Lade Login-Box.
Topthemen: Autonomes Fahren in OberfrankenDie Videos der WocheDer BachelorCotubeBlitzerwarner

Veranstaltungstipps

Interview

Loreena McKennitt: "Ich bin eine extreme Frühaufsteherin"

Loreena McKennitt ist seit mehr als drei Jahrzehnten sehr erfolgreich mit mehr oder weniger keltisch geprägten und meist recht ruhigen Folksongs. Sie tritt bald in Deutschland auf.



Loreena McKennitt
  Foto: Richard Haughton

Loreena McKennitt, ich hoffe, ich habe Sie nicht geweckt. Unser Interivew beginnt um sechs Uhr morgens.
Oh nein, keineswegs. Ich bin schon seit einer Stunde auf den Beinen. Das ist meine üblichee Zeit. Ich bin eine extreme Frühaufsteherin, immer schon gewesen. Im Sommer ist es noch krasser, da bin ich ab 4.30 Uhr munter. Ich bin auf einer Farm aufgewachsen, mein Vater war Viehzüchter, ich habe das Ausschlafen nie wirklich kennengelernt.

Was machen Sie denn um diese Zeit?
Gerade bereite ich den heutigen Unterricht vor. Ich habe eine alternative Schule ins Leben gerufen, das Falstaff Family Centre. Dort unterrichten wir in einem Kollektiv aus mehreren Familien unsere Kinder, darunter auch meinen elfjährigen Adoptivsohn. Ich bin dort Schulleiterin und Lehrerin.

Was nehmen Sie gerade durch?
Das volle Programm. Mathe, Sprachen, Naturwissenschaften. Ich unterrichte natürlich nicht alle Fächer, wir haben mehrere Lehrer. In meinen Stunden sprechen wir momentan viel über den Klimawandel. Ich finde es sehr wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen die Zusammenhänge verstehen. Heute werden wir uns zum Beispiel eine Rede von Greta Thunberg anhören und eine Dokumentation über sie anschauen.

Machen Ihnen junge Menschen wie die 16-jährige schwedische Klimaaktivistin Greta Hoffnung?
Ja. Greta ist ein sehr starkes Individuum. Ich finde sie inspirierend und meine Schülerinnen und Schüler auch. Leider ist es so, dass die meisten erwachsenen Menschen auf ihrem Leben und ihren Gewohnheiten beharren und nichts ändern wollen, um den Planeten zu bewahren. In Nordamerika sind die Leute noch bequemer und ignoranter als in Europa. Gleichwohl kippt die Stimmung gerade. Viele Leute realisieren, dass sie nicht so weitermachen können wie bisher.

Sie haben ursprünglich Tiermedizin studiert, bevor Sie Musikerin wurden.
Ja, das ist wahr. Ich war immer schon vielfältig interessiert. Ich will immer neue Dinge finden, die mich faszinieren. Das macht das Leben spannend. Meine musikalischen und gesanglichen Fähigkeiten habe ich mir selbst beigebracht, ich hatte nie eine formelle Ausbildung.

Wie sind Sie überhaupt zur Musik gekommen?
Das ging sehr langsam. Mein Vater arbeitete als Viehhändler in Winnipeg und bat mich, ihn bei der Arbeit zu unterstützen. Also fütterte ich tagsüber die Tiere und half im Büro, und abends spielte ich in kleinen Clubs Folkmusik, zusammen mit Musikern, mit denen ich mich angefreundet hatte und die auf keltische Musik spezialisiert waren.

Und das Hobby wurde zum Beruf?
Genau. 1978 kam ich unter die ersten Fünf bei einem Talentwettbewerb, und später zog ich nach Stratford, wo ich bis heute lebe, und wirkte beim „Stratford Shakespeare Festival“ als Sängerin und Schauspielerin mit. 1985 kannte ich alle keltischen Folksongs auswendig und nahm mit dem Geld, das eigentlich für mein Studium vorgesehen war, mein erstes Album „Elemental“ auf. Und ich begann, jeden Samstag vor dem St Lawrence Markt in Toronto zu singen, was recht gut ankam. 1991 tourte ich bereits durch ganz Kanada und schloss meinen ersten Plattenvertrag ab.

