Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Veranstaltungstipps

Faber: "Ich sehe mich nicht als Macho"

Seit seinem Debüt-Album ist der Schweizer Musiker Faber in aller Munde und allen Feuilletons. Im Interview spricht er mit uns über den Hype, politische Musik und Hochzeiten.



Faber schreibt gerne Texte voller Schwermut und Ironie. Eigentlich heißt er Julian Pollina und ist der Sohn des sizilianischen Songwriters Pippo Pollina. Foto: Stefan Braunbarth
Faber schreibt gerne Texte voller Schwermut und Ironie. Eigentlich heißt er Julian Pollina und ist der Sohn des sizilianischen Songwriters Pippo Pollina. Foto: Stefan Braunbarth  

Noch vor einem Jahr hat man in Deutschland mit Faber meistens nur Max Frisch in Verbindung gebracht. Jetzt schreiben ganz große Zeitungen über Sie und loben Ihr Debüt-Album. Wie kommen Sie mit dem Hype klar?

Live

Am 20. Februar tritt Faber im E-Werk in Erlangen auf. Karten für das Konzert gibt es im Ticketshop unserer Zeitung.

 

Wenn es so gut läuft, dann ist es natürlich mega schön. Ein Nachteil ist jedoch, dass man dadurch manchmal nicht ganz weiß, wo man gerade steht und wer man ist. Deswegen ist es wichtig, zu beobachten, was so ein Hype mit einem macht. Ob man die ganze Aufregung auch gut verkraftet oder sich dadurch verändert. Natürlich ist es schwer, sich selber von außen zu sehen, wie man auf andere wirkt. Aber ich habe viele ehrliche Leute um mich rum, die mich unterstützen. Man soll schöne Dinge nicht für selbstverständlich halten oder sich daran gewöhnen.

 

Ihr Debüt-Album "Sei ein Faber im Wind" hat größtenteils sehr gute Kritiken bekommen. Die meisten Rezensenten heben dabei besonders Ihr Alter hervor, weil sie anscheinend nicht fassen können, dass ein 24-Jähriger solche Texte schreibt. Traut man der jungen Generation zu wenig zu?

Absolut. Ich habe mich anfangs sehr gefreut, wenn es da stand, dass ich wie ein 50-Jähriger singe und schreibe. Aber eigentlich ist es wirklich seltsam. Denn nur weil wir jung sind, heißt es ja nicht, dass wir dumm sind. Ich bin 24 Jahre alt und keine vier. Also ich finde nicht, dass man in meinem Alter keine reifen Texte schreiben kann.

 

Wie ist es denn als Schweizer, durch den weniger wohlhabenden Rest von Europa zu touren?

Eigentlich freut man sich die ganze Zeit darüber, wie nett die Leute sind und wie günstig der Kaffee ist (lacht).
 

Und wie unterscheidet sich das deutsche Publikum von dem in der Schweiz?

Das Publikum in der Schweiz ist viel zurückhaltender. Es braucht immer ein bisschen mehr Arbeit, bis alle mitsingen oder tanzen. Auch nach dem Konzert ist es da anders. Die Schweizer kommen vorbei, kaufen eine CD, bedanken sich und gehen wieder. Also bloß nicht zu viel Nähe. Anders in Deutschland; da warten viele Leute darauf, ein Autogramm zu bekommen, ein Foto zu machen oder einfach mal zu quatschen.

 

Sie singen auf Hochdeutsch. Wie wird es denn in Ihrer Heimat aufgenommen ?

Es ist in der Schweiz überhaupt nicht angesagt, auf Hochdeutsch zu singen. Es findet eigentlich fast gar nicht statt. Mittlerweile haben die Schweizer es mir aber ein bisschen verziehen. Seit dem Album sind die Reaktionen wirklich besser geworden. So nach dem Motto "Er darf das". Es ist quasi eine Emanzipation der Schweiz.

 

In einigen Liedern benutzen Sie ein paar derbe Ausdrücke, die man eher aus dem Hip-Hop kennt und nicht von Singer-Songwritern. War es Ihnen wichtig, damit zu provozieren?

Ich habe einfach immer schon so geschrieben. Ich habe mir nicht überlegt, welche Ausdrücke ich jetzt benutzen soll, um besonders zu provozieren. Es ist auch nicht alles so derb. Es gibt natürlich ein paar harte Stellen auf dem Album. Es gibt aber auch ganz anständige Texte. Aber es ist überraschend, wie sehr das für Aufruhr gesorgt hat.

 

In den Medien hieß es schnell, mit Ihnen sei wieder der Macho in der Musik zurückgekehrt. Dabei handeln Ihre Lieder auch von Liebeskummer und Zurückweisung.

