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Bootsurlaub auf der Mecklenburgischen Seenplatte

Die Mecklenburgischen Seenplatte bietet Erholung in der Natur pur. Und wo kommt der Puls ein bisschen in Fahrt? Am Steuer eines Bootes - auf einer Selbstfahrer-Tour über Seen und Kanäle.



Ein wenig mulmig ist uns schon, hier im Steuerstand unserer Leih-Motorjacht «Heidi». Zehneinhalb Meter Schiff können verflixt lang sein, wenn sie aus einem engen Hafen bugsiert werden müssen und die Skipper ausgesprochene Amateure sind.

Natürlich hat uns der nette Mann vom sogenannten Charterpoint alles haarklein erklärt und vorgeführt: Wie man das Boot festmacht, problemlos rückwärts fährt, es auf der Stelle dreht und ganz entspannt mit dem Bugstrahlruder auch in die engsten Steganlagen bringt. Alles total einfach, nicht wahr?

Dann geht der nette Mann von Bord und wir lassen den 86-PS-Diesel der «Heidi» selber an. Ganz langsam geht's raus aus dem Hafen von Waren - dem Hauptort des Reviers Müritz an der Mecklenburgischen Seenplatte, durch das wir eine Woche lang kreuzen wollen. In der Hochsaison ist hier relativ viel Betrieb auf den Seen und in den Kanälen.

Ein heikles Manöver

Keine fünf Minuten sind wir unterwegs, und schon ist eine verflucht enge Stelle zu passieren, die engste der ganzen Route. Ein Drittel ist geschafft - da droht der Anfänger-Gau in Form eines ausgewachsenen Fahrgastschiffs, das uns laut tutend entgegenkommt. Rückwärts fahren trauen wir uns (noch) nicht, vorwärts eigentlich auch nicht, aber wenn wir das Etappenziel Malchow erreichen wollen, müssen wir an dem Dampfer vorbei.

Du versenkst noch das Schiff! Das ist der Gedanke, der durchaus Stress erzeugt. Doch plötzlich sind wir, Kapitänin und Steuermann, an dem Schiff vorbei. Es blieb dann doch erstaunlich viel Abstand.

Schrammen machen die Erfahrenen

Vor uns liegt der ganz und gar unkomplizierte Kölpinsee. Die «Heidi» tuckert mit 12 km/h gemütlich durchs spiegelglatte Wasser. Auf dieses Tempo sind die Leihboot-Motoren gedrosselt, denn sie dürfen im Müritz-Revier ohne Führerschein gefahren werden. Auch teure, dicke Brummer sind dabei, für acht Personen und bis zu 14 Meter lang.

Bei Havarien werden 750 Euro Selbstbeteiligung fällig, eine Zusatzversicherung senkt sie auf Null, doch große Schäden sind im Charterbetrieb eher selten. «Meistens bleibt es bei ein paar Schrammen vor allem in den Schleusen», hat uns der Skipper bei der Einweisung versichert. «Und für die sorgen eher die erfahrenen Skipper, die glauben, sie können alles.»

Wir glauben das nicht, und unseren Törn haben wir so geplant, dass wir garantiert durch keine Schleuse müssen. Nur durch die Drehbrücke von Malchow, die ein paarmal am Tag geöffnet wird, um den Schiffsverkehr unter der Autostraße durchzulassen.

Anlegen wie die Profis

Die Brücke ist, Gott sei Dank, an diesem ersten Tag auf dem Schiff, schon geschlossen. Dafür müssen wir die «Heidi» in den Hafen bringen, sie und uns über Nacht seemännisch korrekt festmachen. Der Platz zum Manövrieren ist knapp, aber - was für ein Wunder! - wir kommen fast auf Anhieb an den Steg, kriegen die Festmachknoten nach ein wenig rumprobieren leidlich hin. Feierabend also. Landstrom und Wasserzuleitungen sind schnell aufs Boot gelegt, für ein paar Euro können wir die Duschen und Toiletten in der Marina nutzen.

Zur Not hätte die «Heidi» auch alles an Bord: Ihre Batterien liefern genug Elektrizität für Lampen und Fernseher, gekocht wird mit Gas, und zwei Warmwasserduschen plus WCs gibt es an Bord auch. In der Mitte des Schiffs sitzen wir in einem gemütlichen Salon.

In der Vorder- und der Achterkabine hat die «Heidi» jeweils ein komfortables Doppelbett. Das sanfte Klatschen der Wellen sorgt für einen tiefen Schlaf. Wir sind entschleunigt und entspannt - das wird die ganze Woche so bleiben.

Halt in hübschen Häfen

Die Drehbrücke von Malchow ist kein Problem mehr, das Lesen der Seekarten sowieso nicht. Fahrwasser- und Untiefen-Tonnen weisen sicher den Weg, der uns zum Plauer See und über die Müritz zurück nach Waren führen wird, vorbei an Naturparks mit Wisent-Rindern und Scharen von Kranichen.

An besonders schönen Buchten werfen wir Anker, kochen Kaffee und gehen baden, um noch vor Einsetzen der Dämmerung in hübschen, kleinen Häfen festzumachen: Im malerischen Röbel beispielsweise mit seiner altehrwürdigen Marienkirche; natürlich in Waren, das im Müritzeum eine umfangreiche naturhistorische Sammlung und das größte Süßwasseraquarium Deutschlands beherbergt. Wir stoppen in Rechlin, wo erst Hitlers Luftwaffe, danach die Rote Armee und die NVA ihre Flugzeuge getestet haben. Das Luftfahrttechnische Museum dort legt Zeugnis von der bewegten Vergangenheit ab und ist absolut sehenswert.

Leckereien so frisch wie nur geht

Über die Müritz zu schippern und die Fische der Seen zu ignorieren, wäre eine Sünde. Wer mag, kann sie selber angeln. Einfacher ist es, sie fertig geräuchert, gebacken, gegrillt oder mariniert auf den Teller zu bekommen. Auf den Speisekarten der Restaurants sind Schleie, Saibling, Aal, Maräne, Hecht, Zander und Stör die Renner. Zahllose kleine Räuchereien und Läden in den Häfen bieten leckere Fischhäppchen zum Mitnehmen an.

Wer im «Alt-Schwerin» in der Kellersee-Bucht bei Plau festmacht, kann frühmorgens mit dem Fischer rausfahren - der Fang landet zuverlässig auf dem Mittagstisch des hübschen und erstaunlich preisgünstigen Restaurants. Frischer geht's wirklich nicht mehr.

Kein Wunder, dass der Bootsurlaub auf der Müritz boomt. Stolz berichtet ein Hafenmeister, dass die zu DDR-Zeiten völlig verfallenen Wasserwege wieder top sind und die Zahl der Bootsliegeplätze sich seit 1990 versechsfacht hat. An einem davon, in unserem Ausgangshafen Waren, machen wir nach einer Woche wieder fest - als (fast) perfekte Skipper, die sich vor (fast) keiner Engstelle und vor (fast) keinem Anlegemanöver mehr fürchten.

Der nette Mann vom Jachtverleih hat unser Schiff bei der Rückgabe genau auf Schäden kontrolliert - und nichts gefunden, auch nicht den kleinsten Kratzer.

© dpa-infocom, dpa:200519-99-114848/4

Veröffentlicht am:
24. 06. 2020
16:17 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
24. 06. 2020
16:17 Uhr



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