Topthemen: Globe TheaterHSC 2000 CoburgBBC CoburgStromtrasse

 

Wie werde ich Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte/r?

Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte haben oft eine große Verantwortung: In Verträgen für den Hauskauf muss jede Formulierung stimmen. Und Gerichtstermine und Fristen müssen sie im Blick haben. Für Mandanten einer Kanzlei sind sie oft der erste Ansprechpartner.



Gespräche mit Mandaten
Auch das Gespräch mit Mandaten gehört zu den Aufgaben der angehenden Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten Lisa Walter, hier ihrem Chef Jan Witter (r.). Foto: Carmen Jaspersen   Foto: dpa » zu den Bildern

Interesse am Thema Recht und die Verbindung zu Menschen: Beides gefällt Lisa Walter an ihrer Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten. Die 22-Jährige befindet sich am Ende ihres zweiten Lehrjahres. Sie lernt in der Rechtsanwalts- und Notarkanzlei s2h in Bremen.

Sie erzählt: «Insgesamt gefällt mir eigentlich alles an dem Beruf. Momentan bin ich im Bereich Notariat, fertige Kaufverträge an und habe Kontakt zu den Mandanten.» Vor allem das eigenständige Arbeiten macht ihr Freude.

Auch Ronja Tietje vom Bundesvorstand der Deutschen Vereinigung der Rechtsanwalts- und Notariatsangestellten in Berlin sagt: «Man kann unheimlich selbstständig arbeiten.» Im Team mit dem Anwalt könnten Fachangestellte viel gestalten - das mache die Sache spannend. Allerdings erklärt sie: «Es ist auch viel PC-Arbeit und trockene Recherche in Gesetzesbegründungen oder juristischen Datenbanken.»

Bewerber sollten sprachlich fit sein. «Der Beruf lebt von der Sprache», sagt Tietje. Zudem sind gute Deutschkenntnisse - inklusive guter Grammatik und Rechtschreibung - sowie Mathematik gefragt. «Wir haben viel mit Zahlen zu tun, etwa im Bereich der Zwangsvollstreckung oder Gebührenabrechnung. Trotz all der entsprechenden Software braucht man schon mal Zins- und Prozentrechnung.» Auch Englischkenntnisse werden immer wichtiger.

«Das Berufsbild wandelt sich vom bloßen Zuarbeiter oder der Schreibkraft zum qualifizierten Sachbearbeiter», sagt Rechtsanwalt Jan Witter, der sich bei s2h um die Gestaltung der Ausbildung kümmert. Er nennt weitere Voraussetzungen etwa die Fähigkeit strukturiert und analytisch zu denken. Der Umgang mit Menschen sollte den künftigen Fachangestellten ebenfalls liegen. Ein bestimmter Schulabschluss ist meist nicht erforderlich. «In den letzten Jahren haben sich bei uns aber eigentlich nur Abiturienten oder junge Leute mit Realschulabschluss beworben. Oder jemand, der auf der höheren Handelsschule war.»

Die duale Ausbildung dauert drei Jahre. Sie findet in der Regel in der Berufsschule und in der Kanzlei statt. «In der Schule lernt man mit dem Gesetz umzugehen, wie Urkunden aufgebaut sind, wie ein Rechtsstreit zustande kommt, wie Urteile aussehen, was für Rechtsbehelfe man einlegen kann - man bekommt eigentlich alles beigebracht, was man grundlegend benötigt», zählt Lisa Walter auf.

Je nach Bundesland kann man einzeln oder kombiniert die Ausbildung zum Rechtsanwalts- und Notariatsfachangestellten machen. Die Ausbildungsverordnung wurde vor rund drei Jahren komplett geändert, erklärt Witter. Seitdem werde kein Inselwissen mehr angehäuft. Stattdessen lernen die Azubis in einem fachspezifischen Kontext.

Die Ausbildungsvergütung hängt stark von den Empfehlungen der zuständigen Rechtsanwaltskammer ab. Im ersten Jahr bekommen die Azubis laut Tietje meist rund 600 Euro. Lisa Walter bekommt über drei Jahre gestaffelt zwischen 650 und 1000 Euro.

Die Chancen auf eine Anstellung nach der Ausbildung sind gut. Nicht nur die Kanzleien haben Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern, auch in der Wirtschaft oder Fachverwaltungen im öffentlichen Dienst gibt es Stellen. Manch einer legt nach der Ausbildung noch den Fachwirt obendrauf. Walter kann sich gut vorstellen, eine Weiterbildung zur Notarfachwirtin zu machen. «Das ist momentan der Bereich, der mir sehr gut gefällt. Da arbeite ich recht selbstständig, und das liegt mir sehr. Als Fachwirtin übernimmt man noch mehr Verantwortung.»

Veröffentlicht am:
12. 07. 2018
09:51 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Ausbildungsverordnungen Auszubildende Berufsbilder Geister Kanzleien
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Skizzen und Entwürfe

12.11.2018

Wie werde ich Manufakturporzellanmaler?

In mühevoller Handarbeit verzieren sie Tafelservices, Vasen und Teller - nach Vorlagen oder mit selbst entworfenen Dekors. Manufakturporzellanmaler benötigen neben künstlerischem Talent und einer ruhigen Hand auch gute N... » mehr

Anita Majnovic

11.02.2019

Wie werde ich Industrieelektriker/in?

Kabel verlegen und Schaltschränke checken, Stromkreise verdrahten und auf Fehlersuche gehen: Industrieelektriker sind Tüftler mit Hang zu Strom und Schaltungen. Der Beruf ist so vielfältig, dass er in den verschiedensten... » mehr

Angehende Softwareentwicklerin

24.12.2018

Wie werde ich mathematisch-technischer Softwareentwickler?

Sie sind kreative Tüftler, Programmierprofis und Kundenberater: Die Tätigkeit von Softwareentwicklern ist anspruchsvoll. Von der Wettervorhersage bis zur Personaldatenbank - die Fachleute erfüllen unterschiedlichste Wüns... » mehr

Mario Vallendar

03.12.2018

Wie werde ich Destillateur/in

Korn, Likör und Obstbrand in der Ausbildung? Wer Destillateur wird, feilt an der richtigen Rezeptur von Schnäpsen. Dass aus Rohstoffen ein edler Tropfen wird - dafür sorgen die Spezialisten mit einem feinen Geschmacks- u... » mehr

Ausbilder Hartwig Kaiser

26.11.2018

Wie werde ich Produktprüfer/in Textil?

Ob Teppichböden, Nylonstrümpfe oder Webwaren: Produktprüfer Textil untersuchen Waren beim Hersteller auf mögliche Mängel und beheben sie. Dafür benötigen sie ein gutes Auge und eine schnelle Auffassungsgabe. » mehr

Orthopädietechnik-Mechanikerin

29.10.2018

Wie werde ich Orthopädietechnik-Mechaniker/in?

Orthopädietechnik-Mechaniker fertigen individuelle Hilfsmittel für Menschen mit körperlichen Einschränkungen. Dafür braucht es nicht nur geschickte Hände, sondern auch Einfühlungsvermögen für die Patienten. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
12. 07. 2018
09:51 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".