwanken. Schick geht es in den Weinbars der Markthalle Bacalan zu, charmant auf Altstadtplätzen, bodenständig auf dem Wochenmarkt Marché de Capucins. Da der Schnellzug nach Paris nur noch zwei Stunden braucht, scherzen manche, Bordeaux sei nun eine Pariser Vorstadt. Doch das wird Bordeaux nicht gerecht. Es hat sich als Spitzendestination etabliert.

Info-Kasten: Bordeaux

Anreise: Per Bahn oder Flugzeug. Direktflüge nach Bordeaux gibt es zum Beispiel ab Frankfurt/Main oder Berlin.

Gesundheit: Informationen zur aktuellen Situation auch mit Blick auf die Verbreitung des neuartigen Coronavirus bietet das Auswärtige Amt in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen unter dpaq.de.

Informationen: Atout France - Französische Zentrale für Tourismus, Postfach 10 01 28, 60001 Frankfurt (Tel.: 069/74 55 56, E-Mail: info.de@france.fr, Internet: de.france.fr/de).

Veröffentlicht am:
05. 03. 2020
04:44 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Auswärtiges Amt Avantgarde Charles Robert Darwin Fahrräder Gaststätten und Restaurants Gebäude Stadtentwicklung Stendhal Straßenbahnen Städte Victor Hugo Wein Weinmuseen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Weinmuseum in Erimi

30.04.2020

Zypern auf den Spuren des Weins erkunden

Zypern ist eines der ältesten Weinbaugebiete der Welt. Die sonnenverwöhnten Tropfen bringen Geschmack in den Urlaub. » mehr

Bars und Restaurants in Frankreich

20.07.2020

Was Urlauber über die Reiseländer in Europa wissen sollten

Ferienzeit, Urlaubszeit! Urlaub in außereuropäischen Reisezielen ist wegen der Corona-Pandemie in diesem Sommer kaum möglich - in den größten Teilen Europas hingegen schon. In den verschiedenen Ländern müssen Reisende ab... » mehr

Panzerdenkmal in Tiraspol

28.07.2020

Mit der Bahn durch Osteuropa ans Schwarze Meer bummeln

Warum immer hektisch fliegen? Mit der Bahn geht es von Deutschland aus gemütlich bis ans Schwarze Meer. Unterwegs warten echte Perlen wie Krakau, Lemberg und Odessa. Eine Reise im Takt der Schienen. » mehr

Gori

09.07.2020

Von Ochsenaugen und Pilzdächer

Maurischer Stil, Brutalismus und Moderne: Wer glaubt, in Georgien empfangen einen nur Plattenbauten aus Sowjetzeiten, der täuscht sich. Das Land bietet eine Vielfalt architektonischer Denkmäler. » mehr

David Livingston

24.06.2020

Was wir von den großen Reisenden lernen können

Persönlichkeiten wie Alexander von Humboldt und Bruce Chatwin gehören zu den berühmtesten Reisenden überhaupt. Viele ihrer Gedanken und Einsichten sind bis heute lehrreich, um die Welt zu entdecken. » mehr

Kapselhotel „area24|7“

02.03.2020

Erstes Kapselhotel soll Ableger bekommen

Ein wenig ist es so, als werde man im Raumschiff in den Schlaf gebeamt: Im Kapselhotel schläft es sich äußerst futuristisch und auf kleinstem Raum. Das Angebot soll nun ausgebaut werden - es ist nicht die einzige ungewöh... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
05. 03. 2020
04:44 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.