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Eine Nische: Spezialreisen für Frauen

Frauen reisen anders als Männer – und immer häufiger auch ohne sie. In kleinen Gruppen erkunden sie mit Gleichgesinnten Kolumbien, Nepal, Sri Lanka oder Island.



 

Mit der Harley durch Südafrika. Eine Reise für Fans schwerer Motorräder. In einer kleinen Gruppe können sie das Land am Kap der Guten Hoffnung ganz individuell erkunden. Das Besondere an dieser Tour: Alle Teilnehmer sind weiblich. Organisiert wird die Reise von Vivamundo Reisen Women – ein Veranstalter, der sich auf Frauenreisen spezialisiert hat.

Das Ganze kam so: Reisefachfrau Michaela Schiffer hat sich vor sechs Jahren selbstständig gemacht. "Schon recht bald kamen immer mehr Kundinnen, die nach speziellen Reisen für Frauen fragten", sagt sie. Also passte sie ihr Angebot an. "Am Anfang haben wir noch einen großen Fokus auf Soziales auf den Reisen gelegt", erinnert sie sich. So gab es beispielsweise Reisen nach Indien – mit einem Besuch im SOS-Kinderdorf. "Doch es stellte sich heraus: Viele wollen das gar nicht."

Bloß nicht das fünfte Rad am Wagen sein

Denn Frauen sehnen sich häufig nach genau denselben Reisen wie andere Zielgruppen auch – Sightseeing-Highlights bewundern und faul am Strand liegen. Mit einem Unterschied: Sie wollen nicht in gemischten Gruppen reisen. "Alleinreisende Frauen fühlen sich oft wie das fünfte Rad am Wagen, wenn um sie herum lauter Paare sind", sagt Michaela Schiffer. Oder sie sind plötzlich der Mittelpunkt eines Eifersuchtsdramas – mitunter ohne eigenes Verschulden.

Auch Eva Veith kennt solche Schilderungen. Die Gründerin von "Frauen unterwegs" organisiert seit mehr als dreißig Jahren Frauenreisen. "Als wir anfingen, waren wir Exoten", sagt sie. Dabei verreisen längst nicht nur Singles, geschiedene oder verwitwete Frauen allein. Mitunter kämen auch Männer, die eine Reise für ihre Frau buchen – weil sie keine Zeit haben oder kein Interesse an dem Reiseziel, das ihre Frau schon seit Jahren sehen will, erzählt sie.

Die Motive der Frauen, so zu verreisen, sind sehr unterschiedlich. "Manche Frau will nicht ganz allein reisen", sagt Veith. Andere trauen sich nicht, allein ferne, exotische Länder zu besuchen. "Vielen sagt aber auch einfach unser Ansatz zu, Städte, Regionen und Länder aus Frauenperspektive zu entdecken", sagt sie.

Die Dynamik in einer Frauengruppe sei oft anders als in gemischten Gruppen. Bei den Sport- oder Aktivreisen ist in der Regel auch die Leitung weiblich. So geht es weniger darum, möglichst schnell, hoch oder weit zu kommen. Die Frauen wollen Aktivitäten ohne Konkurrenzdruck. Sie genießen es, etwas von der Landschaft zu sehen und über das Land zu lernen, wie Eva Veith erklärt. Bei den Reisen geht aber nicht nur soft zu: So steht etwa ein Bootcamp im Hunsrück zur Auswahl. "Da ist man mit all seinen Sachen unterwegs und schläft draußen im Zelt", erzählt sie.

Die Teilnehmerzahl der Gruppen ist meist übersichtlich. "Wir fahren nicht mit einem riesigen Reisebus vor und können an Orte kommen, die die anderen gar nicht anfahren können", sagt Michaela Schiffer. Meist seien Frauen auch offener für Angebote, bei denen Männer nur müde lächeln – etwa Yoga, meditatives Wandern oder Zumba. Und mit Gleichgesinnten komme man leichter ins Gespräch, sagt Michaela Schiffer.

Die großen Reiseveranstalter sind auf den Zug noch nicht aufgesprungen – manch einer bietet zwar Singlereisen an, aber keine Urlaube nur für Frauen oder Männer. Martin Linne von der Gesellschaft für Tourismusforschung sagt, der Markt für Frauenreisen ist zwar nicht groß, aber er biete Potenzial nach oben. Gender Marketing sei im Tourismus noch recht neu, aber ziehe durchaus eine kaufkräftige Zielgruppe an.

Die Chance der Nischenanbieter ist es, Reisen abseits des Massentourismus zu organisieren. "Die Gäste erwarten immer individuellere Angebote", erklärt Martin Linne. Da die Zielgruppe bei Frauenreisen klar definiert ist, haben die Veranstalter einen Vorteil: "Die Touren können sehr viel individueller auf Interessen und Bedürfnisse ausgerichtet werden, als wenn sie für breiter angelegte Zielgruppen konzipiert werden."

Billig sind solche Reisen meist nicht – aber auch nicht teurer als vergleichbare Angebote anderer Veranstalter. Wenn die Reisen zu exotischen Zielen führen und dadurch länger dauern, gehen sie natürlich mehr ins Geld. Wer den Geldbeutel schonen will, kann bei reinen Frauengruppen bei einigen Anbietern ein halbes Doppelzimmer buchen – statt ein reguläres Einzel- oder Doppelzimmer. Dann teilen sich zwei Reisende den Preis und ein Zimmer.


Foto: dpa
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Verena Wolff
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Veröffentlicht am:
23. 03. 2017
14:45 Uhr

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14:45 Uhr



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