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Interview

Andrea Berg: "Am Ende ergibt alles einen Sinn"

Schlagerstar Andrea Berg ist mit ihrem 17. Album „Mosaik“ – genau wie mit den acht Vorgängern – ein Nummer-eins-Erfolg gelungen. Sie geht mit den neuen Songs auf Tour.



Andrea Berg
  Foto: PR

Frau Berg, wofür steht der Albumtitel „Mosaik“?
Für das Leben. Es ist überraschend, bunt und unberechenbar. Und das Schöne ist: Am Ende ergibt alles einen Sinn. „Mosaik“ ist der letzte Song, den wir aufgenommen haben. Er fügt das Album, das sehr facettenreich ist, perfekt zusammen. Außerdem ist der Titel auch ein Symbol.

Wofür?
Für uns alle. Jeder von uns ist ein Teil des Mosaiks, und wir zusammen ergeben etwas Wunderbares. Jeder Mensch hat das Recht, geliebt zu werden. Wir Menschen sollten tolerant sein, keine Vorurteile haben. Warum gehen wir nicht aufeinander zu? Wir dürfen nicht so egoistisch sein und uns selbst so wichtig nehmen, nicht gleich über jeden ein Urteil fällen, weil er vielleicht nicht so aussieht wie wir, weil er an einen anderen Gott glaubt oder weil er gleichgeschlechtlich liebt. Verdammt noch mal, jeder von uns will doch nur ein kleines bisschen glücklich sein.

Sie singen „In jedem Scherbenmeer seh‘ ich ein Mosaik“. Überhaupt sind die neuen Lieder voller zuversichtlicher Botschaften. Selbst sehr unschöne Situationen drehen Sie in Ihren Texten noch irgendwie ins Positive. Haben Sie generell die Gabe, noch dem größten Mist etwas Gutes abzugewinnen?
Ja, das ist so. Und ich empfinde das als ein großes Geschenk. Worüber soll ich mich denn auch aufregen? Ich habe zu essen, mein Kind ist gesund, meiner Mutter geht es gut. Ich bin über jeden Augenblick des Lebens wirklich dankbar. Und ich habe richtig viel positive Energie in dieses Album gesteckt. Die Liebe ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt. Vielleicht schaffe ich es mit „Mosaik“ wieder, Menschen mitzunehmen, in den Arm zu nehmen und zu trösten. Vielleicht sagen sie dann „Komm, Schwamm drüber, die Berg hat recht, was rege ich mich auf?“ Wer weiß, was morgen ist. Also lasst uns heute das Leben feiern.

Wie gehen Sie mit Kritik im Internet um?
Gelassen. Wenn der eine oder andere schreibt „Die Berg ist bescheuert“, na ja. Von 500 Leuten sagen 498 „Super, kann man klasse drauf tanzen, tolle Frau“. Und zwei sagen: „Was muss sie denn in ihrem Alter noch so kurze Röcke tragen? Das geht gar nicht!“ Dann beschäftigte ich mich doch nicht mit den zwei negativen Kommentaren. Warum soll ich mir den Tag versauen wegen Menschen, die vielleicht noch nicht mal mit mir ein Problem haben, sondern mit sich selbst?

In „Steh auf“ singen Sie „Hör doch auf, die Welt so schwarz zu sehen“.
Ja, es gibt Menschen, die im Selbstmitleid förmlich ersticken. Vor einem Scherbenhaufen zu stehen, ist nicht das Problem, das passiert jedem von uns. Man muss nur den Mut haben, etwas an seiner Situation zu ändern. Dieter Bohlen hat letztes Jahr zu mir gesagt, „Ich habe keinen Bock mehr, im Studio zu arbeiten, ich kann und will das nicht mehr.“ Wir haben nach einem stundenlangen Gespräch über den Sinn des Lebens zwei wunderbare Songs geschrieben, nämlich „Davon geht mein Herz nicht unter“, und „Du musst erst fallen“. Ich finde es geil, dass er jetzt seine Band wieder zusammen holt, auf Tour geht und darauf pfeift, was die Leute darüber denken.

Haben Sie Tipps, wie man eine positivere Haltung zum Leben bekommt?
Zum Beispiel, indem man Tagebuch schreibt. Ich setze mich seit vielen Jahren abends hin und halte fest, welche schönen Sachen ich an dem Tag erlebt habe. Ich schreibe alles auf, egal, ob ich mit dem Uli im Wald war, oder ob ich mit Réné (Baumann, DJ Bobo, Co-Songschreiber- und Produzent) drei Stunden in Key Largo mit dem Kanu durch die Mangroven unterwegs bin und plötzlich das erste Manity meines Lebens sehe.

