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Wieder weniger Bafög-Empfänger

Studieren können sich nur die leisten, die Geld haben - das war früher mal so. Mit dem Bafög haben aber auch Kinder aus Familien mit weniger Geld die Chance, an die Uni zu gehen. Aber die Zahl der Bafög-Empfänger sinkt und sinkt.



Bafög-Antrag
Die Zahl der Bafög-Empfänger ist erneut gesunken.   Foto: Andrea Warnecke/dpa

Die Zahl der Bafög-Empfänger ist im vergangenen Jahr weiter deutlich zurückgegangen. 727.000 Schüler und Studenten bekamen 2018 finanzielle Unterstützung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög). Das waren 55.000 weniger als 2017.

Die Zahlen gab das Statistische Bundesamt am Freitag bekannt. Damit ist Zahl der Geförderten das sechste Jahr in Folge gesunken. Eine Bafög-Reform, die seit Anfang des Monats in Kraft ist, soll nun die Trendwende bringen. Kritiker bezweifeln aber, dass das gelingt.

Der Statistik zufolge haben im vergangenen Jahr rund 518.000 Studenten Bafög erhalten (minus 7 Prozent). Sie bekamen im Schnitt 493 Euro im Monat. Außerdem wurden rund 209.000 Schülerinnen und Schüler unterstützt (minus 7,3 Prozent) - im Schnitt mit 454 Euro. Die Gesamtausgaben für das Bafög lagen 2018 bei 2,7 Milliarden Euro, 233 Millionen Euro weniger als 2017.

Bafög kann unter anderem beantragen, wer studiert oder wer noch zur Schule geht, aber nicht mehr bei den Eltern wohnt - entweder weil die Schule zu weit entfernt ist, oder weil es bereits einen eigenen Haushalt mit eigenen Kindern gibt. Die Hälfte vom erhaltenen Bafög, maximal aber 10.000 Euro, muss später in Raten zurückgezahlt werden. Das gilt nicht für Schüler. Sie sind von späterer Rückzahlung befreit.

Um die Zahl der Bafög-Empfänger wieder zu erhöhen, hat die große Koalition eine Reform auf den Weg gebracht, die seit dem 1. August in Kraft ist. In Zukunft wird eigenes Vermögen und auch das Einkommen der Eltern weniger streng angerechnet - die entsprechenden Freibeträge werden erhöht. Das soll dem Trend entgegenwirken, dass immer mehr Studenten und Schüler aus dem Kreis der Bafög-Berechtigten rausfallen, weil die Einkommen der Eltern steigen. Zudem gibt es künftig mehr Bafög: Der Höchstbetrag steigt in zwei Stufen von jetzt 735 auf 861 Euro im Monat.

Anlässlich der neuen Zahlen sagte der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks (DSW), Achim Meyer auf der Heyde, die Bafög-Reform sei überfällig gewesen. Schülerinnen und Schüler sowie Studierende sollten jetzt ihren eventuellen Bafög-Anspruch einfordern und einen Antrag stellen. Das Studentenwerk wirbt auch mit einer Plakatkampagne dafür, sich lieber das Geld vom Staat zu sichern, als sich in stressigen Nebenjobs aufzureiben.

Der SPD-Bildungsexperte Oliver Kaczmarek sagte der Deutschen Presse-Agentur, man sorge dafür, dass wieder mehr Menschen Bafög erhalten werden. «Das Bafög ist wieder eine echte Alternative zum Nebenjob und ermöglicht es den Geförderten, sich voll auf ihre Ausbildung zu konzentrieren.»

Kritiker bezweifeln, dass die Reform Wirkung zeigen wird, und fordern weitergehende Änderungen. «Die Bundesregierung wird sich daran messen lassen müssen, ob ihre halbherzige Bafög-Reform breiteren Schichten den Zugang zu Bildung ermöglicht», teilte die Abgeordnete Nicole Gohlke mit, die in der Linksfraktion im Bundestag für das Thema zuständig ist.

Der bildungspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Kai Gehring, verwies auf stark gestiegene Lebenshaltungskosten für Studenten. Die in Kraft getretenen Bafög-Erhöhungen seien zu niedrig. «Sie reichen nicht einmal aus, um die Preissteigerungen seit Herbst 2016 aufzufangen», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Empfänger sollten außerdem später nichts mehr zurückzahlen müssen, dann würden «Verschuldungssorgen entfallen und alle Studienberechtigten einen Anreiz erhalten, ein Studium tatsächlich aufzunehmen».

Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Jens Brandenburg, sagte: «Die aktuelle Mini-Reform ist nur ein längst überfälliger Inflationsausgleich». Das Bafög brauche eine grundlegende Reform zu einer elternunabhängigen Förderung. «Der Zugang zum Studium darf keine Frage der sozialen Herkunft sein.»

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dpa

dpa

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Veröffentlicht am:
02. 08. 2019
16:29 Uhr

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