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Interview

Ehrlich Brothers: "Uri Geller hat uns inspiriert"

Die Zauberbrüder Andreas und Chris Ehrlich gehen mit einer neuen Show auf Tour. Wir sprachen mit ihnen über Kartentricks, ihre Show und übernatürliche Phänomene.



Ehrlich Brothers
  Foto: Ralf Larmann

Chris und Andreas, wann hat Sie das letzte Mal ein Zauberer verblüfft?
Andreas: Durch unser TV-Format „Showdown der weltbesten Magier“ haben wir schon viele tolle Zauberer kennengelernt. Manche zeigen ihre Effekte in so einer Perfektion...
Chris: Zum Beispiel Richard Turner, der blind ist. Er packt sein Kartenspiel aus, du kannst sie mischen wie du willst – und dann macht er damit die verrücktesten Kartentricks. Das ist wie Magie. Da will man auch nicht wissen, wie es geht, da ist der Respekt vor der Leistung einfach so groß.

Machen Sie selbst auch noch Kartentricks?
Chris: Immer mal wieder, es ist aber nicht unser Schwerpunkt. Ich habe das Zaubern allerdings angefangen mit Kartentricks. Ich war damals bei einem Schüleraustausch in Frankreich...
Andreas: Chris hatte dort ein bisschen Probleme, Anschluss zu finden. Also rief er mich an und fragte, ob ich ihm etwas per Post schicken könnte. Da habe ich ihm ein Kartenspiel eingepackt und dazu noch die „Große Kartenschule“ von Roberto Giobbi. Als er dann aus Frankreich zurück kam, war er richtig fit in Kartenkunststücken.

Ist es für Magier in den letzten Jahren schwieriger geworden, das Publikum zu verblüffen?
Wir stellen fest, dass die vielen Menschen, die in unsere Shows kommen, nicht unbedingt herausfinden wollen, wie jeder Trick funktioniert.
Andreas: Klar, es gibt auch die 2-3 Prozent, die es unbedingt wissen wollen, die dann auch bestimmte Thesen zu unseren Tricks aufstellen – darüber können wir dann meistens schmunzeln.
Chris: Ich denke, die Leute kommen in unsere Show, um wieder ein Stück weit Kind zu werden, um eine große Illusionsshow zu erleben und nicht um herauszubekommen, wie wir den Monstertruck erscheinen lassen.

David Copperfield hat vor knapp 20 Jahren eine „Teleportation“ vorgeführt, mit einem Zuschauer verschwand er von der Bühne und wurde kurz darauf auf einer Leinwand an einem Strand gezeigt. Würde so eine Illusion heute noch jemanden verblüffen?
Chris: Copperfield führt diesen Trick heute nicht mehr auf. Wahrscheinlich, weil er gemerkt hat, dass andere Illusionen von ihm stärker oder in der heutigen Zeit aktueller sind.
Andreas: Das war damals auch eine andere Zeit. Du konntest bei Copperfield nicht fotografieren geschweige denn Handyvideos drehen und eine Plattform wie Youtube gab es noch nicht. Das war im Prinzip wie bei Houdini, es lebte davon, was die Menschen sich darüber erzählt haben. Heute ist „Instantly“ das neue Zauberwort: Du kriegst alles sofort. Mitschnitte, egal von welcher Show, finden sich ganz schnell in den sozialen Medien.

Das hat wahrscheinlich auch für Sie Konsequenzen.
Andreas: Klar ist das für uns auch ein Thema. Wir müssen im Prinzip darauf gefasst sein, dass alles mitgefilmt werden kann und wenige Minuten später in den sozialen Medien landet.

Gibt es bei Ihnen ein Foto-Verbot?
Wir erlauben das Fotografieren bei ein, zwei Illusionen, weil wir den Leuten auch einen schönen Moment für zuhause bescheren wollen. Andererseits ist ein Fotografierverbot bei 6000 bis 8000 Zuschauern sehr schwierig durchzusetzen. Es geht dabei aber gar nicht so sehr um eine Angst vor Enthüllung, sondern auch darum, dass Zuschauer nicht genervt sind, weil der Sitznachbar ständig das Handy hochhält.
Chris: Ich finde es toll, wenn unsere Zuschauer ihr Handy einfach mal vergessen. Sich zwei Stunden auf eine einzige Sache konzentrieren – wann macht man das denn heute noch?

