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Interview

Andreas Gabalier: "Stillstand ist der Tod"

Andreas Gabalier ist ein begnadeter Entertainer und der Erfinder des Volks-Rock’n’Rolls. Seine Alben und Konzerte sind sehr gefragt. Im Sommer geht er wieder auf Tour.



Andreas Gabalier
  Foto: Sepp Pail/StallRecords

Was war es für ein Gefühl, Ihr aktuelles Album Album in der Stadt einzuspielen, in der Elvis Presley und Johnny Cash viele ihrer Hits aufgenommen haben?
In Nashville sind nur kleine Teile entstanden. Wir haben die Platte auch in Los Angeles, London, Berlin und bei mir zu Hause produziert. Ich habe eigentlich eine Einladung vom Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz nach LA bekommen. Bei der Gelegenheit sind wir auch noch nach Nashville geflogen, um dort das Fundament für die Songs mit Rock-Attitude aufzunehmen. Es ist aber kein zweites Nashville-Album. Und in London machten wir „Hinterm Horizont“ und „Loving Arms“. Ich habe mich bemüht, dem Album eine eigene Farbe zu geben.

Nicht viele Österreicher nehmen Platten in Nashville, Los Angeles oder London auf. Fühlen Sie sich dort als Exot?
Wir sind immer mal wieder in den USA für Produktionen gewesen. Die haben uns in Nashville eine taffe Truppe zusammengestellt. Natürlich ist das nicht das, was sie alle Tage dort machen, aber bin ich deswegen ein Exot? Ich bin einfach gerne unterwegs und habe mir diesmal viel Zeit genommen. Ich habe sogar ein paar Tage drangehängt und in LA den Arnold besucht.

Mussten Sie den Amerikanern erklären, wo Österreich liegt?
Nein, das wissen sie alle. Schwarzenegger ist drüben ja ein Begriff. Wenn man „Austria“ sagt, denken viele gleich ans Känguru. Aber sie haben schon eine Beziehung zu uns. Österreich ist sehr beliebt bei den Amerikanern.

Arnold Schwarzenegger hat Sie in Los Angeles im Studio besucht. Sind Sie Freunde?
Ich sehe den Arnold zwei- oder dreimal im Jahr. Auch, wenn er bei uns daheim ist oder in Kitzbühel beim Skirennen. Wir gehen dann zusammen ein Eisen biegen. Er ist ein ganz Lieber. Freund ist vielleicht zu viel gesagt, aber ein sehr netter Bekannter ist er schon.

Kann Arnold singen?
Weiß ich nicht. Ich habe ihn noch nicht gefragt. Letztes Jahr hat er mich zur Abschlussfeier der Special Olympics in Graz eingeladen. Er ist da der Botschafter und wünschte sich von mir ein Lied. Arnold ist ein großer Bewunderer von mir. Er ist jemand, der Erfolge wirklich schätzen kann. Arnold ist ein Superstar, der alles erreicht hat, aber er kann immer noch sagen: „Komm, setz dich mal rein und lass und eine Zigarre rauchen und ein Glas Rum trinken“. Er weiß alles über meine Karriere. Super Kerl, echt!

Reden Sie mit ihm auch über Privates?
Auch. Über alles, was in einer oder zwei Zigarrenlängen so ansteht. Er ist ein geselliger Zeitgenosse und ein großes Idol seit meiner Kindheit. Arnold hat mir gezeigt, was alles möglich ist: Man kann aus einem kleinen Nest hinaus in die große weite Welt gehen. Umso schöner, dass ich heute mit ihm zusammensitzen und ein Bier trinken kann. Wir haben erst gestern über Skype miteinander geplaudert.

Gibt Arnold Schwarzenegger Ihnen manchmal Karrieretipps?
Seine „six rules to success“ lauten: Trust yourself! Break some rules! Don’t be afraid to fail! Don’t listen to the naysayers! Finger weg von den Energievampiren! Lass die Kritiker reden! Success will come! And give something back! Work your butt off! Diese Regeln hängen bei mir zuhause auf der Toilette.

Sie haben Matze Roska erneut mit ins Boot geholt. Warum wollten Sie keinen amerikanischen Starproduzenten?
Der Matze als Berliner lebt das österreichische Thema wirklich. Er ist stolzester Produzent und musikalischer Leiter auf der Bühne. Ich habe noch nie darüber nachgedacht, drüben wirklich Fuß fassen zu wollen. Mein Kernpublikum ist im deutschsprachigen Raum. Diese Auslandsausflüge mit Gastauftritten ergeben sich aufgrund von Sportveranstaltungen oder Wirtschaftsbeziehungen. Das wird super angenommen, aber es gibt dort nicht diesen fanatischen Fankreis wie daheim.