Das was?
Manity. Eine Seekuh. Sie kam zu uns an den Steg und hat Wasser getrunken. Ich will damit sagen, wir fokussieren uns viel zu sehr auf die Dramen und Katastrophen im Leben. Wir haben verlernt, dankbar zu sein für alles, für den Sonnenschein, für die Liebe, die wir geben und bekommen, und einfach dafür, dass wir morgens aufwachen. Dass das nicht selbstverständlich ist, nehmen wir oft erst wahr, wenn wir erfahren, dass jemand gestorben ist, der in unserem Alter war.

Im Text von „Es geht mir gut“ geht es der Protagonistin allerdings überhaupt nicht gut. Sie wird von ihrem Mann verlassen, und das auch noch für eine Frau, die halb so alt ist wie sie selbst.
Ja. Im Grunde eine Situation, die absolut bitter ist. Aber auch da ist entscheidend, was daraus folgt: Klar, ich bin wütend, eifersüchtig, verliere mein Selbstwertgefühl und würde der Neuen am Liebsten, sorry, eine aufs Maul hauen. Doch ein halbes Jahr später? Habe ich den Mann meines Lebens gefunden, bin glücklich und verliebt wie nie. Ich bin überzeugt: Schlechte Zeiten sind wichtig, aber sie gehen vorüber. Und alles hat seinen Sinn.

Tut es besonders weh, wenn die Neue deutlich jünger ist?
Sicherlich, ich kenne das aus dem Bekanntenkreis. Aber das ist halt gang und gäbe. Ich halte es jedoch für einen Trugschluss zu denken: „Die Beziehung ist langweilig, ich hole mir eine Neue, die ist 30 Jahre jünger und hat vielleicht einen knackigeren Po, und mit der werde ich nun glücklich“. Denn auch das Neue nutzt sich ab. Natürlich ist es viel mehr Arbeit, sich mit dem Partner auseinanderzusetzen. Aber unterm Strich ist das, was wir miteinander durchmachen und aushalten, wo wir uns auch finden und gegenseitig vertrauen, viel intensiver und schöner als sogenannte kurze Abenteuer.

Können Sie sich vorstellen, sich in einen Mann von Mitte 20 zu verlieben?
Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen, mir ist das auch noch nie passiert. Aber mein Gott, die Liebe lässt sich nicht in ein Raster stecken, alles ist grundsätzlich möglich. Ich bin auch nicht dafür, bedingungslos aneinander festzuhalten. Eh man aneinander krank wird, sollte man sich wirklich trennen. Aber bevor man aneinander krank wird, sollte man sich miteinander auseinandersetzen.

Sie sind seit 2007 mit Uli Ferber verheiratet. Was tun Sie beide für Ihre Liebe?
Auch wir verlieren uns nach all den Jahren manchmal im Alltag, dieses etwas sprachlose, selbstverständliche Aneinander-vorbei-leben kennt wahrscheinlich jeder, der in einer langjährigen Beziehung lebt. Das Schöne ist: Man kann gegensteuern, sich Auszeiten nehmen und dafür sorgen, dass das gemeinsame Leben spannend und schön bleibt. Wir beide sind wirklich angekommen, wir lassen jetzt Dinge einfach los. Und seit die Kinder erwachsen sind, machen wir auch wieder öfter was als Mann und Frau, gehen einfach mal ein paar Tage Skifahren und nehmen uns Zeit. Sich miteinander zu beschäftigen, zu lachen und zu tanzen, das frischt die Liebe auf.

„Danke, dass es dich gibt“ haben Sie für Ihren Mann geschrieben. Wie reagiert er darauf?
Das ist ihm ein bisschen unangenehm, denn als Schwabe ist der Uli nicht sehr extrovertiert. Als ich ihm das Lied vorspielte, meinte er nur „Ja, schön“. Eigentlich schon wieder total niedlich. So ist er eben. (schmunzelt)

Sie sind beide sehr erfolgreich und vielbeschäftigt. Können Sie Stress gut ausblenden?
Ja, das können wir. Natürlich wird auch nach Feierabend noch über das Geschäft diskutiert, wir arbeiten ja auch eng zusammen, aber wir können auch gut einfach mal nicht Andrea Berg und Uli Ferber sein. Sondern den ganzen Sonntagnachmittag mit den Hunden im Wald wandern gehen. Gerade wenn es auf Tour geht, haben wir nicht so viel Zeit zusammen, doch diese verbringen wir ganz bewusst miteinander. Und dazu gehört dann auch, dass ich mit ihm zu den Heimspielen der SG Sonnenhof Großaspach oder des VfB Stuttgart gehe und bei Gegentoren sein Händchen halte (lacht).

Die allererste Zeile des Albums heißt „Ich bin frei, ohne Wenn und Aber“ aus dem Song „Mosaik“. Was bedeutet „Freisein“ für Sie?
Akzeptieren, was ist und sich darüber freuen, was kommt. Mich nicht den Erwartungen anderer Menschen auszuliefern und mich nicht irgendwo reinstecken zu lassen, wo ich nicht hinwill.

