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Interview

Falco-Manager Horst Bock: "Falco verdient dieses Denkmal"

1998 ist Falco ums Leben gekommen. „Falco – Das Musical“ ist eine Hommage an die Popikone. Wir sprachen darüber mit Horst Bock, dem ehemaligen Manager von Falco.



Falco - Das Musical
Alexander Kerbst als Falco   Foto: Marcel Klette » zu den Bildern

Vor rund zwanzig Jahren, am 6. Februar 1998, ist Johann „Hans“ Hölzel alias Falco bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik ums Leben gekommen. Wie haben Sie davon erfahren? Und wie war Ihre erste Reaktion?
Ich war in dieser Nacht mit Freunden aus New York in München unterwegs und ein alter Freund rief mich um fünf Uhr morgens an und erzählte mir, was da in der Dominikanischen Republik passiert war. Ich hatte die Monate über zuvor bereits immer wieder Schreckensnachrichten aus seinem Flucht-Domizil gehört, aber diese Nachricht war in diesem Moment schrecklich.

Für „FALCO – Das Musical“, das Anfang 2017 Premiere feierte, waren und sind Sie als Berater tätig. Was genau ist da Ihre Aufgabe und ist Ihnen die Entscheidung schwergefallen?
Naja, es geht darum, dass alles sozusagen seine Ordnung hat, dass Hans beziehungsweise Falco auch richtig dargestellt wird. Das war in diesem Fall aber relativ einfach, weil ich 2009 ein Buch über das Ganze geschrieben habe – und der Inhalt der Biografie ist auch die Basis für die Handlung des Musicals. Deshalb war es auch keine schwere Entscheidung zu sagen: Da mach ich jetzt mit.

Wie kann man der komplexen Persönlichkeit Falco mit einem Musical gerecht werden?
Diese Frage haben sich Autoren, Produzent, Regisseur und Darsteller auch immer wieder gestellt. Da kann man es sich natürlich leicht machen und einfach sagen: gar nicht! Das wäre aber schade gewesen – denn Falco verdient dieses Denkmal. Ich habe mich oft und lange mit dem Regisseur Peter Rein unterhalten und mit ihm diskutiert. Es ist natürlich ein schwieriger Stoff. Auf der einen Seite soll das Musical unterhalten und den Star rühmen. Auf der anderen Seite gibt es die Schattenseiten in Falcos Leben, die man nicht verschweigen kann und auch nicht verschweigen sollte. Dem Musical gelingt beides. Falco ist ja für viele Menschen nur noch eine verschwommene Erinnerung. Das Musical kann den Menschen, den Weltstar und den perfekten Live-Performer wieder frisch ins Gedächtnis bringen und einiges von der Faszination vermitteln, die Falco damals zum Weltstar gemacht hat. Die Kreativen der Show arbeiten mit Schlaglichtern, mit Episoden und Extremen – vor allem aber mit kunstvoller Exzentrik, plakativer Staffage und mit beeindruckender Live-Performance von Band, Sängern und Tänzern. Wenn überhaupt, kann man Falco auf der Bühne vielleicht nur so darstellen – und dem Hans hätte es sicher gefallen!

Und wie lange hat es gedauert, das Musical auf die Beine zu stellen?
Ach, das ging eigentlich relativ schnell, weil das eine sehr interessante Produktion ist. Es ist alles professionell gemacht – das waren einige Gespräche mit Herrn Forster (Anm. d. Red.: Produzent), da waren wir uns ganz schnell einig und dann haben wir gesagt „Das machen wir jetzt mal!“ Und die schnellen Dinge sind manchmal auch die Besten.

Für die Rolle des Falco wurden Alexander Kerbst und Stefan Wessel verpflichtet. Kann man Falco in seiner Extravaganz, seinem Auftreten und seiner Sprache überhaupt gerecht werden?
Falco auf der Bühne authentisch darzustellen ist sehr schwer. Für das, was Falco gemacht hat, haben wir ein eigenes Wort, „Falconizing“, kreiert. Die Art seine Musik zu interpretieren und gleichzeitig die typischen Falco-Attitüden zu wahren ist eigentlich unnachahmlich. Einige wenige Menschen auf der Welt können das aber. Dafür muss man einerseits ein angeborenes Talent haben und andererseits sehr viel Arbeit investieren. Auf unsere beiden Darsteller trifft beides zu.

Wie war Ihre erste Begegnung mit Falco, der damals ja noch Johann „Hans“ Hölzel hieß?
Ich hatte damals die Wiener-Anarcho-Truppe DRAHDIWABERL unter Vertrag, dort hat Hans Hölzel Bass gespielt. Nach einem Konzert in der Wiener Stadthalle haben wir uns anschließend noch zu einem späten Abendessen getroffen und da habe ich mich das erste Mal sehr ausführlich mit Hans unterhalten. Er war sehr schüchtern, aber sehr bestimmt und sprach bereits damals sehr intensiv über seine Solo-Karriere.

Wann hatten Sie das erste Mal das Gefühl, aus ihm könnte ein Star werden?
 Dieses Gefühl hatte ich von Anfang an. Er war ein interessanter Typ, sehr misstrauisch, mit sehr exakten Vorstellungen, was er wollte oder auch nicht.