Ich sehe mich eigentlich auch nicht als Macho. Ich weiß, es kommt daher, dass ich in einem Lied das Wort "Nutte" benutze. Man muss das Wort aber im Kontext des Liedes verstehen. Es ist ein vielschichtiger Song, der sehr humorvoll mit einer Trennung umgeht. In meinen Augen hat das Lied nichts mit Machismus oder Sexismus zu tun. Man hätte ja auch schreiben können, dass mit Faber wieder die Politik in die Pop-Musik zurückkehrt, aber es war wohl nicht sexy genug.

 

Apropos Politik: Auf Ihrem Album positionieren Sie sich gegen Fremdenfeindlichkeit. Fehlt es den Künstlern in der Popmusik an politischer Haltung?

In meinen Songs mache ich ein wenig Politik - aber ich finde nicht, dass es jeder machen muss. Wenn jemand am liebsten und am besten Liebeslieder schreibt, ist das auch okay. Aber ich finde schon, dass viele Musiker einfach Schiss haben, es sich da mit ihren Fans zu verscherzen und sich deswegen zurückhalten. Das finde ich verkehrt.

 

Passiert es Ihnen, dass Ihre Songs auch falsch verstanden werden?

Ja, und zwar in alle Richtungen. Bei einer Show in Berlin hat zum Beispiel mal jemand von hinten geschrien: "Für Nazi-Scheiß gibt's kein Applaus" und ist rausgelaufen. Das war schon ein bisschen absurd.

 

Bevor Sie berühmt geworden sind, sind Sie auf vielen Hochzeiten aufgetreten. Würden Sie solche Auftritte Nachwuchskünstlern empfehlen?

Ja, unbedingt! Gerade für Künstler oder Bands, die wenig Shows haben, sind Auftritte bei Hochzeiten eine tolle Erfahrung. Man lernt mit dem Publikum umzugehen, bekommt Geld und man ist bei einem mega wichtigen Moment dabei. Wenn man es richtig angeht, kann man ganz schnell ganz viel spielen.

Das Gespräch führte Alina Juravel

Autor
Alina Juravel

Alina Juravel

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
25. 09. 2017
15:17 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Feuilleton Hochzeiten Interviews Max Frisch Musiker Sexismus Songs
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
New Model Army

21.10.2019

New Model Army: "Wir leben in düsteren Zeiten"

Die New Model Army blickt auf eine fast 40-jährige Karriere zurück – weltweite Fangemeinde und große Hits inklusive. Wir sprachen mit dem Sänger Justin Sullivan. » mehr

Theon Cross

16.10.2019

In Kürze

Downbeat gibt am 19. Oktober um 20 Uhr ein Konzert im Live-Club "Tec.net" in Küps. Die Stücke von Blood, Sweat & Tears und Van Morrison sind die Höhepunkte im Programm der neun Musiker. » mehr

Im Zeichen des Irish Folk

08.10.2019

Im Zeichen des Irish Folk

Das "Irish Folk Festival" steigt am 30. Oktober um 20 Uhr in der kleinen Meistersingerhalle in Nürnberg. Das dreistündige Konzert fängt immer mit ruhigen, erdigen und oft mythischen Tönen an. » mehr

Achim Reichel

07.10.2019

Achim Reichel: "Ich hatte unglaublich viel Glück im Leben"

Achim Reichel gilt als der Ur-Vater der deutschen Rockmusik. Anlässlich seines 75. Geburtstags ist das Album „Das Beste“ erschienen. Er feiert sein Jubiläum mit einer Tour. » mehr

Eric Fish

05.10.2019

Romantisch und kämpferisch

Eric Fish, Frontmann von Subway to Sally, geht solo auf Tour. Eine Ausstellung in Lauf befasst sich mit einem Jahrhundert Film- und Kinogeschichte. » mehr

Michael Schmitt

28.09.2019

Die größten Metal-Klassiker

Coverband-Institution Justice rockt die Bühne in Würzburg. Der Royal Guitar Club tritt in Küps auf. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Schwerer Unfall bei Ebensfeld Ebensfeld

Schwerer Unfall in Ebensfeld | 14.11.2019 Ebensfeld
» 9 Bilder ansehen

Festakt 30 Jahre Mauerfall in Ludwigsstadt

Festakt 30 Jahre Mauerfall | 13.11.2019 Probstzella
» 25 Bilder ansehen

Neugestaltung Bahnhof Coburg

Neugestaltung Bahnhof Coburg | 13.11.2019 Coburg
» 6 Bilder ansehen

Autor
Alina Juravel

Alina Juravel

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
25. 09. 2017
15:17 Uhr



^