Ist für Sie als Zauberer die Plattform Youtube eher Fluch oder Segen?
Chris: Weder noch. Wir sind ja nicht die typischen Internet-Senkrechtstarter, sondern unser Schwerpunkt liegt auf den Live-Shows. Manche Leute werden durch Youtube auf uns aufmerksam, es gibt dort aber keine kompletten Shows von uns zu sehen.
Andreas: Als Inspirationsquelle ist Youtube ein Segen. Wenn wir neue Illusionen kreieren, suchen wir ja nach Inspiration – dafür ist dieses Medium einfach toll. Wobei wir uns insbesondere von Künstlern beeinflussen lassen, die nicht der Magier-Szene entspringen. Denn die wenigsten Magier sind zu Stars geworden. Uns interessiert zum Beispiel: Was hat Michael Jackson zu dem gemacht, was er geworden ist? Was hat er seinen Fans geboten, wie sahen die Shows aus?

Sie scherzen sehr viel auf der Bühne. Sind Ihre Gags insgeheim Ablenkungsmanöver?
Andreas: An manchen Stellen definitiv ja. Zum Beispiel wenn die Leute denken, der Trick ist schon vorbei, lenken wir sie mit einem Gag ab, um im nächsten Moment noch einen draufzusetzen. Uns ist aber generell wichtig, dass die Leute den gesamten Abend über Spaß haben. Vielleicht ist das auch ein Teil unseres Erfolgs, dass wir die Kunststücke mit Humor verbinden. Wäre es nur eine reine Zaubershow würden sich wahrscheinlich viel weniger Menschen dafür interessieren. Nehmen wir zum Beispiel die „Horror-Säge“...

… mit der Sie von Chris ‚zerteilt‘ werden.
Andreas: Dieses Kunststück könnte man natürlich auch sehr dramatisch inszenieren. Das ist es bei uns auch am Anfang, doch nach drei Minuten drehen wir das um, es wird es witzig, mein Bruder haut mit meinen Beinen ab, die fahren plötzlich Segway...

… und Chris läuft schließlich mit vier Beinen über die Bühne.
Andreas: Diese Nummer als Ganzes zu entwickeln war ein langer Prozess. Dass sich jemand komplett offen, auf dem Rücken liegend, zersägen lässt, das gab es noch nicht.
Chris: Es ist natürlich eine Weiterentwicklung der „Zersägten Jungfrau“ – genauso wie das Thema Fliegen auch schon von tausenden Magiern interpretiert wurde. Trotzdem ist nicht jede Fliegen-Illusion eine Kopie. Ein Sänger ist ja auch keine Kopie, nur weil vor ihm andere Menschen auch schon gesungen haben.

Gibt es eine Art Kodex unter Magiern, der einem das Kopieren verbietet?
Chris: Also, wer einen Zauberkasten kauft, darf die Tricks darin genauso aufführen, 1:1 kopiert vom Lehrmeister. Als Kinder haben wir auch „Hardy’s Zauberkasten“ geschenkt bekommen und Tricks daraus vorgeführt. Aber als Magier muss es irgendwann dein Ansporn sein, kreativ an die Sache heranzugehen und selbst neue Aspekte zu entwickeln. Das ist wie mit einem Instrument: Erst lernst du die Basics, deine Klaviatur. Und dann wirst du vielleicht eines Tages Komponist und arrangierst die vorhandenen Noten einfach ein bisschen anders.
Andreas: Und vielleicht klingst du am Ende immer noch ein bisschen wie dein Lehrmeister. Da gibt es bestimmte Spuren, die du nie ganz loswirst.

Welche Spuren sind das bei Ihnen?
Andreas: Natürlich sind wir als Kinder mit David Copperfield groß geworden. Als ich acht oder neun war, liefen seine Specials bei RTL, zum Beispiel ‚Der Gang durch die chinesische Mauer‘. Das hat damals eine ganze Generation beeinflusst. Copperfield hat Magie-Shows revolutioniert, indem er dem Ganzen Aspekte aus Filmen gegeben hat. Er hat die Dinge als Regisseur mitgeprägt, hat auf kleine Details geachtet und Illusionen so auf die Bühne gebracht, wie man sie wahrscheinlich genauso im Film umgesetzt hätte.