Haben Sie auch mal in Stratford auf der Straße gesungen?
Nein, das hatte ich mich nicht getraut. In Stratford kennt mich ja jeder. Justin Bieber allerdings, der hat mal in Stratford Straßenmusik gemacht.

Justin Bieber?
Ja, Bieber stammt aus Stratford und es leben auch noch einige seiner Angehörigen hier. Justin Bieber ist regelmäßig in der Stadt. Man sieht dann seinen Jet am Flughafen. Aber wir sind alle sehr respektvoll ihm gegenüber. Selbst die allerberühmtesten Menschen brauchen Orte, an denen sie ganz sie selbst sein können.

Sie singen mit einer engelsgleichen Sopranstimme, Ihre Lieder sind sanft und entspannend, dazu spielen Sie Piano, Akkordeon und Harfe. Was bewirkt Ihre Musik bei den Hörern?
Sie ist beruhigend und tröstend. Viele Menschen empfinden meine Songs außerdem als therapeutisch. Für mich selbst bedeuten diese keltischen Lieder viel mehr als nur eine Möglichkeit, meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Sowohl die Tiefe als auch die Lebensfreude dieser Lieder haben für mich etwas Hochansteckendes und Bewegendes.

„Lost Souls“ ist Ihr erstes Album mit eigenen Songs seit zwölf Jahren. Was ist der Grund für die lange Pause gewesen?
Das Leben an sich. Die Schule, die Tourneen, die Pflege meiner Mutter, die 2011 verstarb – allen diesen Ereignissen habe ich bewusst viel Zeit gewidmet. Ich sehe mich nicht wirklich als einen Teil der Musikindustrie. Ich wuchs auf einer Farm auf, bin körperliche Arbeit gewöhnt und verbringe den Sommer zum Beispiel am liebsten beim Campen in der Natur. Die Fünf-Sterne-Hotels während der Tourneen weiß ich zu genießen, sie sind für mich wie Ferien, aber nicht mein Alltag. Und überhaupt toure ich nur noch maximal vier Wochen am Stück, um genügend zuhause sein zu können.

Ist es richtig, dass der Titelsong „Lost Souls“ stark von Ihrem Unbehagen gegenüber den neuen Technologien inspiriert ist?
Ja. Das Lied basiert zunächst auf dem Buch „A Short History Of Human Progress“ von Ronald Wright. Er hat zahlreiche Zivilisationen studiert und zeigt auf, wie leicht wir in sogenannte „Fortschrittsfallen“ tappen können. Und wahrscheinlich stecken wir gerade in genau so einer Falle fest. Smartphones und soziale Medien sezieren unsere gesamte Spezies. Wir verlieren die Fähigkeit, normal miteinander zu kommunizieren, und wir driften auseinander, können Wahrheit und Fiktion immer schlechter auseinanderhalten, sind nur noch an der Bestätigung unserer eigenen Weltsicht interessiert. Das kann auf Dauer nicht gut gehen.

Lernen Sie in Ihrer Schule nicht mit Computern?
Nein. Die einzige, die dort einen Computer hat, bin ich, und der steht im Lehrerzimmer. Wir haben Tafeln und Bleistifte. Dazu lediglich einen Fernseher. Und ältere Schulbücher, weil die besser sind als die aktuellen. Unsere Kinder lernen sogar noch richtig zu schreiben. Die Schreibschrift ist dabei auszusterben, das finde ich schrecklich.