Haben Sie diese Freiheit erreicht?
Ja und in voller Konsequenz. Vorher dachte ich, ich muss gewisse Kompromisse machen. Ich muss aber gar nichts. Alles, was ich mache, mache ich aus Liebe. Sonst bin ich auch nicht gut. Ich stehe jeden Morgen um 7 Uhr auf und arbeite an sieben Tagen die Woche. Und zwar weil ich es will. Ich habe keinen Stress, sondern bin dankbar für jeden Augenblick und dafür, die Dinge tun zu dürfen, für die ich brenne.

Xavier Naidoo hat zwei Songs für Sie geschrieben, „Das Wunder des Lebens“ und „Ich bin wegen dir hier“, ein Freundschaftslied, das Sie im Duett singen. Woher kennen Sie beiden sich?
Xavier kam 2016 zu mir, um mich zu fragen, ob ich mitmachen möchte bei „Sing meinen Song“. Ich mochte ihn direkt, und ich sagte ihm, dass ich menschlich jeden Wunsch erfüllen würde, aber dass ich nicht in die Sendung gehen kann.

Warum nicht?
Ich finde die Sendung absolut super und wertig, aber ich konnte in dem Moment nicht zusagen. Ich habe nicht rumgeeiert, sondern es direkt zu ihm gesagt. Er hat wunderbar darauf reagiert und mir gesagt, dass er es toll fände, wie ehrlich ich bin. Dann haben wir uns verabredet, dass er auf meinem Album mitarbeitet. Ich finde, man hört, dass da nicht nur zwei Stimmen am Werk sind, sondern auch zwei Seelen.

„Geh deinen Weg“ haben Sie Ihrer Tochter Lena gewidmet, die jetzt 20 ist.
Ja. Und dazu allen anderen Mamas und Papas, die loslassen müssen. Ich bin sehr stolz auf meine Tochter, Lena ist so selbständig und erwachsen geworden. Letztes Jahr waren wir zusammen auf Safari, neun Tage lang haben wir von morgens fünf bis tief in die Nacht Tiere beobachtet. Lena hat die ganze Zeit fotografiert. In der sengenden Mittagssonne haben wir Stunden dagestanden und darauf gewartet, dass der Leopard, der oben auf dem Baum sein Schläfchen hält, vielleicht mal runterkommt. Mich hat fasziniert, wie geduldig sie war. Und wir sind bei Sonnenuntergang mit dem Heißluftballon über die Serengeti gefahren. Das war magisch. Überhaupt war das der schönste Urlaub meines Lebens.

Nur Sie beide?
Mit zwei guten Freunden. Ich war nie so ein reiselustiger Typ, Kofferpacken ist für mich immer wie zur Arbeit fahren gewesen, aber dann haben wir ziemlich spontan beschlossen, was richtig Geiles zusammen zu machen und uns was von der Welt anzugucken. Nachts haben wir im Zelt geschlafen, während draußen die Löwen brüllten. Unheimlich, aber toll.

Hatten Sie Angst?
Nein, wir waren gut behütet von den Rangern. Wir sind auch nur in Camps gegangen, in denen die Natur beschützt wurde, nicht in diese Massendinger, wo du dem Löwen mit deinem Jeep noch über den Fuß fährst, wenn er nicht schnell genug zur Seite springt.

Überhaupt engagieren sich die Jugendlichen gerade sehr für die Umwelt und den Klimaschutz. Was denken Sie darüber?
Ich finde es sehr gut, über diese Dinge zu reden und sich zu engagieren. Umweltschutz fängt bei dir daheim an. Lena macht sich sehr viele Gedanken, zum Beispiel, ob der Pappbecher to go wirklich sein muss oder ob man nicht doch lieber seine eigene Tasse mitbringt.

Was macht Ihre Tochter?
Sie studiert Internationales Management. Sie hat ein halbes Jahr für ihr Studium in Dublin gelebt, jetzt ist sie wieder da und hat eine eigene Wohnung in der Nähe von uns. Wir essen fast jeden Abend zusammen. Sie ist sehr in die Familie und auch in den Betrieb involviert. Sie könnte natürlich später bei uns im Hotel einen Posten übernehmen, aber sie muss nicht. Ich möchte, dass mein Kind seine eigenen Wege geht.
    

Andrea Berg auf Tour

Der Schlagerstar geht auf „Mosaik-Live Arena Tour“ und gastiert am 13. März um 20 Uhr in der Messehalle in Erfurt und am 14. März um 20 Uhr in der Arena in Nürnberg.  Karten gibt es bei uns.

Autor

Das Gespräch führte Steffen Rüth
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
23. 12. 2019
06:00 Uhr

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Das Gespräch führte Steffen Rüth

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23. 12. 2019
06:00 Uhr



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