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Interview

Spätestens die Rolle des Agenten Jack Bauer in der Thriller-Serie "24" machte ihn zum Weltstar: Kiefer Sutherland. Der kanadische Schauspieler ist auch Sänger und geht auf Tour.



Kiefer Sutherland hat als Schauspieler Preise wie Golden Globes und den Emmy eingeheimst. Auch als Sänger ist er erfolgreich. Foto:
Kiefer Sutherland hat als Schauspieler Preise wie Golden Globes und den Emmy eingeheimst. Auch als Sänger ist er erfolgreich. Foto:  

Mr. Sutherland, Ihr zweites Album heißt "Reckless & Me". Reizt Sie die Singerei mehr als die Schauspielerei?

Kiefer Sutherland live

Kiefer Sutherland geht mit seinem Album "Reckless & Me" auf Tour und gastiert am 8. Oktober um 20 Uhr im Technikum in München. Karten dafür gibt es bei uns.


Nein, ich liebe beide Künste. Die eine übe ich seit 35 Jahren aus, die andere seit fünf. Ich habe eine sehr genaue Vorstellung davon, was ich als Schauspieler machen will. Aber als Sänger lerne ich jeden Abend etwas dazu. Die Clubs sind immer anders, so auch die Reaktionen des Publikums. Zuweilen ist es ganz still. Das muss nicht zwangsläufig schlecht sein, es kann sogar großartig sein. Alles, was neu ist, ist für mich aufregend. Daraus versuche ich als Performer, einen Nutzen zu ziehen. Aber ich fand es auch spannend, eine dritte Staffel von "Designated Survivor" zu drehen. Das Problem ist nur, Zeit für beides zu finden. Ich gehe jetzt auf die längste Tour meines Lebens. Ich werde sieben Monate unterwegs sein und 200 Shows spielen.

Fühlen Sie sich überall zu Hause?

Der Bus ist mein Zuhause. Es gibt darin Betten und eine Couch und Platz für zwölf Leute. Ich liebe es, unterwegs zu sein, weil ich so eine tolle Band und Crew habe. Nach einer Show sitzen wir immer bei ein paar Drinks zusammen und sprechen über das, was gut und was nicht so gut lief. Dann gehen wir schlafen und wachen in einer anderen Stadt wieder auf, wo wir unsere Anlage ausladen und einen Soundcheck machen. Auf einer Tour macht man immer wieder dieselben Sachen.

Was gefällt Ihnen daran?

Ich mag die Leute, mit denen ich zusammenspiele. Es sind einige meiner besten Freunde.

Fühlen Sie sich auf Tour, als wären Sie noch einmal 25?

Ich fühle mich immer wie 25. Deswegen gehe ich nicht auf Tour. Ich tue das, weil meine Band für mich wie eine Familie ist. Auf Tour zu sein ist immer eine sehr spezielle Zeit. Wenn ich in Toronto über einen sehr langen Zeitraum eine neue Staffel von "Designated Survivor" drehe, sind meine Freunde in der Regel nicht mit dabei. Deswegen fühle ich mich beim Drehen manchmal einsam. Dies ist beim Musikmachen nicht der Fall.

Im Titelsong "Reckless & Me" erinnern Sie sich an Ihre Zeit als Rodeoreiter. Eine gute Zeit?

Als ich beim Rodeo war, fand ich es immer toll, von einer Veranstaltung zur nächsten zu reisen. Mitten in der Nacht verfrachtet man sein Pferd in den Anhänger, fährt zur nächsten Stadt und denkt über den nächsten Tag nach. Das waren wahrscheinlich die ruhigsten Momente meines Lebens. Während ich diesen Song schrieb, wusste ich mit der Zeit nicht mehr, ob er jetzt von meinem Pferd "Reckless" handelt oder von den waghalsigen Aspekten meiner Persönlichkeit. Dieses Draufgängerische ist bei mir immer da und ich versuche, es unter Kontrolle zu halten.