Auf dem Album sind ein paar kernige Rocknummern. Was ist der Grund für diese Härte?
Wir wollten den Sound, den wir live spielen, erstmals auf ein Studioalbum bringen. Meine Konzerte sind bunt gemischt von Kindergartenkindern und ausflippenden Teenagern bis zu durchtätowierten Bikern und Senioren. Diese Kraftnummern kommen immer sehr gut an. Mit dem sechsten Album verträgt das auch der Durchschnittsfan. Ich will mich weiterentwickeln. Stillstand ist der Tod. Die Gitarren habe ich zum Teil selber gespielt.

„Verdammt lang her“ ist ein Rückblick auf Ihre Jugend. Waren Sie ein wilder Teenager?
Wir haben uns ordentlich aufgeführt, ja! Das sieht man in dem rotzigen Video. Es war mir ein Anliegen, das Ganze nicht weich zu spülen. Es war damals eine aufregende und neue Zeit. Wir waren daheim vier Kinder und haben viel gefeiert. Unser Haus ist 1988 fertig gestellt worden; damals waren Luftschutzbunker noch vorgeschrieben. Das war unser Partyraum. Absolut schalldicht! Ich konnte es kaum erwarten, endlich mobil zu sein mit Moped oder Auto. Es war ein sehr prägender Lebensabschnitt mit den ersten Freundinnen.

Wie war Ihr erster Rausch?
Boah, weiß ich das noch? Wer sich dran erinnern kann, war nicht dabei. Bacardi-Cola und Whiskey-Cola waren unsere absoluten In-Getränke. Mir hat lange kein Bier geschmeckt. Das Erwachsenwerden ist ein weiter Weg; da muss man sich selbst herantasten. Ich habe alles mitgemacht.

Woran merken Sie, dass Sie einen Einfluss auf die Jugend von heute haben?
Am Erfolg meiner Konzerte, wo ich zum Teil traditionelle Werte vermittle. In meinen Liedern erzähle ich Geschichten, die ich in der Kindheit erlebt oder von meinen Eltern und Großeltern mitbekommen habe. Die Menschen sehnen sich danach, wieder etwas von Angesicht zu Angesicht zu machen. Wenn sie zu meinen Heimspielen in Kitzbühel, Schladming oder München kommen wollen, müssen sie mindestens drei Tage Urlaub machen. Sie gehen dann auch ein bisschen wandern oder sitzen im Wirtshaus, um das ganze Thema Volks-Rock’n‚Roller zu erleben. Zuhause wird die ganze Zeit auf dem Scheiß-Handy herumgewischt, aber bei mir ist es noch so wie in der Kindheit. Insofern gebe ich vielleicht etwas weiter, was heute nicht mehr so cool ist, wonach aber eine Sehnsucht besteht. Meine Heimspiele vor 70.000 Leuten sind Monate vorher ausverkauft. Ich habe die Waldbühne, die Trabrennbahn und den Hockenheimring voll gemacht.

Gibt es die „Kleine steile heile Welt“ wirklich oder existiert sie nur in der Fantasie?
Sie ist auf jeden Fall steil. Die heile Welt gibt es in gewissen Regionen bei uns sicher noch. Ich bin parallel bei den Eltern in Graz und bei den Großeltern auf dem Lande groß geworden und konnte mir von beiden Seiten des Schönste herauspicken. Meine Großeltern waren sehr bescheiden und mochten einfaches Essen. Sie haben jeden Schilling umgedreht und sich für ihre Enkel aufgeopfert. Vielleicht war das Leben auf dem Lande ein bisschen engstirnig, aber parallel habe ich die Schulbildung in Graz und die unterschiedlichen Freunde mit unterschiedlichen Einstellungen genossen. Für mich war es rückblickend eine steile heile Welt. Natürlich war nicht immer alles heil, wenn die Großeltern zum Beispiel vom Krieg erzählten. Meine Oma Maria verbrachte ihr ganzes Leben in der Küche, das würde sich heute wahrscheinlich niemand mehr antun. Noch als 90-Jährige kritisierte sie die ganzen Diskussionen über Emanzipation und Gleichberechtigung immer. Sie erzählte mir, jeder habe seine Aufgaben gehabt, und das habe funktioniert. Heute hingegen geht jeder den Weg des geringsten Widerstands und lässt sich beim kleinsten Gegenwind scheiden. Zur Zeit meiner Oma hat man mehr zusammengehalten. Ich versuche, gewisse Teile meiner Kindheit weiterzuleben. Das gefällt auch meinen Freunden, und die praktizieren das wiederum bei ihren Kindern.