Was dürfen die Besucher von Ihren anstehenden Konzerten erwarten?
Also: Erstmal mich in bestmöglicher Verfassung (lacht). Während einer Tour versuche ich, jeden Tag eine halbe Stunde lang zu laufen und genügend Schlaf zu bekommen. Und dann werden wir fünf oder sechs Songs vom neuen Album spielen, dazu manches Stück, dass sich die Leute von uns erhoffen und ein, zwei Lieder, die ich noch nicht aufgenommen habe. Mit dabei werden sein mein Gitarrist Brian Hughes, die Cellistin Caroline Lavelle sowie drei weitere Musiker.

„Lost Souls“ kam in Deutschland in die Top Fünf. Warum mögen gerade die Deutschen Ihre Musik so gern?
Ich kann das nur vermuten. Die Deutschen blicken auf eine sehr reiche kulturelle Geschichte, sie schätzen sehr unterschiedliche Arten von Musik. Und in Manitoba, wo ich aufwuchs, lebt eine sehr große deutsche Auswanderergemeinde. Meine beiden Musiklehrer waren zum Beispiel deutscher Herkunft, meine Fasern sind also vollgesaugt mit der wunderbaren deutschen Musikkultur.

Loreena McKennit auf Tour

Die Sängerin und Songschreiberin gibt am 14. Juli um 19.30 Uhr ein Konzert auf Burg Abenberg.  Karten sind im Ticketshop unserer Zeitung erhältlich.

 

Autor

Das Gespräch führte Steffen Rüth
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
08. 07. 2019
06:00 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Caroline Lavelle Cellistinnen Greta Thunberg Justin Bieber Liedermacher und Singer-Songwriter Loreena McKennit Musiker Musikerinnen Musiklehrer Plattenverträge Ronald Wright Schulbücher Songs Sängerinnen Tourneen William Shakespeare
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Loreena McKennitt präsentiert auf ihrer Tour viele Songs ihres umfangreichen Kanons sowie ihres zuletzt veröffentlichten "Lost Souls"-Albums. Foto: Richard Haughton

05.07.2019

Interview

Loreena McKennitt ist seit mehr als drei Jahrzehnten sehr erfolgreich mit mehr oder weniger keltisch geprägten und meist recht ruhigen Folksongs. Sie tritt bald in Deutschland auf. » mehr

Wolfgang Buck

08.01.2020

Kuriositäten des fränkischen Dialekts

Wolfgang Buck feiert zeigt sein neues Programm in Bambewrg. Und das Glenn Miller Orchestra bringt authentischen Swing nach Bayreuth. » mehr

Nils Wülker

29.11.2019

Jazz-Stars im Doppelpack

Nils Wülker und Arne Jansen musizieren in Coburg. Und Huebnotix tritt mit The Velvet Voices auf. » mehr

Jeanette Biedermann

21.01.2020

Mit deutschen Songs zurück auf der Bühne

Jeanette Biedermann meldet sich mit neuen Songs zurück. Und die Musik einer Rocklegende erklingt in Haßfurt. » mehr

Heather Nova

16.10.2019

Rocksongs mit viel Gefühl

Heather Nova kommt nach Nürnberg. Und "Die Lange Nacht der Wissenschaften" wird in Nürnberg ausgerichtet. » mehr

Andre Rieu

16.12.2019

Andre Rieu: "Emotionen sind das Wichtigste"

André Rieu gilt als Musiker der Superlative. Seine Fans verteilen sich über fünf Kontinente. Im Oktober wurde er 70 Jahre alt. Bald geht er auf Tour. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Unfall Neukenroth | 24.01.2020 Neukenroth
» 5 Bilder ansehen

Joseph Hannesschläger

Diese Prominenten sind 2020 schon gestorben |
» 7 Bilder ansehen

Büttensitzung Zeiler Narrenzunft

Büttensitzung Zeiler Narrenzunft | 20.01.2020 Ralf Naumann
» 12 Bilder ansehen

Autor

Das Gespräch führte Steffen Rüth

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
08. 07. 2019
06:00 Uhr



^