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Interview

Helge Schneider ist ein Meister des absurden Humors. Er hat die Comedy in Deutschland nachhaltig geprägt. Im Sommer geht er auf Tour.



Helge Schneider beherrscht nahezu jedes Musikinstrument, singt, dreht Filme, schreibt Bücher und steht für sein Leben gerne auf der Bühne.	Foto: PR/Helge Schneider
Helge Schneider beherrscht nahezu jedes Musikinstrument, singt, dreht Filme, schreibt Bücher und steht für sein Leben gerne auf der Bühne. Foto: PR/Helge Schneider  

Herr Schneider, Ihre Geburtstagstournee heißt "Die Wiederkehr des blaugrünen Smaragdkäfers". Denken Sie manchmal ans Aufhören?

Helge Schneider live

Der Komiker geht auf "Die Wiederkehr des blaugrünen Smaragdkäfers"-Tour und tritt am 31. Juli um 20 Uhr auf Schloss Tambach bei Coburg auf. Karten gibt es im Ticketshop unserer Zeitung.


Im Jahr 2020 werde ich 65. Danach kriege ich Rente. (lacht) Ich habe ja immer eingezahlt. Vielleicht reicht das dann ja auch für die Miete. Ich kann aber jetzt noch nicht aufhören. Ich habe schulpflichtige Kinder und jede Menge Garagen gemietet, in denen ich meine Lichtanlage und das ganze andere Zeug lagere.

Wie werden Sie Ihren 65. Geburtstag feiern?

Ich habe meinen 50. gefeiert. Das muss reichen. An meinem letzten Geburtstag war ich auf Tournee. Es ist immer schön, wenn ich dann arbeiten kann, weil ich nicht so gerne Geburtstag feiere. Man muss hinterher immer aufräumen.

Sie wollen wirklich bis zu Ihrem 100. Geburtstag auf Tour gehen?

Ja mindestens! Ich halte mich fit, indem ich spazieren gehe. Ich laufe unheimlich gerne. Eine Zeit lang war ich rudern, aber das Boot muss dringend gestrichen werden.

Ihre Auftritte sind immer noch von Lebenslust und Vitalität bestimmt. Sind Sie ein Getriebener?

Ich bin sehr geerdet, aber ich bilde mir ein, den Leuten etwas zu geben. Und es ist ja auch so. Aber ich kriege auch etwas vom Publikum. Mit anderen Worten: Es macht mir Spaß. Als Künstler hat man immer das Gefühl, noch etwas anderes machen zu müssen, wie zum Beispiel eine Schallplatte. Da sitze ich jetzt auch wieder dran. Ich habe schon ein paar schöne Songs fertig. Komischerweise fällt mir manchmal etwas ein.

Der Titel "Die Wiederkehr des blaugrünen Smaragdkäfers" lädt zum Interpretieren ein. Was haben Sie sich dabei gedacht?

Ich bemühe mich manchmal, vor der Tournee dem Motto auch gerecht zu werden. Ich habe ein Lied gemacht, das diesen Titel trägt. Es handelt vom Smaragdkäfer, der die Erde beherrschte, als die Menschen noch krochen. Dann wurde er von ihnen eliminiert, aber jetzt kommt er zurück. Er ist ein Hoffnungsträger, kann aber genauso gut das Gegenteil bedeuten.

Fühlen Sie sich manchmal wie ein vom Aussterben bedrohtes Insekt?

Ich habe mich schon gefragt, wo Leute sind, die so etwas machen wie ich. Als ich anfing, gab es noch viele Jugendclubs mit Live-Musik. Ich habe gehört, in Japan rasen die Leute inzwischen in Konzerthallen, in denen Avatare auf der Bühne stehen. Künstliche Figuren, die Musik machen. Ich finde nicht so gut, vor zu vielen Leuten zu spielen, zum Beispiel in einem Stadion, was ich auch schon mal mit Udo Lindenberg gemacht habe. Für mich kommen solche Auftritte nicht infrage. Ich kann in einem Stadion nicht das vermitteln, was ich in einem kleineren Rahmen tue.

Machen Sie sich Druck, indem Sie sich größere Ziele setzen?

Nein. Ich interessiere mich auch nicht für meinen Geburtstag, aber ich muss halt immer irgendwelche Eckdaten aufmalen. Es macht auch Spaß, sich hinzusetzen und ernsthaft zu überlegen, wie man so eine Tour nennt. Den Satz "Die Wiederkehr des blaugrünen Smaragdkäfers" habe ich spontan aufgeschrieben und mir erst danach darüber Gedanken gemacht, was er bedeuten könnte.

Und dabei fallen Ihnen neue Lieder ein?

Ja. Bei einem Lied singe ich zum Beispiel immer nur "Yeah". Zuerst habe ich nur Schlagzeug gespielt, und anschließend zwei Akkorde auf der Gitarre dazu erfunden. Unser Gitarrist meinte, das sei die Titelmelodie vom blaugrünen Smaragdkäfer. Wir machen jetzt mehr treibende Musik und wollen auch ein paar neue Stücke spielen. Jede Tour ist anders, aber manche Themen tauchen immer wieder auf. Zum Beispiel "Katzeklo".

Bei Ihrer letzten Tournee war "Katzeklo" kaum wiederzuerkennen.

Ja natürlich, sonst wird es mir ja selbst langweilig. Ich singe doch nicht immer dieselben Texte.

Bekommen Sie noch häufig Anfragen von Firmen, die "Katzeklo" gern als Werbemelodie haben möchten?

Das interessiert mich gar nicht. Angebote von Werbetypen habe ich immer abgelehnt. Es fragen auch nicht mehr viele, weil heutzutage ein anderer musikalischer Style vorherrscht. Eine Mischung zwischen Rhythm ’n’ Blues, Pop, Rap und in Melodieform vorgetragenen Gedichten. Meist ernsthaft und ohne Witz. Die moderne Musik ist niederschmetternd. Ich habe das Gefühl, dass man heutzutage schnell aus dem Geschäft ist, wenn man den üblichen Anforderungen nicht genügt.

Wie entstehen Ihre Lieder?

Ich nehme sie mehr oder weniger alleine auf. Zuweilen hole ich Gottfried Puffotter dazu, und wir spielen zu zweit die Rhythmustracks ein. Den Rest mache ich allein. Manchmal kommen noch zwei, drei Leute für den Chor dazu. Aber mit einer Band arbeite ich nicht gern im Studio. Live ist das etwas ganz anderes. Letztens haben wir eine Live-Platte aufgenommen. Vielleicht ist die zur Tournee schon fertig.

Stimmen Aussagen wie "Qualität wird sich immer durchsetzen" oder "Wer gut genug ist, wird auch berühmt"?

Wenn die Qualität durchhält, wird sie sich auch durchsetzen. Aber oft zerstören die modernen Zeiten die Qualität wieder. In unserer Billiglohnzeit können sich viele gar keine Qualität leisten. Dadurch spielt sie heute nicht mehr dieselbe Rolle wie früher. Aber irgendwann vielleicht wieder, wie der blaugrüne Smaragdkäfer. Ich war noch nie der Ansicht, dass ein guter Künstler zwangsläufig Erfolg haben muss. Van Gogh zum Beispiel war zu Lebzeiten ein unbekannter Maler.

Das Gespräch führte Olaf Neumann

—————

Das ganze Interview findet sich auf unserer Homepage unter

www.np-coburg.de

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Veröffentlicht am:
15. 03. 2020
17:46 Uhr

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