Wegen Trunkenheit am Steuer wurden Sie einst zu 48 Tagen Gefängnis verurteilt. Wie hat der Knast Sie verändert?

Ich saß insgesamt sogar drei Monate im Gefängnis. Der Sinn von Knast ist, dass du ihn nach Verbüßung deiner Strafe nie wieder sehen willst. Ich weiß heute, dass ich einen sehr dummen Fehler gemacht habe. Das ist kein Witz. Ich will mich auch nicht beschweren, denn der Knast hat mir dabei geholfen, zu begreifen, dass es im Leben extrem viele Möglichkeiten gibt, diese Erfahrung zu vermeiden.

Was haben Sie im Gefängnis gegen die Langeweile getan?

Ich habe viel gelesen und sehr viel Wäsche gewaschen, denn sie hatten mich in die Wäscherei gesteckt. Ich habe einfach versucht, die Zeit so gut wie möglich rumzukriegen. Ich habe viel darüber nachgedacht, wie ich dort überhaupt hinkommen konnte.

Was fasziniert Sie am Musikmachen?

Geschichtenerzählen. Das ist einer der Gründe, weshalb ich mich in den Genres Americana und Country und Western bewege. Meine Geschichten sind echt. Genau das fasziniert mich auch an der Schauspielerei.

Es gibt nur wenige, die es schaffen, sich von dem Stigma "singender Schauspieler" zu lösen. War Ihnen das bewusst?

Das war mir sogar sehr bewusst, weshalb ich zuerst Nein zu Jude Coles Vorschlag sagte. Ich wollte auf keinen Fall ausgelacht werden. Wir sind an dem Tag in eine Bar gegangen, und nach ein paar Drinks klang Judes Idee schon viel besser. Wir haben uns dann auf fünf Songs geeinigt und ich fand es wirklich toll, wie Jude diese hat klingen lassen. Zu meiner Überraschung war die Reaktion auf meine Musik sehr wohlwollend.

Was gibt Ihnen die Musik?

Bei der Schauspielerei steht zwischen mir und dem Publikum immer eine Figur. Ich bin nicht Jack Bauer, ich stelle ihn nur dar. Wenn ich aber meine eigenen Songs spiele und dazu erzähle, warum und wie ich sie geschrieben habe, ist das ein sehr wahrhaftiger Moment. Mein erstes Konzert mit einer richtigen Band hatte ich vor fünf Jahren.

Wie haben Sie sich an dem Abend gefühlt?

Ich hatte Todesangst! Das war ja alles neu für mich. Die erste Show lief nicht so gut, wie ich es erhofft hatte, aber sie machte mich neugierig. Ich wollte herausfinden, ob ich wirklich das Zeug zu einem Performer habe. Als Nächstes sind wir in einem kleinen Theater in Michigan aufgetreten. An dem Abend fing ich damit an, auf der Bühne Geschichten zu erzählen. Und plötzlich konnte ich fühlen, wie ich, die Band und das Publikum miteinander verschmolzen. Seitdem weiß ich, was ich mit meiner Musik erreichen will.

Haben Sie noch Lampenfieber?

Ich bin immer noch sehr aufgeregt vor einem Auftritt. Als ich am Broadway ein Jahr lang in dem Stück "That Championship Season" aufgetreten bin, war ich bei der letzten Vorstellung genauso nervös wie bei der ersten. Es ist aber kein Lampenfieber, sonst könnte ich ja gar nicht weitermachen. Ich bin nervös, weil ich immer sehr hohe Ansprüche an mich selbst habe. Das Zittern hört just in dem Moment auf, in dem ich anfange, die Gitarrensaiten anzuschlagen. Eine jauchzende Erleichterung, weil dann viel Energie freigesetzt wird.

Das Gespräch führte Olaf Neumann

Das ganze Interview findet sich unter

—————

www.np-coburg.de

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Veröffentlicht am:
25. 08. 2019
13:46 Uhr

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13:46 Uhr



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