Das melancholische Lied „Das Pinkerl“ hat die Botschaft: Jeder hat seine Last zu tragen.
Das ist eine Nummer im Stil von alten Wiener Liedern im Schrammelsound. Genau diese Botschaft haben mir meine Großeltern immer vermittelt. Wenn einer von uns Kindern gejammert oder mit schlechten Noten nach Hause kam, sahen sie das immer mit einem Schmunzeln.

Ist es eigentlich anstrengend, in einer Lederhose stundenlang auf einer Bühne herumzutoben?
Ja, denn Leder ist dick. Ein Auftritt ist für mich drei Stunden Sport. Ein echter Knochenjob. Nach einem Konzert bin ich klatschnass und froh, dass ich keine langen Hosen anhatte.

Trugen Sie die Lederhosen auch in Nashville?
Ja klar. Am Anfang fragten die Amis mich: „How do you clean it?“ Ich antwortete: „Never!“ Da gab es einen Aufschrei. Die sind ja alle ein bisschen prüde. Wenn ich nach Hause komme, sind die Hosen sofort weg. Damit lege ich mich nicht auf meine Couch. Am liebsten liege ich abends in Unterhosen auf meiner Kuscheldecke.

Wie viele Lederhosen braucht ein Mann?
Mindestens zehn. Die werden regelmäßig entsorgt. Und zum Waschen lege ich sie in die Badewanne und lasse sie im Schatten trocknen. Man kann sie wieder weich reiben, wenn sie zu schnell trocknen.

Verändert eine Lederhose das Beisammensein?
Ja voll! Ich sehe bei meinen Konzerten, welche Freude die Leute haben, wenn sie sich mal wieder schön machen. Das gibt es heute fast nicht mehr. Im Opernhaus bei uns sehe ich Leute mit zerrissenen Jeans und Turnschuhen. Finde ich schade! Ich habe es von den Eltern vorgelebt bekommen, dass man da zumindest eine schwarze Jeans, ein weißes Hemd und einen geputzten schwarzen Schuh trägt. Leider geht vieles davon verloren. Aber bei meinen Konzerten machen sich die Leute total gerne wieder fesch. Das ist wie bei einer Mottoparty. Alle strahlen und es gibt nie Stress.

Ihre Kritiker stellen Sie in die rechtskonservative Ecke. Wie sehen Sie sich selbst?
Ich mache einfach mein Ding. Damit ecke ich vielleicht bei vielen an, die damit gar nichts anfangen können. Dann wirst du gleich verteufelt. Wenn man solch einen Erfolg hat wie ich, gibt es auch Neider. Man muss für sich selber einen Weg finden, damit umzugehen. Ich kritisiere niemanden, weil er sich die Hosen unter den Arsch hängen lässt oder mit grünem Haar durch die Straßen läuft. Das ist mir vollkommen wurscht. Umgekehrt finde ich es sehr interessant, dass es immer wieder Leute gibt, die meinen, mich zu kennen und Urteile über mich fällen zu können.

Was hat Sie am meisten geärgert?
Als das Thema „Rechts“ aufgekommen ist, ging es um ein Motorradlied. Die drei großen Hersteller sind die Deutschen, die Italiener und die Japaner. Eine Zeitung bei uns hatte sofort Assoziationen auf die drei Achsenmächte. Es war sehr absurd, in einem Song auf sowas zu kommen. In der Championsleague kann man halt nicht ohne Gegenwind spielen.

Wird es irgendwann zur Routine, in Stadien zu spielen?
Das glaube ich nicht. Ich denke viel darüber nach, was ich anders machen könnte als im Vorjahr. Vielleicht mache ich mir manchmal zu viele Gedanken. Die Leute kommen ja eh wegen mir. Man muss das Rad nicht immer wieder neu erfinden. Jetzt gibt es eine neue Platte. Das macht alles wieder leichter.

Die österreichische Post widmet Ihnen eine eigene Briefmarkenedition. Wie kam es dazu?
Die Post hat mich gefragt; das ist eine ganz besondere Ehre. Es gibt nicht viele Österreicher, denen das zuteil wurde. Die Marken gibt es in allen Postfilialen in Österreich.

Andreas Gabalier auf Tour

Auf seiner Stadion-Tour schaut der Sänger am 13. Juli um 20 Uhr im Max-Morlock-Stadion in Nürnberg vorbei.  Karten gibt es im Ticketshop unserer Zeitung.   

 

Autor

Das Gespräch führte Olaf Neumann
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
11. 03. 2019
06:00 Uhr

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Das Gespräch führte Olaf Neumann

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Veröffentlicht am:
11. 03. 2019
06:00 Uhr



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