„Der Kommissar“ war der Beginn von Falcos Karriere, war das ein leichter Start?
Mit Falco war nie etwas leicht. Beim „Kommissar“ gab es eine sehr intensive Diskussion, ob das eine Single-A-Seite sei. Hans selbst hielt „Helden von heut““ für wesentlich tauglicher. Als das geklärt war, begann der Ärger mit den Radio-Stationen, weil die das nicht spielen wollten. Es war ein langer Weg über die alternativen Stationen in den USA zu den deutschen Radiosendern.

„Rock me Amadeus“ machte Falco zum Weltstar, wie stand Falco zu dem Hit?
Die Diskussion mit Hans über die richtige Single-A-Seite war ein Dauerbrenner. Bei „Amadeus“ kam hinzu, dass ihm diese Nummer am Anfang nicht gefiel, er sich lange weigerte sie überhaupt aufzunehmen. Er tat es dann doch, aber es hat sehr viel Druck gebraucht. Er wollte als Wiener nichts über Mozart singen, da hatte er eine gigantische Hemmschwelle. Die Aufnahme des Titels begann er mit dem Satz: „Ich singe diesen Titel nur unter größtem Widerstand und auf Druck meines Managements“.

Ein Wort zu „Jeanny“: manche Menschen haben in dem Titel die Verherrlichung eines Gewaltverbrechens gegen ein Mädchen gesehen. Haben Sie die Aufregung um den Song verstehen können? Oder war der Skandal bewusst geplant?
Wenn man den Text nur liest, ganz ohne Video und die Bedrohlichkeit des Musikstückes, dann merkt man schnell, dass da nichts passiert. Was die Diskussion extrem befeuert hat, war der tragische Umstand, dass zur gleichen Zeit die Kinder des ZDF-Nachrichtenmannes Dieter Kronzucker entführt wurden und so eine vollautomatische Umdichtung stattfand. Man tat uns den Gefallen und hat in den „heute-Nachrichten“ fast zwei Minuten aus dem Video gespielt. Dann ging die Single durch die Decke und ist bis heute eine der meistverkauften Veröffentlichungen aller Zeiten. Wir wären ja fast fahrlässig gewesen, wenn wir die Unterstellungen nicht ausgenutzt hätten und haben dann an zwei Fortsetzungen von Jeanny gestrickt...

Wie haben Sie die Rückschläge zwischen 1988 und 1991 erlebt? Was hat das in Falco bewirkt?
Er hat selbst am besten gespürt, dass da einiges aus dem Ruder gelaufen war, einiges geändert werden sollte. Er ging dann monatelang auf Reisen rund um die Welt, hat versucht seine Mitte zu finden und war voller guter Vorsätze. Leider haben die nicht lange angehalten und die alten Probleme kamen immer wieder zurück.

Falco war bekannt für Exzesse, Arroganz und Egoismus – wie erträgt man das als Manager?
Wenn man selbst im Zentrum des Geschehens dabei ist, registriert man das zwar alles, hakt es aber schnell ab und wendet sich der nächsten Katastrophe zu. Unter vier Augen hatten wir beide ganz selten Probleme. Er hat eingesehen, wenn er Mist gebaut hatte, und versprach Besserung. Dass die nie so richtig eintrat, war langfristig die Schattenseite der gemeinsamen Verbindung, und irgendwann war das Fass dann übergelaufen.

Waren Falco und Hans Hölzel zwei verschiedene Personen?
Hans Hölzel spielt Falco war immer meine Ansage, aber häufig konnte man die beiden Charaktere nicht mehr auseinanderhalten, die Grenzen waren fließend.

Wie stehen Sie heute zu Falco?
Wir haben fast 20 Jahre unseres Lebens gemeinsam verbracht, das wird immer ein wesentlicher Teil meines Lebens bleiben. Ich bedauere sehr, dass er so früh aus dem Leben geschieden ist. Ich bin mir sicher, er hätte musikalisch noch vieles auf die Beine stellen können. Falco war immer für einen Hit gut.

Falcos Hit „Out of the dark“ ist für viele eng mit seinem Tod verbunden. Was empfinden Sie, wenn Sie diesen Titel heute hören?

Für mich war das ein Falco-Titel wie jeder andere. Die spekulative Tragödie war ja, dass der Song erst nach seinem Tod erschien. Und die ganzen Unterstellungen, wie Todessehnsucht oder Ankündigungen des eigenen Todes sind blanker Unsinn. Falco hat immer wieder von weißem Licht und unglücklichen Situationen gesungen, die haben ihn immer begleitet. Er hat gerne gelebt und wollte sicher nicht sterben.

"Falco - das Musical"

Das Musical zu Ehren von Falco ist am 27. März um 20 Uhr in der Meistersingerhalle in Nürnberg zu erleben. Karten gibt es im Ticketshop unserer Zeitung.

Autor

Das Gespräch führte Wolfgang Klauke
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
12. 03. 2018
06:00 Uhr

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Das Gespräch führte Wolfgang Klauke

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Veröffentlicht am:
12. 03. 2018
06:00 Uhr



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