Es ist ja bekannt, dass Copperfield Ihnen Illusionen für seine Show abkaufen wollte, doch Sie sagten Nein. Wie lief das damals ab?
Andreas: Also, das war nicht einfach nur ein „Nein“.
Chris: Das war eine längere Verhandlung, bei der viele Dinge zur Diskussion standen, die uns wichtig waren. Zum Beispiel ging es um den Plan, bei Copperfields nächster Tour als Vorprogramm aufzutreten. Nachdem sich die Verhandlungen dann aber sehr lange hinzogen und wir nicht das bekommen konnten, was wir uns erhofft hatten, haben wir auf unseren Papa gehört, der meinte: Wenn David Copperfield Interesse an unseren Kunststücken hat, sind sie so gut, dass wir damit selber auf Tour gehen müssten.
Andreas: Für uns war es rückblickend betrachtet der richtige Schritt. Wir haben erst später gemerkt, wie viel Aufmerksamkeit und Medien-Interesse es weckt, wenn du einem Superstar eine Absage erteilst. Zum Zeitpunkt der Verhandlung hatten wir das nicht auf dem Schirm.

In diesem Jahr werden Sie in Düsseldorf zum zweiten Mal eine große Stadion-Show inszenieren. Was reizt Sie am Stadion?
Andreas: Als wir 2016 zum ersten Mal in einem Fußballstadion aufgetreten sind, reizte uns vor allem die Frage, ob so etwas überhaupt möglich ist: Kann man mit Zauberei fast 40.000 Menschen in einer Arena erreichen? Es hat funktioniert und war für uns ein unvergessliches Erlebnis.

Wie können Sie es schaffen, dass auch die Zuschauer auf den oberen Stadion-Rängen ‚verzaubert‘ werden?
Chris: Wir investieren für die Stadionshow viel Zeit und Geld, um mit einem großen Team von Licht- und Tonexperten die Logistik so auszutüfteln, dass man von jedem Platz aus gut hört und sieht. Dank der enormen Entwicklung in den letzten Jahren gibt es ausgefeilte Ton- und Lichtsysteme und brillante LED-Wände, die jedes kleinste Detail auf jedem Sitzplatz sichtbar machen.

Sie verbiegen Eisenbahnschienen, ein Trick, den Sie auch schon Uri Geller persönlich vorgeführt haben...
Chris: Geller war derjenige, der uns zu diesem Trick inspiriert hat. Er verbiegt Löffel, wir verbiegen Bahnschienen.

Mit dem Unterschied, dass er behauptet, über paranormale Fähigkeiten zu verfügen. Wie stehen Sie dazu?
Chris: Uri Geller hat ja nie gesagt, er sei Zauberer oder Magier, sondern er proklamiert sich selbst als „Mystifier“. Er ist eine beeindruckende Kunstfigur, er hat auch uns beeindruckt. Wie er die Kunst nennt, die er der Öffentlichkeit präsentiert, das überlassen wir ihm.

Glauben Sie denn an Übernatürliches?
Andreas: Wir sind beide sehr naturwissenschaftlich angehauchte Menschen. Trotzdem gibt es Momente in unserem Leben, wo wir an Magie glauben.

Zum Beispiel?
Andreas: Am Todestag von unserem Vater bin ich durch den Garten gegangen und an dem Apfelbaum, den ich mit ihm gepflanzt habe, hing ein einziger Apfel im Sonnenlicht. Oder bei seiner Beisetzung, da flog kurz nach Beginn ein Schmetterling durch die Kirche, die ganze Zeit. Das war bei der Trauerfeier das Hauptgesprächsthema – ob das ein Signal von unserem Papa war. Das sind Momente, die fühlen sich sehr komisch an, wenn man sie erlebt.

Ehrlich Brothers auf Tour

Mit ihrer Show „Dream & fly“ kommen die Zauberbrüder am 11. Januar um 19 Uhr in die Arena nach Nürnberg sowie am 18. Januar um 19 Uhr in die Arena nach Bamberg. Karten gibt es bei uns.

Autor

Das Gespräch führte Jakob Buhre
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
18. 11. 2019
06:00 Uhr

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Das Gespräch führte Jakob Buhre

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Veröffentlicht am:
18. 11. 2019
06:00 Uhr



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