Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: CoronavirusVideosCotubeBlitzerwarner

 

Wenn Wohnungspflanzen Haustieren zur Gefahr werden

Für Menschen sind sie kleine grüne Oasen, doch für die Haustiere kann das Knabbern an Aloe Vera, Azalee, Amaryllis & Co schlimmstenfalls tödlich enden. Tierhalter sollten daher prüfen, ob ihre Zimmerpflanzen giftig sind.



Katzengras
Katzenbesitzer sollten ihren Tieren Katzengras anbieten. Steht es nicht zur Verfügung, kauen Katzen an anderen Pflanzen.   Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn » zu den Bildern

Ihre Blüten sind fröhliche Farbtupfer, ihr Grün erfreut das Auge der Menschen, und sie sorgen für ein gutes Raumklima. Für Haustiere haben Zimmerpflanzen allerdings weniger positive Eigenschaften.

Knabbern Hund, Katze oder Wellensittich an Blättern, kann das üble gesundheitliche Folgen haben - von tränenden Augen über Durchfälle bis hin zu Apathie oder Zitterkrämpfen. Herrchen und Frauchen sollten sich deshalb frühzeitig darüber informieren, ob ihr dekoratives Grün den tierischen Mitbewohner krank machen kann.

Vorsicht bei Pflanzen aus den Tropen

Denn viele der in Deutschland üblichen Zimmerpflanzen stammen ursprünglich aus den Tropen. «In ihrer heißen, feuchten Heimat benötigen sie giftige Wirkstoffe, um sich gegen natürliche Fressfeinde zu wehren», erläutert Heike Boomgaarden. Die Gartenbauingenieurin und Pflanzenexpertin hat ein Buch über giftige Pflanzen verfasst. Trauriger Anlass war, dass in ihrem Umfeld ein junger Hund verstarb - weil der Halter mit zuvor frisch geschnittenen Oleanderzweigen Stöckchen geworfen hatte. Der Hund apportierte brav - und bezahlte mit seinem Leben.

Pflanzendoktorin Boomgaarden sieht Aufklärungsbedarf: «Tierbesitzer sind durchaus manchmal verunsichert und fragen sich, ob sie ihr Zuhause eventuell mit toxischen Zimmerpflanzen schmücken.» Je nach Temperament und Charakter des Haustieres lockt das dekorative Grün zum Knabbern oder Kauen. «Hunde nagen tendenziell eher seltener an Pflanzen als Katzen», erklärt Astrid Behr vom Bundesverband Praktizierender Tierärzte. Allerdings sollte man Welpen gut im Auge behalten. «Mit ihnen ist es wie bei kleinen Kindern - die sind neugierig, entdecken die Welt und sammeln Erfahrungen. Da passiert es, dass etwas ins Maul wandert, was dort nicht hingehört.»

Dass hingegen eine Katze an Pflanzen knabbert, entspricht ihrem natürlichen Verhalten. Der Genuss von Gras erleichtert das Hervorwürgen von Haarballen, die beim Putzen des Fells in ihrem Magen landen. Deshalb sollte ihr Besitzer immer auch Katzengras anbieten. «Steht das nicht zur Verfügung, kauen Katzen an anderen Pflanzen», weiß Behr. Je nachdem, welche Pflanze angeknabbert wird, drohen böse Folgen: Aloe Vera etwa mag ein geschmeidiges Zaubermittel für die Haut sein. Kauen allerdings Haustiere am Blütenstand, kann das Durchfall auslösen. Auch die Amaryllis lässt den Darm rebellieren - Durchfall, Erbrechen, Apathie und Zitterkrämpfe können folgen.

Pures Gift für Katzen

Azaleen enthalten Acetylandromedol, das Herz-Kreislauf-Probleme auslösen kann. Das Gift führt zu rauschartigen Zuständen mit vermehrtem Speichelfluss, Taumeln, Apathie und Erbrechen. «In besonders schweren Fällen können Krämpfe, Koma und Herzversagen die Folge sein», warnt Jana Hoger, Fachreferentin bei der Tierrechtsorganisation Peta. Auch Alpenveilchen bescheren Tieren Magenbeschwerden und Brechdurchfälle. Die Calla ist ebenso schön wie gefährlich. Ihr Verzehr führt zu Bauchbeschwerden, Reizungen der Mundhöhle, Gleichgewichtsverlust, Zittern, Krampfanfällen, Atemstillstand - im schlimmsten Fall endet der Genuss tödlich.

Stellen Tierhalter fest, dass etwas Ungesundes verschlungen wurde, heißt die Devise «Ruhe bewahren» und «so schnell wie möglich ab in eine Tierarztpraxis», so Astrid Behr. «Für den behandelnden Tierarzt ist es hilfreich, wenn es Hinweise auf den Auslöser der Symptome gibt.» Wer einen kühlen Kopf in dieser Situation bewahrt, bringt am besten die Pflanze, an der das Tier gekaut hat, mit in die Praxis.

Als Ersthilfe sollten Besitzer die Atemwege ihres Lieblings freilegen (Maul öffnen, Zunge nach vorn ziehen, Schleim oder Erbrochenes entfernen) und den Kreislauf durch Herzmassage wieder in Schwung bringen. «Sieht das Zahnfleisch des Tieres bleich, fast porzellanfarben aus, kann das ein Hinweis auf einen Schockzustand sein», sagt Jana Hoger.

Veröffentlicht am:
05. 04. 2019
04:54 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Aloe Vera Erbrechen Giftstoffe Haustiere Tierhalterinnen und Tierhalter Zimmerpflanzen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Gebettet in einer Urne

20.09.2019

Welches Tier darf ich im Garten begraben?

Wenn das Haustier stirbt, ist Trauer angesagt. Und es stellt sich die Frage: Wohin mit dem toten Tier? In den meisten Fällen bieten sich vier Alternativen an. » mehr

Videoüberwachung bei Katzen

26.06.2020

Was bringt Smart Home fürs Haustier?

Der Fortschritt der Technik geht auch an Hunden und Katzen nicht vorbei. Sie können rund um die Uhr überwacht, von Automaten gefüttert werden. Manche Neuerungen sind sinnvoll, andere verzichtbar. » mehr

Hester Pommerening vom Deutschen Tierschutzbund

25.06.2020

Warum Zeckenschutz bei Hund und Katze sinnvoll ist

Um Krankheiten vorzubeugen, sollten Haustiere gar nicht erst von Zecken befallen werden. Die Bandbreite an Mitteln ist groß - doch nicht jeder Wirkstoff passt zu jedem Tier. » mehr

Haustiere aus Tierheimen

15.06.2020

Heimtiere in der Krise stark gefragt

Abstand halten und möglichst wenig Kontakt mit anderen Menschen: In der Corona-Pandemie kann man sich schnell einsam fühlen. Ein Haustier kann da Abhilfe schaffen. Tierheime raten von einem impulsiven Kauf allerdings ab. » mehr

Heidi Bernauer-Münz

29.11.2019

So bekämpft man den Katzenfloh

Flohkot oder nur normaler Dreck? Tierhalter sollten aufmerksam hinschauen. Denn hat sich der Floh einmal einquartiert, kann es nicht nur stressig, sondern auch gesundheitsgefährdend werden. » mehr

Blutegel-Therapie bei Tieren

10.01.2020

Blutegel-Therapie bei Tieren

Die Behandlung mit Blutegeln hat eine lange Tradition. Ihr Speichel wirkt schmerzlindernd und entzündungshemmend, Nebenwirkungen gibt es kaum. Auch bei Haustieren kann das die Heilung unterstützen. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
05. 04. 2019
04:54 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.